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Ansfelden
Dorf (seit 1988 Stadt) im oberösterreichischen Traunviertel nahe Linz. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 788. Vorerst war die Pfarre der Diözese Passau (Dekanat Lorch) zugeordnet, seit 1682 gehört A. zum Stift St. Florian. 1864 konstituierte sich die freie Gemeinde A. Wie in vielen anderen Orten finden sich auch in A. die ersten Hinweise zur Musikausübung in Zusammenhang mit Schule und Kirche: Eine Rechnung aus dem Jahre 1597 enthält den Hinweis, dass der Schulmeister zur jährlichen Chorbesoldung zwei Gulden und zwei Pfennig erhalten sollte. In einer Gottesdienstordnung von 1680 ist ausdrücklich von Sängern für Prozessionen die Rede. Seit dem 16. Jh. sind die Namen von Schulmeistern durchgehend überliefert. Darunter finden sich einige, bei denen explizit auf deren musikalische Tätigkeit verwiesen wird. So etwa bei Wolfgang Lebersorg (tätig 1669–83). Im Nachlass von Leopold Punzenberger (tätig 1735–41) ist eine „kleine ordin. Geigen“, in jenem von Sebastian Kletzer († 1776) sind diverse „Instrumenta“ und bei A. Bruckner sen. (tätig 1822–37) vier Violinen, ein Klavier und verschiedene Musikalien angeführt. Bedingt durch den Chor- und Organistendienst der Schullehrer entstand ein bis heute existierender Kirchenchor, dessen gegenwärtiger (2013) Leiter Wolfgang Mayer ist. In der zu A. gehörigen Pfarrkirche Berg formierte sich erst 1937 ein Chor, der sich nach dem Tod der Leiterin Erika Stanzel 2011 auflöste. Die musikalische Gestaltung von Gottesdiensten nimmt nun die 1995 als Jugendchor gegründete Vereinigung BergWerk wahr (Leiterin Andrea Kadic). Die Orgel in der Pfarrkirche in A. wurde 1864 von der Fa. Breinbauer aus Ottensheim/OÖ gebaut. Sie ist – bis auf die Prospektpfeifen – vollständig original erhalten geblieben und wurde im Jahr 2009 von der Firma Kögler (Oberösterreichische Orgelbauanstalt) generalsaniert.

Kirchenmusikalische Bestände sind in A. erst ab der Mitte des 19. Jh.s erhalten. Zur Aufführung kamen vor allem Werke von R. Führer, J. Gruber oder J. Ev. Habert. Es finden sich aber auch Kompositionen der örtlichen Schullehrer Alois (1803–76) und Ferdinand Albrecht (1851–1903). In der zu A. gehörigen Schule in Berg wirkte 1854–56 J. N. Bruckner, der als Schöpfer von 20, heute nicht mehr erhaltenen Messvertonungen in Erscheinung getreten ist.

Internationale Bekanntheit erlangte A. als Geburtsort A. Bruckners. Er verbrachte hier die Jahre bis 1837. Schon 1870 verlieh man ihm die Ehrenbürgerschaft des Ortes. Sein Geburtshaus ist seit 1971 Teil der Oberösterreichischen Landesmuseen.

Das gegenwärtige musikalische Leben wird in A. neben dem schon erwähnten Kirchenchor v. a. von dem 1868 durch Alois Albrecht gegründeten und geleiteten Musikverein bestimmt. 1872 übernahm die Kapellmeisterstelle dessen Sohn Ferdinand, der mit Bruckner in freundschaftlicher Verbindung stand. Wie damals werden auch heute unter Kapellmeister Alexander Hans Quasniczka traditionelle Termine im Jahreskreis wahrgenommen, wenngleich versucht wird, alle zwei Jahre ein größeres Projekt zu realisieren. So wurden 2012 gemeinsam mit Chören und anderen Musikvereinen Carl Orffs (1895–1982) Carmina burana umgesetzt.

Auch die zur Stadtgemeinde A. gehörende Papierfabrik Nettingsdorf/OÖ verfügt über eine eigene Werkskapelle (gegr. 1921). Die seit 2010 von Vera Kobleder geleitete Kapelle nimmt v. a. werksinterne Termine war, kümmert sich aber auch um den musikalischen Bedarf in der eigenständigen Pfarre Berg. In Nettingsdorf bestand darüber hinaus 1918–55 eine eigene Liedertafel (Männergesang). Weitere musikalische Körperschaften im Gemeindegebiet bilden die Trachtenkapelle Haid (gegr. 1961) und die 1998 neugegründete Chorgemeinschaft Haid, die aus einem hier von den 1950er Jahren bis 1969 aktiven Kirchenchor hervorging und heute von Friedrich Kron geleitet wird. Im eingemeindeten Haid gibt es weiters eine Männergesangsrunde (gegr. 1989, Leiter Paul Müller).

Als Konzertveranstalter fungiert in A. v. a. das 1996 erbaute Anton Bruckner Centrum (ABC), das jährlich unterschiedliche Künstler nach A. lädt.

Nachrichten zur volksmusikalischen Betätigung im Gemeindegebiet sind spärlich. Sie finden sich zuerst in Bezug auf Adam Pflughuber, der 1710–13 als „fidibus lusoris“ bzw. „Spielmann Adam zu Nettingsdorf“ dokumentarisch nachweisbar ist. P. W. Pailler konnte in A. zwei Weihnachtslieder („Ei, wie schwer fällt mir die Zeit“ und „Auserwähltes Jesulein“) aufzeichnen, die höheres Alter haben dürften. Landler-Runden, Sing- und Tanzgemeinschaften, die sich der Brauchtumspflege verschrieben haben, sind seit dem späten 19. Jh. bekannt. Viele davon waren bis in die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen aktiv. Eine 1982 gegründete Stubenmusi löste sich in den vergangenen Jahren auf. Heute (2014) gibt es noch einen Singkreis (gegr. 1978) und die A.er Tanzlmusi, die diesen oft musikalisch begleitet. Eine in den 1970er Jahren gegründete Volkstanzgruppe löste sich 2013 auf. Das aus jungen Sängern bestehende A.er Vokalensemble Mixxdur ist seit 2011 meist regional engagiert.


Literatur
J. Fuchshuber, A. einst und jetzt 1988; Pfarre Haid (Hg.), Orgelweihe Autobahnkirche Haid 2000; J. Kurz in Bruckner Jb. 1994/95/96 (1997); W. Pailler, Weihnachtslieder und Krippenspiele aus Oberösterreich und Tirol 1881, 156f, 292f; BrucknerH 1996; www.opac.rism.info (Bestand A.); eigene Recherchen.

Autor(en)
Klaus Petermayr
Empfohlene Zitierweise
Klaus Petermayr, Art. „Ansfelden‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 27/11/2013]