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Baron Jean Baron Jean true (eig. Tranquillini, Johann)
* 1855-06-1515.6.1855 Altlerchenfeld (Wien VII), † --?.5.1895 New York/USA. Fiaker, Kunstpfeifer. Der Sohn eines Trientiner Wagners fuhr beim Unternehmer Riedl in Hernals (Wien XVII) mit dem Zeugl Nr. 230. Eine angebliche adelige Abstammung diente wohl nur Werbezwecken. B. J. machte sich einen Namen als Kunstpfeifer, zu seinem Repertoire gehörten Operetten-Arien und Konzertwalzer, etwa der Frühlingsstimmenwalzer von J. Strauß Sohn, verziert mit kunstvollen Trillern und „Pfiff-Koloraturen“. Er war von Anfang an Teil der Gesellschaft rund um die Brüder Schrammel, die am 21.7.1883 beim Weigl in Hernals den ersten sog. Schrammel-Abend veranstalteten. B. J.s Auftritte blieben aber nicht auf jene mit den Schrammeln beschränkt, so trat er 1886 auch mit der Sängergesellschaft Hirsch auf oder pfiff bei Jubiläumsveranstaltungen verschiedener Volkssänger. Angeblich soll er auch unter jenen Fiakern gewesen sein, denen G. Pick 1885 sein Fiakerlied in seiner Wohnung erstmals vorgesungen hatte. Mitte November 1887 mit der Schrammel-Gesellschaft bei Kronprinz Rudolf in Schloss Orth/NÖ. 1888 erstmals gemeinsam mit dem Schrammel-Quartett und dem Natursänger Philipp Brady, eigentlich einem Frisör, im Ausland, zunächst in Budapest und Pressburg, im November/Dezember in verschiedenen deutschen Städten (Berlin, Frankfurt am Main, Stuttgart, München). Anfang 1889 folgte die nächste große Reise mit den Schrammeln durch zahlreiche Städte der Monarchie sowie durch Deutschland. Nach ihrer letzten Tournee von September bis Dezember 1889, die über mährische und böhmische Städte erneut nach Deutschland führte, folgte die Trennung von den Schrammeln, die ab 1890 mit dem Kunstpfeifer Ludwig Lang auftraten. Neben Auftritten in Wien absolvierte B. J. auch Gastspiele in Graz, Marburg an der Drau und Innsbruck. Ab Mai 1893 trat B. J. mit dem Quintett Dänzer und Strohmayer auf der Weltausstellung in Chicago, Illinois/USA auf, bereits im Oktober des Jahres meldete die Tagespresse, er wäre „irrsinnig geworden“ (u. a. Das Vaterland). Danach kehrte er nicht mehr nach Wien zurück. Der „fast legendär gewordene Hauptvertreter“ ([Linzer] Tages-Post) der Wiener Kunstpfeifer endete, vermutlich schwer alkoholkrank, im psychiatrischen Krankenhaus auf Wards Island in New York.
Literatur
G. Schaller-Pressler in S. Schedtler (Hg.), Wienerlied und Weana Tanz 2004; M. Egger, Die Schrammeln in ihrer Zeit 2000; NFP 27.3.1886, 12, 24.4.1893, 1f; Neuigkeits Welt-Blatt 10.5.1885, [3], 20.11.1887, [3], 18.4.1893, [4], 29.5.1895, [3]; Die Presse 13.10.1886, 10; Marburger Zeitung 30.1.1890, 4, 2.2.1890, 5; Innsbrucker Nachrichten 28.2.1890, 4; [Linzer] Tages-Post 5.4.1893, 2; Das Vaterland 21.10.1893, 5; Illustrirtes Wr. Extrablatt 28.5.1895, 4; Prager Tagblatt 29.5.1895, 9; Taufbuch der Pfarre Altlerchenfeld (Wien VII) 1855, fol. 50; eigene Recherchen.

Autor(en)
Monika Kornberger
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Baron Jean (eig. Tranquillini, Johann)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/10/2017]