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Bartl Bartl true (Bärtl, Barthel, Partl, Pärtl), Familie
Die Mitglieder der Familie B. waren als Geigen- und Lautenmacher vom späten 17. bis ins 19. Jh. in Wien tätig. Die von ihnen hergestellten Violinen sind meist hochgewölbt mit Anklängen an das Stainer-Modell. Der dunkle, deckende Lack macht die Instrumente wenig attraktiv und die Qualität der Arbeit ist unterschiedlich. Am höchsten bewertet werden die Arbeiten von Michael Andreas B. und seinem Sohn Ignaz Christian.

Christoph: * ca. 1652, † 3.9.1691. Er gilt als Stammvater der Familie, erlangte am 28.5.1683 das Bürgerrecht. In den Steuerbüchern der Jahre ab 1690 finden wir ihn mit einem Betrag, welcher der Hälfte der Steuerleistung anderer Berufskollegen, beispielsweise von M. Regensburger oder N. Leidolf, entsprach. Er befand sich überdies mit der Zahlung in Verzug. Der Rückstand wurde von den Nachkommen bis 1693 abgegolten. B. verstarb im Alter von 39 Jahren an „Dörr und Lunglsucht“, wohnhaft „bei der goldnen Saillen am Judenplatz“. Bereits wenige Wochen nach seinem Tod am 25.11.1691 heiratete seine Witwe Maria Barbara den Lautenmacher J. Fux. Trauzeugen waren N. Leidolf, Mathias Fux und A. Beer. Fux zog zu B.s Witwe in das Haus am Judenplatz und es ist anzunehmen, dass er auch die Werkstätte übernahm. B.s Tochter Maria Magdalena (1685–93) wohnte beim Stiefvater.

Andreas Nikolaus: * ca. 1682, † 5.8.1762. Er soll der Sohn von Christoph B. gewesen sein, archivalische Belege liegen allerdings bisher nicht vor. Den Bürgereid legte er am 4.6.1703 ab. In den Steuerbüchern ist er bis 1712 mit 5 Pfund jährlich veranlagt, im folgenden Jahr allerdings mit nur mehr 2 Pfund. Dies lässt ebenso wie die säumige Zahlung der Beträge auf einen wenig erfolgreichen Geschäftsgang schließen. Am 5.8.1703 ehelichte er Maria Rosalia Vogler (ca. 1681–28.9.1723). In zweiter Ehe war B. seit 1724 mit Judith Wolker (ca. 1702–29.7.1762) verheiratet. Den beiden Ehen entstammten mindestens 13 Kinder, die Mehrzahl starb bereits im Kindesalter. Da B. bis zu seinem Todesjahr in den Steuerbüchern aufscheint, muss er nicht weniger als 59 Jahre beruflich aktiv gewesen sein. Sein Sohn Michael Andreas ergriff ebenfalls das Geigenmacherhandwerk, die Werkstätte wurde allerdings vom Schwiegersohn Maximilian Roiß übernommen.

Henley erwähnt einen weiteren Geigenmacher dieses Namens, der zwischen 1785 und 1805 in Wien tätig gewesen und billige Instrumente für Händler gefertigt haben soll. Da keine archivalischen Hinweise dafür gefunden werden konnten und auch keine authentischen Instrumente überliefert sind, ist die Existenz dieses Geigenbauers mehr als fraglich.

Michael Andreas: * 1704, † 11.8.1788. Sohn und Schüler von Andreas Nikolaus B., leistete am 29.5.1728, wohnhaft im Wübmerviertel, den Bürgereid. Ab diesem Jahr ist er in den Steuerbüchern veranlagt. Lütgendorffs Feststellung, er hätte es nicht zu Wohlstand gebracht, spiegelt sich auch in seiner Steuerleistung wider: Erst ab 1731 beglich er allmählich den Rückstand von drei Jahren, auch in den Folgejahren ist er ständig in Verzug. Am 6.11.1730 heiratete B. Susanne Brindlein (ca. 1711–23.2.1781), die ihm zwei Töchter und vier Söhne schenkte: Maria Anna, Katarina (verheiratete Winkler), Franz (1736–1.12.1739) sowie Ignaz Christian, Christian Franz und Joseph Jakob (s. u.). B. war bis 1778 berufstätig, im folgenden Jahr übernahm der Sohn Joseph Jakob die Werkstätte. Aus der beim Tod der Gattin Susanne 1781 vorgenommenen Verlassenschaftsabhandlung geht hervor: Susanne B. hatte einen Hausanteil im Oberen Neustift in die Ehe mitgebracht, in dem die Familie in der Folge wohnte. Ihr Gatte lebte ab 1779 im Bürgerspital und wurde abwechselnd von den Kindern verköstigt. Da kein Heiratskontrakt abgeschlossen worden war, hatte er keinen Anspruch auf das Vermögen, das 3184 fl betrug und an die Kinder fiel.

