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Artaria
Wiener Kunst- und Musikverlag. Um die Mitte des 18. Jh.s knüpften die reisenden Kunsthändler Cesare (1706–85), Domenico I. (1715–84) und Giovanni Casimiro (1725–97) Kontakte nach Wien. 1770 gründeten die Söhne von Domenico I. und Cesare, Francesco I. (1744–1808) und Carlo (1747–1808), das Wiener Verlagshaus mit Sitz in den Tuchlauben (Konzession 1769); beide hatten Erfahrungen im Mainzer Kunsthaus ihres Onkels Giovanni Casimiro (gegr. 1765) gesammelt. Ab 1771 unter dem Namen A. & Comp. geführt, übersiedelte A. 1775 auf den Kohlmarkt (1789 schließlich in das Haus, in dem sich auch heute noch die Nachfolger-Firma Freytag & Berndt, Karten- und Kunstverlag, befindet). Ab 1776 erweiterte A. sein Repertoire um Musik und Karten und eröffnete 1778 einen eigenen Musikverlag, mit dem es den Notenstich auf Zinnplatten in Wien einführte. Der Verlag der Werke von J. Haydn ab 1779 machte A. schnell berühmt; auch I. Pleyel, A. Salieri, Chr. W. Gluck und W. A. Mozart wurden durch A. verlegt. 1780 trat Ignazio A. (1757–1820), der Bruder von Francesco, als Teilhaber in die Firma ein. 1786 konnte der Verlag von Chr. Torricella übernommen werden. 1775–93 war Domenico II. (* 22.5.1765 Blevio/I, † 2.1.1823 Mannheim) Teilhaber der Wiener Firma, ging jedoch 1793 nach Mainz, um das dortige Kunsthaus zu führen (in diesen Jahren waren beide Verlagshäuser miteinander verbunden). 1793 wurde G. Cappi Teilhaber der Wiener Firma, kurz darauf T. Mollo. 1798 traten Ignazio A. und Mollo aus und gründeten einen eigenen Musikverlag, 1801 ebenfalls Cappi. Auch Francesco A. trat aus der Firma aus, übergab seine Konzession an Domenico III. (* 20.11.1775 Blevio, † 5.7.1842 Wien), der sich wiederum mit Mollo zusammenschloss. Carlo war somit alleiniger Inhaber der Firma A., welche er 1802 an Mollo verkaufte. Mollo und Domenico III. teilten die gemeinsame Firma, wodurch Domenico wieder alleiniger Besitzer des Geschäftes am Kohlmarkt wurde; Domenico III. wurde der Verleger von L. v. Beethoven, J. N. Hummel, I. Moscheles und J. Mayseder. 1833 trat Domenicos Sohn August A. (* 1807, † 14.12.1893 Wien) als Teilhaber in die Firma ein. In der 2. Hälfte des 19. Jh.s zog sich die Firma A. zunehmend aus dem Musikalienverlag zurück: 1818 erstand J. Traeg einen Teil des Musikverlages, 1832 Th. Weigl. Ein letztes Mal betätigte sich Carl August A., Teilhaber ab 1881 († 1919) als Musikverleger (Edition der sog. Kaiserwerke 1892 und 1894–1919 der Denkmäler der Tonkunst in Österreich ). 1932 wurde die Firma aufgelöst bzw. durch die Firma Gilbert v. Schiviz, heute Freytag & Berndt übernommen. Die umfangreiche Autographen- und Kunstsammlung der Firma A. wurde nach dem Tod von August A. von seinen Söhnen Carl August, Dominik (Teilhaber seit 1890, † 1936) und Franz († 1942) 1897 an Erich Prieger verkauft, der sie 1901 an die Preußische Staatsbibliothek Berlin weiterverkaufte.
Literatur
MGG 1 (1949–51); NGroveD 1 (2001) u. 1 (1980); MGG 1 (1999); NDB 1 (1953); Czeike 1 (1992); R. Hilmar, Der Musikverlag A. 1977; [Anonym], Geschichte der Firmen A. und Freytag-Berndt und A. 1970; E. Th. Hilscher, Denkmalpflege und Musikwissenschaft 1995; A. Weinmann, Vollständiges Verlagsverzeichnis A. & Comp. 1978.

Autor(en)
Elisabeth Th. Hilscher
Empfohlene Zitierweise
Elisabeth Th. Hilscher, Art. „Artaria‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 25/05/2001]