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Attwenger
Duo, bestehend aus H. P. Falkner (Ziehharmonika) und M. Binder (Drums). Erstes Konzert im April 1990, mit dem Debütalbum most erlangten die A. Popularität. Es folgten neben Auftritten im deutschsprachigen Raum auch Konzerte in mehreren europäischen Metropolen sowie in Kuala Lumpur und Harare. Im Herbst 1995 löste sich das Duo vorübergehend auf und setzte ab Sommer 1996 ihre erfolgreiche Zusammenarbeit fort. Tourneen führten sie auch nach Asien und Südamerika, bis heute (2010) entstanden insgesamt acht Alben.

Oftmals der neuen Volksmusik zugeordnet, ist die Musik der A. weniger volksmusikalisch, als vielmehr die Dekomposition von Volksmusik: Die Nutzung der Lautlichkeit von Sprache, wie sie in der Mundart ausdrucksvoll überhöht ist, und die Isolation der Kraft „unkultivierter“ Ausdrucksformen. Sound der Sprache und Sound der „distorted“ Harmonika werden zu bestimmenden Elementen von Dissidenz. Dies steht letztlich in der Tradition authentischer Rock-Musik, die mit dem Ziel, alternative kulturelle Formen zu entwerfen, stets aus originären musikalischen Äußerungen schöpft. Nach der soziopolitischen Trendwende in den 1980er Jahren, wonach Fortschritt nicht in Revolution, sondern Evolution gesehen wird und damit eine Neubewertung von Tradition beginnt, kommt es international zu einer Ethnifizierung von Rock/Pop, in Österreich zur Hinwendung zum Älpischen (Alpenmusik). Auf diesem Boden vollzieht A. die Verschmelzung von schwarzem Hip-Hop mit dem oberösterreichischen G'stanzl. „Die Sprache ist unser Spielball“ (Duller), aus dessen Spiel sich „ein Rhythmus ergibt“. Diese Spielart des Rap geht mit der Reduktion von Sprache auf ihren lautlichen Ausdruck einher. In den Lautgedichten des Dichters Ernst Jandl finden die A. österreichische Wurzeln ihres formalen Tuns, in den Mundartgedichten H. C. Artmanns die heimischen Roots ihrer Inhalte in der Kraft der Deftigkeit des Originären.


Ehrungen
Amadeus Austrian Music Award 2003 (Kategorie „FM4 Alternative Act“).
Werke
Alben di kia 1990/2007, most 1991, pflug 1992, luft 1993, song 1997, sun 2002, dog 2005, dog 2 remixes 2006; Filme A.film 1995, A. Advemture 2007.
Literatur
Beiträge von Chr. Duller u. Chr. Seiler in Chr. Seiler (Hg.), Schräg Dahoam 1995; G. Hohl, Die Neue Österreichische Volksmusik. Eine musikanalytische Darstellung am Beispiel von Broadlahn, A. und Hubert von Goisern, Dipl.arb. Graz 1997; B. Boisits in S. Ingram et al. (Hg), Reverberations: Representations of Modernity, Tradition and Cultural Value in-between Central Europe and North America 2002; www.attwenger.at (10/2010).

Autor(en)
Werner Jauk
Monika Kornberger
Empfohlene Zitierweise
Werner Jauk/Monika Kornberger, Art. „Attwenger‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 25/05/2001]