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Beer Beer true (Bär, Behr), Andreas
* 1656-07-033.7.1656 (Ort?), † 1722-03-1616.3.1722 Wien. Geigen- und Lautenmacher. B. wurde im „Freygericht Hohenschwangau“ geboren und lernte 1669–74 bei Jonas Heringer in Füssen. Kurz nach Ausstellung des Lehrbriefes am 16.4.1680 zog er nach Wien und heiratete hier am 5.5.1680 Anna Margaretha Klinger (ca. 1640–1711), die Witwe des Lautenmachers Johann Georg Klinger. 1681 erlangte er das Bürgerrecht, die Werkstätte befand sich „auf dem hoff“ (Tiefer Graben, Naglergasse). B. dürfte bereits damals über Vermögen verfügt haben, da er das Haus am Graben um 1.200 fl kaufen konnte. 1686 wurde seine Frau als Miteigentümerin eingetragen. Als sich die Wiener Geigenmacher 1696 zu einer Innung zusammenschlossen, befand sich B. unter den Gründungsmitgliedern. Nach dem Tod seiner Gattin verheiratete sich B. neuerlich, die Trauung mit Eva Susanna Krieg (* ca. 1673) fand am 12.6.1713 statt. B. starb am 16.3.1722 an „Schlagfluß“ in seinem Haus in der Naglergasse. Aus dem am 17.1.1720 erstellten Testament ist zu schließen, dass B. ein beträchtliches Vermögen besaß. Die Witwe war Universalerbin, mehrere hundert Gulden sollten als Legate an Armeninstitute und kirchliche Stellen gehen. Als weitere Erben eingesetzt wurden des “Kleinhanß seel. gewesten Bürger zu Brünn hinterlassene Kinder” (Catharina, Regina und Anton). Dabei muss es sich um den am 22.11.1662 geborenen Geigenmacher Johann Kleinhans handeln, der 1695 das Bürgerrecht in Brünn erhalten hatte. B. kannte ihn vermutlich aus seiner Jugendzeit, möglicherweise haben sie gemeinsam bei Jonas Heringer gelernt. B.s Witwe heiratete am 9.4.1725 den Geigenmacher M. M. Fichtl. Archivalische Quellen lassen erkennen, dass B. gute persönliche Beziehungen zu seinen Berufskollegen pflegte: N. Leidolf bürgte für ihn bei der Erlangung des Bürgerrechts. Er seinerseits wirkte als Trauzeuge für J. A. Fichtl ebenso wie bei der Hochzeit von J. Fux mit Maria Barbara Bartl, der Witwe von Chr. Bartl.

Bedingt durch die geringe Zahl von erhaltenen Instrumenten ist es schwer, B.s Qualität zu beurteilen. Seine Lauten werden von Lütgendorff lobend erwähnt, weniger günstig fällt das Urteil über die Geigen aus. Eine Violine aus dem Jahr 1691 befindet sich in der Sammlung alter Musikinstrumente, Wien (Inv. Nr. SAM 819). Das hochgewölbte Instrument trägt einen dunklen, wenig transparenten Lack und zeigt nur durchschnittliche handwerkliche Qualität. Lt. einem Inventar des 18. Jh.s besaß das Stift Kremsmünster eine Violine aus dem Jahr 1701. Je eine Laute aus B.s Werkstätte befindet sich im Museum in Ptuj/SLO (1694, 11 Chöre, Inv. Nr. GL 46 S) und im Museum of Fine Arts, Boston (1699, 15 Chöre, Inv. Nr. 1986.7).


Literatur
R. Bletschacher, Die Lauten- und Geigenmacher des Füssener Landes 1978; P. Harrer, Wien. Seine Häuser, Menschen und Kultur 21951, Bd. 1, I. Teil, 94 [Ms.]; Kellner 1956; Lütgendorff 1975, 1990; R. Maunder in The Galpin Society Journal 52 (April 1999); Quellen zur Geschichte der Stadt Wien I, 6 (1908), 7794, 7046, 8276. – Archivalien: WStLA, Totenprotokoll 1720–1722, fol. 456v; WStLA, Testament 3385/1722.

Autor(en)
Rudolf Hopfner
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Hopfner, Art. „Beer (Bär, Behr), Andreas‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 25/05/2001]



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