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Babenberger
Familie des bayerischen Hochadels, die im Hochmittelalter mehrere Herrschaftsfunktionen innehatte; darunter ab 976 (Leopold I., gen. der Erlauchte, 976–94) über jene Gebiete, die sich von Bayern abspalten und aus denen sich im Laufe ihrer 270 Jahre währenden Herrschaft (Aussterben der Linie im Mannesstamm mit Friedrich II., gen. der Streitbare, 1230–46) Markgrafschaft, Herzogtum und Land Österreich entwickeln sollte. Der Prestigezuwachs ist auch an familiären Beziehungen der B. zu ersehen: zunächst stammten die Ehefrauen aus gleichgestellten Familien, später heirateten Leopold III. (gen. der Heilige, 1095–1136) eine salische Königstochter (Agnes, dadurch enge Verwandtschaft der nächsten Generation mit den Staufern), Leopold V. (gen. der Tugendhafte, 1177–94) eine ungarische sowie Heinrich II. (gen. Jasomirgott, 1141–77) und Leopold VI. (gen. der Glorreiche, 1198–1230) byzantinische Prinzessinnen. Dass sich damit auch Konsequenzen in der Hofhaltung, deren Ansprüchen und Beeinflussungen ergaben, ist zwar anzunehmen, im Detail aber kaum zu belegen. Auffällig ist, dass z. B. das Studium von Leopolds III. Sohn Otto in Paris (er wurde später Zisterzienser und als O. v. Freising bekannt, 1111–58) hier ebenso wenig unmittelbare Spuren hinterließ wie der seit 1153/55 in Wien als Schulmeister bezeugte Magister Petrus, gebürtiger Franzose und Widersacher Gerhohs v. Reichersberg. Vielmehr besteht im 12./13. Jh. sowohl auf gewissen musikalischen als auch dichterischen Gebieten der Eindruck einer besonderen Zurückhaltung gegenüber westlichen Neuerungen (z. B. hinsichtlich der neuen Mehrstimmigkeit) oder gar von Gegenmodellen (insbesondere im Epos, Nibelungenlied). Die auch für die Musik nachhaltigste Wirkung haben die B. wohl indirekt durch ihre Klostergründungen erzielt. Diese lassen zunächst die Abfolge ihrer Herrschersitze (Melk, Klosterneuburg, Schottenstift/Wien) und erst in zweiter Linie geistliche Absichten (Heiligenkreuz) erkennen. In den Zusammenhang des in solchen Kreisen Üblichen und zu Erwartenden gehört auch die zeitweise Aufnahme und Förderung von Fahrenden, Minnesängern und Spruchdichtern. Wenn Walther v. der Vogelweide bekennt, „ze Osterriche lernt ich singen und sagen“, kann dies auch als Hinweis auf eine bereits bestehende Tradition genommen werden. Diese ist zum einen durch gesanglichen Vortrag gekennzeichnet und zum andern im Kürnberger, Dietmar v. Aist oder Nibelungenlied im Allgemeinen und in Reinmar (von Hagenau?) am B.hof im Besonderen greifbar. Walthers Abgang von Wien hängt mit großer Wahrscheinlichkeit mit dem Tod Friedrichs I. (gen. der Katholische, 1194–98) zusammen, um die Gunst von dessen durchwegs ernsterem und engerem Nachfolger, Leopold VI., er offenbar vergeblich gebuhlt hatte. Diesem hat die moralisierende Spruchdichtung eines Reinmar v. Zweter oder Bruder Wernher, die dennoch höchstens kurzfristig an seinem Hof gelebt haben dürften, wohl eher zugesagt. Mit Friedrich II. hat sich das politische wie kulturelle Klima nur mehr vorübergehend gewandelt. Neidhart v. Reuenthal und der Tannhäuser haben seine Förderung erfahren und die Vortragssituation des Minneliedes scheint sich in Richtung Tanz verschoben zu haben. Dass mit dem Tod des Herzogs in der Schlacht an der Leitha 1246 eine Epoche zu Ende ging, war offenbar auch Zeitgenossen bewusst: er schlug sich in wenigstens vier lateinischen (Organa laeticiae [s. Abb.Voce tristi, Fridericus dux, Accipe fortuna) und mehreren deutschen Klageliedern (des Tannhäusers, Neidharts, Bruder Wernhers und Ulrichs v. Liechtenstein) nieder. Ebenso hat die auch in politischem Licht zu sehende Heiligsprechung Leopolds III. 1485 mehrere Leopold-Offizien gezeitigt.
Literatur
Beiträge von R. Flotzinger u. F. P. Knapp in R. G. Plaschka/A. M. Drabek (Hg.), Österreich im Hochmittelalter (907 bis 1246), 1991; MGÖ 1 (1995); MGG 7 (1997 [Österreich]); F. Zagiba, Die ältesten musikalischen Denkmäler zu Ehren des heiligen Leopold 1954; A. Lhotsky, Quellenkunde zur mittelalterlichen Geschichte Österreichs 1963, 229, 235.

Autor(en)
Rudolf Flotzinger
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Flotzinger, Art. „Babenberger‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 25/05/2001]