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Auersperg, Auersperg, true Familie
Altes Krainer Adelsgeschlecht, seit 1220 nachweisbar. Seit der Frühneuzeit sind die A. in unmittelbarer Nähe des Kaisers am Hof nachweisbar (Pagen, Kämmerer, Palastdamen); als solche findet man sie seit dem Frühbarock bei höfischen Dilettantenaufführungen in den Besetzungslisten. In der 2. Hälfte des 18. Jh.s sind die A. (neben den Familien Liechtenstein, Schwarzenberg, Esterházy) unter den wichtigsten Mäzenen zu finden.

Johann Adam Joseph (Joannes Adamus Antonius Josephus Augustinus Albertus Franciscus): get. 29.8.1721 Wien, † 11.11.1795 Wien. Kämmerer, Mäzen. War k. k. Kämmerer und Geheimer Rat. 1746 heiratete er Katharina Gräfin Schönfeld (1728–53), 1755 in zweiter Ehe Maria Wilhelmina Gräfin Neipperg (1738–75). 1777/78 kaufte er von Philipp Graf Kinsky das Palais Rofrano (Wien VIII, Auerspergstraße 1) und ließ es umgestalten; zuvor hatte dort J. F. v. Sachsen-Hildburghausen gewohnt. 1778 erwarb J. A. das nahe dem Palais gelegene Haus „Zum Bauernfeind“ (Wien VIII, Lerchenfelder Straße 6), in dessen Gartentrakt (heute in etwa Wien VIII, Trautsongasse 3) sich ein kleines Theater befand, das bis 1781 noch von F. J. Scherzer bespielt wurde, anschließend jedoch in umgestalteter Form als Privattheater diente. Hier veranstaltete J. A. regelmäßig Opernaufführungen mit adeligen Liebhabern als Darsteller. In solchen Vorstellungen wurden z. B. im Februar 1786 unter Ch. W. Glucks Leitung dessen Opern Iphigenie auf Tauris und Alceste, am 13. März 1786 W. A. Mozarts Idomeneo (Wiener EA, Mozart schrieb für diesen Anlass auch das Duett KV 489 sowie Szene und Rondo KV 490) und 1793 unter J. F. v. Kuefstein A. Salieris Axur aufgeführt. 1791 schrieben L. da Ponte und J. Weigl d. J. aus Anlass eines königlichen Besuchs bei J. A. die Festkantate Flora e Minerva. 1787 gelangte auch J. Haydns Instrumentalfassung der Sieben Worte unseres Erlösers am Kreuz beim Fürsten zur Aufführung. Als großer Musikliebhaber unterhielt J. A. wie Sachsen-Hildburghausen eine eigene Hauskapelle, in der Karl Haudek 1745/46 Konzertmeister war und die eine Zeitlang von St. Klackel geleitet wurde. A. zählte wie auch sein Bruder Karl Joseph Anton (Carolus Joseph Antonius Joannes Adamus Constantinus, * 17.2.1720 Wien, † 2.10.1800 Schloss Losensteinleiten/OÖ) und dessen Frau Maria Josepha Trautson, geborene Gräfin von Falkenstein (1724–92) zu den Subskribenten von W. A. Mozarts Privatkonzerten im Trattnerhof 1784.

K. J.s Sohn Wilhelm: * 9.8.1749 Graz, † 16.3.1822 Ödenburg/Ungarn (Sopron/H). Militär und Mäzen. Schlug eine militärische Laufbahn ein, stieg bis zum Generalmajor auf und heiratete 1776 Leopoldine Gräfin von Waldstein (1761–1846). War Subskribent von Mozarts Privatkonzerten im Trattnerhof 1784 und wird 1796 als einer der ersten Musikförderer in Prag genannt. W.s Sohn Vincenz (1790–1812) soll gut Violine gespielt haben, dessen Sohn Vincenz Karl (1812–67) widmete G. Barth seine Lieder op. 2; V. K. ließ auf dem Gartengrundstück des Palais 1864 auch einen Ballsaal errichten. V. K.s Sohn Franz Joseph Emanuel (1856–1938) pflegte noch Theater- und Konzertveranstaltungen zu wohltätigen Zwecken im Palais.

W.s Bruder Karl: * 21.10.1750 Wien, † 6.12.1822 Wien. Militär, Mäzen. War 1785 bereits Kommandant eines Grenadier-Bataillons, anschließend Oberst im IR Nr. 27. 1789 konnte er sich im Krieg gegen die Türken auszeichnen, im zweiten Franzosenkrieg (1793) geriet er in Gefangenschaft. Als Feldmarschallleutnant kämpfte er noch 1805 gegen die Franzosen. Weiters k. k. Geheimer Rat, Oberstjägermeister und Oberst-Erbland-Marschall in Tirol. 1776 heiratete er Maria Josepha von Lobkowitz (1756–1823), eine Tochter von J. M. K. v. Lobkowitz. K. v. A. wurde von seinem Onkel J. A. adoptiert und war dessen Universalerbe. War ebenfalls Subskribent von W. A. Mozarts Privatkonzerten im Trattnerhof 1784, 1794–96 dürfte J. B. Schenk bei ihm als Kapellmeister gedient haben. K. v. A. scheint bereits vor 1798 im Privattheater der A. eine Fabrik eingerichtet zu haben, erst 1802 suchte er jedoch offiziell um die Genehmigung eines Umbaus des Theaters in eine Fabrik an.

