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Audiovisuelle Medien
Auf Hören und Sehen zugleich gerichtete Informationsträger. In der Notation, der grafischen Repräsentation von Musik, ist das Klangliche und Visuelle zueinandergeführt, ein zeichenhaftes visuelles Medium geschaffen, das das Klangliche vermittelt, seine „Speicherung“ ermöglicht.

Abseits funktionaler Parallelführung von Klang und Bild in darstellenden und narrativen Genres basiert die künstlerische Entwicklung a. M. auf der Nutzung synästhetischer Phänomene. Vom romantischen, sich gegenseitig verstärkenden Zeichnen in Ton und Farbe befreit, ermöglicht die Konstruktion von Lichtorgeln das absolute Spiel mit Reizen beider Sensorien. Dieses Denken findet in der Musik durch A. Schönberg, in der visuellen Kunst durch Wassily Kandinsky und in deren Kollaboration Ausdruck.

Die fototechnische Speicherung und Wiedergabe von bewegtem Bild und Ton im Film (Filmmusik) erweitert die Möglichkeiten multimedialen Denkens in der Folge des Futurismus um die künstlerische Machbarkeit. Der abstrakte Film arbeitet mit den kompositorischen Mitteln der willkürlichen Zeitgestaltung, Oskar Fischinger reiht Formen und Farben, Kurt Krenn dekomponiert die Logik der Handlung durch die Willkürlichkeit der musikalischen Reihung, allein geregelt durch Prozesse der Spannung bzw. Lösung.

Die elektrotechnische Erzeugung und Speicherung von Bild und Klang bringt ihre wechselseitige Steuerung und Austauschbarkeit. Interaktionen zwischen Video und Ton werden möglich, die Erzeugung und Regelung von Spannungen kann wahlweise dem visuellen oder dem auditiven Sensorium zugänglich gemacht werden. Audiovisuelles Denken wird schließlich in den digitalen Künsten durch die Arbeit am common digit überwunden – das Musikalische bleibt in diesen Neuen Medien der digital culture die willkürliche Gestaltung abseits einer Subjekt-Objekt-Relation, damit abseits der Implikationen der Welt der Dinge.

Wie die Notation als zeichenhafte Fixierung das Entstehen des Werks begünstigte, haben die technische Fixierung des Klangs als analoges Medium und seine spätere Digitalisierung spezifische musikalische Hervorbringungen ermöglicht, die musique concrète wie die Verarbeitungstechniken der elektronischen Musik und schließlich ein eigenes Medium: in Fortführung des intermedialen abstrakten Films das Musikvideo. Die maschinengestützte Generierung hat Amateurismus, die Verfügbarkeit von Technologie (weitere) Popularisierung dieser elektronischen Künste verstärkt.

Die Notation hat die Überlieferung von Musik begünstigt. A. M. haben die Übertragung und damit die Unabhängigkeit von Ort und mit der Speicherung die Unabhängigkeit von Zeit erbracht; das World Wide Web (Internet) bringt die allgemeine Zugänglichkeit. Diese Veränderungen der Distribution haben eine Demokratisierung der Rezeption ermöglicht.


Literatur
V. Body/P. Weibel, Clip, Klapp, Bum. 1987; H. W. Burow, Musik Medien Technik 1998; W. Faulstich (Hg.), Grundwissen Medien 2004; W. Jauk in Acta Philosophica 20/2 (1999, XIV ICA Suppl.); W. Jauk in Bericht KlangForschung 98 (1999); H. de la Motte-Haber, Musik und bildende Kunst 1990; F. Rötzer, Digitaler Schein 1991; J. Stange in H. H. Eggebrecht (Hg.), Musikwissenschaft. Studien 10 (1989); Netz-Werk, NZfM (1998).

Autor(en)
Werner Jauk
Empfohlene Zitierweise
Werner Jauk, Art. „Audiovisuelle Medien‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 25/05/2001]