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Anekdote
Ursprünglich ein publikationstechnischer Begriff (aus dem Griechischen), der das noch Unveröffentlichte bezeichnete; wurde später zur pointierten (und meist witzigen) Begebenheit aus dem Leben berühmter Persönlichkeiten. Wenn auch häufig der Wahrheitsgehalt insgesamt in Frage gestellt werden muss, sind doch meistens Bezüge zu Verhaltensformen oder Äußerungen des Betreffenden gegeben. Zuweilen sind A.n und ähnlich lautende Erinnerungsberichte von Zeitzeugen nicht klar voneinander abzugrenzen (z. B. bei A. Bruckner). Eine Ausnahme stellen Wander-A. dar, die auf der Übertragung attraktiver Pointen beruhen. In der Regel liegt die Hauptbedeutung von A.n im Bereich der Rezeption.

Geschichte mittels A.n didaktisch populär zu vermitteln, hat in Österreich seit dem 19. Jh. Tradition und spielt gerade für die Musik eine wichtige Rolle. Abgesehen von Mentalitätsfragen überbrückt die A. die Kluft zwischen irrationaler Schaffenssphäre und allgemeiner Erfahrbarkeit. Bekannte Komponisten (vorrangig A. Bruckner und R. Strauss), aber ebenso ausübende Künstler (z. B. J. Hellmesberger, L. Slezak) und Institutionen (Oper, Wiener Philharmoniker) sind die am häufigsten auftretenden Protagonisten.


Literatur
R. Schäfer, Die A. 1982; E. W. Partsch in Musica 46 (1992); E. W. Partsch in R. Grasberger/E. W. Partsch, Bruckner – skizziert 1996; R. Kleinecke, Musiker-Humor 1916. – A.en-Slgn. (Auswahl): H. Herzfeld, Adagio und Scherzo 1941; F. Gräflinger, Liebes und Heiteres um Anton Bruckner 1948; A. Witeschnik, Musizieren geht übers Probieren 1967; A. Witeschnik, Warten aufs hohe C 1969; A. Witeschnik, Geht all’s recht am Schnürl oder Richard Strauss in der Anekdote 1983; A. Witeschnik, Wer ist Wotan? 1989; D. Koller, Anekdoten nach Noten 1983; P. Dusek, Kulissengespräche 1993; C. Öhlberger, Philharmonische Capriolen 1993.

Autor(en)
Erich Wolfgang Partsch †
Empfohlene Zitierweise
Erich Wolfgang Partsch †, Art. „Anekdote‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 25/05/2001]