Deren Halbbruder Joseph Franz Anton: * 31.1.1734 Wien, † 21.8.1795 Passau/D. Geistlicher. Gefördert von S. Ch. Schrattenbach erhielt er früh eine Kanonikerstelle am Dom zu Salzburg und war in der Folge Bischof von Lavant (1763–72), Gurk (1772–83) und Passau (ab 1783); 1789 Kardinal. Er war ein Förderer von Theater und Oper, 1783–86 ließ er das Passauer Stadttheater grundlegend umbauen und machte es als Fürstbischöfliches Opernhaus öffentlich zugänglich.

F. J. E.s Großneffe Johannes: * 29.1.1934 Salzburg, † 24.4.2019 Wien. Kontrabassist, Dirigent. Begann im Alter von 13 Jahre das Kontrabassspiel und studierte nach der Matura Kontrabass bei Alfred Bürgschwendtner (1928–2010) am Salzburger Mozarteum (Abschluss mit Auszeichnung 1957). Daneben belegte er einen Kapellmeisterkurs, substituierte im Mozarteumorchester und war Mitglied der Camerata academica Salzburg unter B. Paumgartner. 1957/58 Mitglied des Wiener Kammerorchesters und Unterricht bei L. Streicher. 1958–65 Solobassist im Orquestra Filarmónica sowie Prof. am Konservatorium in Lissabon. 1965 Rückkehr nach Österreich, wo er als Erster Bassist des Bruckner Orchesters Linz tätig wurde. Daneben dirigierte J. A. u. a. das Linzer Jugendorchester und das Wiener Jeunesse Orchester. Ab 1971 baute er in der Expositur Oberschützen/Bl der MHsch. Graz eine Kontrabassklasse auf, der er ab 1973 als o.Prof. bis zu seiner Emeritierung 2002 vorstand. Außerdem leitete er 1974–83 das Hochschulorchester Oberschützen, das sich unter seiner Ägide vom kleineren Kammerorchester zum großen Symphonieorchester entwickelte. J. A. spielte in zahlreichen Kammermusikensembles (u. a. im Österreichischen Barocktrio mit Hans Meister [Tr.] und Josef Hofer [Org.]) und war als Dozent bei verschiedenen Meisterkursen tätig.


Ehrungen
Lilli Lehmann-Medaille 1957.
Literatur
Ch. Fastl in G. Gruber/J. Brügge (Hg.), Das Mozart-Lex. 2005; A. Hartlieb-Wallthor (Hg.), Ein Wiener Palais erzählt. Das Rosenkavalierpalais A. 1999; F. Freytag v. Loringhoven, Europäische Stammtafeln 3 (1956); W. Brauneis in Jb. des Vereins f. Gesch. der Stadt Wien 60 (2004); O. Biba in Das Josefstädter Heimatmuseum 49/50 (Dez. 1968); W. Szmolyan in ÖMZ 18/12 (1963); H. Schindelka in Das Josefstädter Heimatmuseum 11/10 (Okt. 1960); W. A. Bauer/O. E. Deutsch (Hg.), Mozart. Briefe und Aufzeichnungen, 8 Bde. 1962ff; Deutsch, Mozart Dokumente 1961; H. Ch. R. Landon (Hg.), Das Mozart Kompendium 1991; H. Ch. R. Landon, Mozart. Die Wiener Jahre 1781–1791, 1990; C. Höslinger in MozartJb 1986; M. Dietrich in MozartJb 1973/74; J. Hirtenfeld, Der Militär-Maria-Theresien-Orden u. seine Mitglieder 1857, 282f; J. F. v. Schönfeld, Jb. der Tonkunst v. Wien u. Prag 1796; D. Link, The National Court Theatre in Mozart’s Vienna 1998; Czeike 1 (1992); Wurzbach 12 (1864) [Klackel] u. 22 (1870), 469; Allg. Musikalischer Anzeiger 18.12.1834, 205; Wr. Ztg.14.12.1822, 1152; Tauf- und Trauungsbuch 1619–1755 der Burgpfarre (Wien I), pag. 97f; Taufbuch 1721–25 der Schottenpfarre (Wien I), fol. 18v; Trauungsbuch 1776 der Dompfarre St. Stephan (Wien I), fol. 285v; Sterbebuch 1813–23 der Pfarre Maria Treu (Wien VIII), fol. 324; WStLA (Portheim-Kat.); http://de.wikipedia.org (9/2011); www.oao.at (8/2015); www.geni.com(8/2015); www.kug.ac.at (5/2019); weitere eigene Recherchen.

Autor(en)
Christian Fastl
Monika Kornberger
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl/Monika Kornberger, Art. „Auersperg, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2019]