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Arbeiter-Sinfoniekonzerte
Wichtiger Teil der Kultur- und Bildungsarbeit der österreichischen Arbeiterschaft. 1905 vom Kulturpublizisten und bedeutenden Funktionär der Arbeiter-Musikbewegung D. J. Bach initiiert, dienten die regelmäßig veranstalteten A. vornehmlich der Vermittlung des traditionellen Orchesterrepertoires. Das erste A. fand am 29.12.1905 im großen Musikvereinssaal statt; unter F. Löwes Leitung spielte das Wiener Concertvereins-Orchester (die späteren Wiener Symphoniker) Werke von C. M. v. Weber, Rich. Wagner, L. v. Beethoven und H. Wolf. Bis zum Anfang der 1920er Jahre sollte sich an der an Wiener Klassik und Romantik orientierten Programmauswahl nichts Wesentliches ändern. Neben Löwe dirigierte des Öfteren auch Oskar Fried, unter F. Schreker fand eines der ersten Konzerte mit zeitgenössischer Musik statt (Frederick Delius: Messe des Lebens; 18.2.1911). – Die Zeit der Ersten Republik brachte einen vielbeachteten organisatorischen und künstlerischen Aufschwung. Namhafte Dirigenten wie R. Strauss, F. Schalk, G. Szell, C. Krauss, F. Salmhofer, Alfredo Casella, E. W. Korngold oder A. Zemlinsky leiteten nun die Konzerte. A. Webern, der erstmals 1922 ein A. dirigierte, war ab 1926 der wichtigste künstlerische Leiter. Als Chormeister des Singvereins der Sozialdemokratischen Kunststelle realisierte Webern im Rahmen der A. groß angelegte Chor-Orchesterwerke u. a. von Beethoven, G. Mahler oder A. Schönberg (z. B. Mahler: 3. Symphonie, 27./29.5.1922; 8. Symphonie 18.4.1926; Beethoven: Chorphantasie 20.3.1927; Schönberg: Friede auf Erden, 21.6.1932). – Die endgültige Programmkonzeption der A. lag allerdings in Händen von D. J. Bach, der als Leiter der zuständigen Sozialdemokratischen Kunststelle hauptverantwortlich zeichnete. Die von Bach verfolgte kulturpolitische Linie der Rezeption und damit die Aneignung des sog. „traditionellen bürgerlichen Kulturerbes“ (von J. S. Bach bis Mahler und Strauss) erfuhr erst gegen Ende der 1920er Jahre eine merkliche Modernisierung. Vermehrt kommen nun Kompositionen des Schönberg-Kreises, aber auch aktuelle, politisch ausgerichtete Werke von H. Eisler, K. Weill, P. A. Pisk oder V. Korda zur Aufführung. Das letzte A. fand am 11.2.1934, wenige Stunden vor der gewaltsamen Auflösung der österreichischen Sozialdemokratie, statt.
Literatur
J. W. Seidl, Musik und Austromarxismus, Diss. Wien 1984; W. Jank, Arbeitermusik zwischen Kunst, Kampf und Geselligkeit, Diss. Wien 1982; H. Kotlan-Werner, Kunst und Volk 1977.

Autor(en)
Manfred Permoser
Empfohlene Zitierweise
Manfred Permoser, Art. „Arbeiter-Sinfoniekonzerte‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 25/05/2001]