Ignaz Christian: * ca. 1732, † 27.12.1819. Sohn von Michael Andreas B., bei dem er auch gelernt haben dürfte. Am 31.3.1764 erlangte er das Bürgerrecht und in den Wiener Steuerbüchern scheint er 1765–99 mit der moderaten Summe von nur 3 fl auf (Thier, Stadlmann und Leidolf leisteten im Vergleich dazu im Jahr 1770 10 fl jährlich). 1799 ist B. in den Adressenverzeichnissen als Obervorsteher der Geigenmacher eingetragen. In diesem Jahr übernahm er die Werkstätte seines Bruders Christian Franz. Bereits ein Jahr später war er nicht mehr erwerbstätig, seine Werkstätte dürfte J. G. Stauffer übernommen haben. B. starb 1819 am Lungenbrand, wohnhaft am Spittelberg Nr. 9. Er hinterließ kein Vermögen und armutshalber wurde keine Verlassenschaftssperre angelegt.

Christian Franz: * ca. 1739, † 9.1.1807. Auch er dürfte ein Schüler seines Vaters Michael Andreas gewesen sein. Nach Ablegung des Bürgereids am 23.1.1768 erhielt er ein neues Gewerbe verliehen, er übernahm also keine bestehende Werkstätte. Wie sein Bruder war er mit jährlich 3 fl besteuert. 1800 legte er das Gewerbe zurück. B. war mit Margarethe Turmer (ca. 1745–22.11.1810) verheiratet, die ihm mindestens vier Töchter schenkte. B. starb 1807 an Lungengeschwüren, wohnhaft im eigenen Haus in Oberneustift Nr. 65. Obwohl die Qualität seiner Arbeiten durchwegs als schlecht eingestuft wird, hatte er es zu Wohlstand gebracht. Er hinterließ ein Vermögen von 4.600 fl und 55 kr.

Joseph Jakob: * ca. 1743, † 31.5.1801. Er war der jüngste Sohn und Schüler von Michael Andreas B. und übernahm 1779 dessen Werkstätte. Den Bürgereid hatte er bereits am 29.11.1777 geleistet. In den Steuerbüchern ist er mit nur 2 fl jährlich eingetragen. In den Jahren 1787–90 findet sich keine Eintragung, möglicherweise war er in diesem Zeitraum nicht erwerbstätig. Er verstarb ledig, wohnhaft in der Stadt, Rothgasse Nr. 685 im „Großen Essigmacherhaus“ an Schleimschlag und hinterließ eine Erbschaft von 570 fl.


Literatur
H. Haupt in StMw 24 (1960), 126; Hopfner 1999; Lütgendorff 1975, 1990; R. Maunder in The Galpin Society Journal 52 (April 1999); Ottner 1977; Prochart 1979; W. Hamma, Geigenbauer der Deutschen Schule des 17. bis 19. Jh.s, 2 (1986); W. Henley, Universal Dictionary of Violin and Bow Makers 1973 (NA); Quellen zur Geschichte der Stadt Wien I, 6 (1908), 7046, 7183, 7941, 8920. – Archivalien: WStLA, Unbehaustes Buch der Jahre 1690–1694, 1710–1719, 1726–1735, 1749–1762, 1749–1778, 1765–1799, 1769–1800, 1779–1786 und 1791–1801; WStLA, Totenprotokoll 1688–1691, fol. 286v; WStLA, Totenprotokoll 1691–1693, fol. 91; WStLA, Verlassenschaftsabhandlung Fasz. 226/32.

Autor(en)
Rudolf Hopfner
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Hopfner, Art. „Bartl (Bärtl, Barthel, Partl, Pärtl), Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 25/05/2001]