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Blasorchester
Verbindung von Holz- und Blechblasinstrumenten in chorischer Besetzung mit dem Perkussions-Instrumentarium. Entstehen und Entfaltung des B.s sind mit der Entwicklung solcher Instrumente verbunden: Mit der Konstruktion von Klappenmechanismen für die Holzblasinstrumente seit dem ausgehenden 18. Jh. und der Konstruktion der Ventilmechanismen bei den Blechblasinstrumenten seit dem zweiten Jahrzehnt des 19. Jh.s. Erst damit konnte die Chromatisierung und Einpassung der Blasinstrumente in die temperierte Stimmung erfolgen. Die Wurzeln des B.s liegen in den militärischen Feldmusiken, in den Harmonie- sowie in den „Türkischen“ Musikkapellen des 18. Jh.s, deren Instrumentarium erweitert und letztlich miteinander verknüpft worden ist. Auslöser für die Entstehung des „Orchesters ohne Streicher“ war der Bedarf an konzertanter, festlich-feierlicher Freiluftmusik in unmittelbarer Folge der Französischen Revolution von 1789. Die damit verbundene Demokratisierung der Musik führte zu den zivilen Amateur-B.n, zur Gründung des Pariser Conservatoire und damit zur neuen Art „öffentlicher Musikpädagogik“, zu wesentlichen Anstrengungen im Blasinstrumentenbau und zur Serienfertigung von Musikinstrumenten. Die Geschichte der Militärmusik, soweit sie „auf Blech“ (= als B.) ausgeführt wird, erscheint künftig von der allgemeinen Entwicklung des B.s geprägt, während die „auf Streich“ ausgeführte Militärmusik parallel zur Geschichte der Symphonieorchester sich entfaltet.

Von Paris ausgehend übernehmen die Musikkapellen der paramilitärischen Schützenkompanien und städtische Nationalgarden (Bürgerwehren), der Bergmannskapellen (Bergmannslied) und der in den Städten und Gemeinden sich sammelnden Gruppen von Musikamateuren die neuen Möglichkeiten des Zusammenspiels in Bläser-Ensembles und schließlich in Orchestern. Für den mitteleuropäischen Raum wird dabei die Benennung „Harmoniemusik“, „Türkische Musik“, „Militärmusik“ nach 1800 nicht immer klar unterschieden. Bei L. Spohr erscheint die Verbindung von Harmonie- und Türkischer Musik in der Benennung des Notturno in C, op. 34, 1815, insofern deutlich, als der Komponist als Besetzungsangabe „für Harmonie- und Janitscharenmusik“ vermerkt. Das Werk entstand während der Reisezeit Spohrs, zwischen der Wiener Kapellmeistertätigkeit (1813/14) und seiner Anstellung in Frankfurt (1817). Der junge Felix Mendelssohn Bartholdy schreibt die Erstfassung seiner Ouvertüre für Harmoniemusik, op. 24, 1824, für die Kurkapelle von Bad Doberan in der Besetzung: 1 Flöte, je zwei Klarinetten, Oboen, Fagotte und Hörner, 1 Trompete, 1 Basshorn. Die älteren „Türkischen“ Märsche von Chr. W. Gluck, J. Haydn, W. A. Mozart bis L. v. Beethoven wurden original für die jeweils übliche Streicher-/Bläser-Besetzungen geschrieben.

Auf Wiener Boden wird der entscheidende Schritt von der erweiterten Bläserharmonie, wie sie Mozart mit der Serenade (Gran Partita) KV 370a = 361, für je zwei Oboen, Klarinetten, Bassetthörner, Fagotte, vier Hörner und Kontrabass konzipierte, zum B. durch Beethoven vollzogen, der im Militärmarsch, WoO 24 (1816), erstmals die damals verfügbare volle B.-Besetzung nutzt: je 2 Flöten, Oboen, Fagotte, ein Kontra-Fagott, eine Klarinette in F, 4 Klarinetten in C, 4 Hörner in D, 2 Bass-Hörner in B, 6 Trompeten in D, je eine Trompete in B, Trompete in G, Tenor-Posaune, Bass-Posaune, Serpent, dazu Triangel, Becken, Kleine und Große Trommel. Bezeichnend für die wichtigen Jahre des Umbruchs im Verständnis von Blasmusik erscheinen drei Abbildungen der Bergknappenkapelle in Eisenerz/St aus den Jahren 1810 (s. Abb.), 1815 und 1823: Das Ensemble hat sich innerhalb der genannten Jahre von 13 auf 25 Mann vergrößert, aus der solistischen ist eine chorische Besetzung geworden, die sich um den Schellenbaum gruppiert, demnach als Türkische Musik deklariert. 1810 und 1815 marschieren die Musiker im Umzug mit, 1823 spielen sie stehend zur Defilierung der Bergleute.

In der grundsätzlich variablen und während der Jahre 1820 bis 1870 durch eine Fülle neuer Instrumenten-Typen geprägten Entwicklung des B.s ist mit der Konstruktion eines funktionsfähigen Bass-Instruments die endgültige Form der Besetzung gefunden worden. 1845 baute die Firma Červený in Königgrätz die erste Kontrabass-Tuba in B/C. Parallel dazu passierten die entscheidenden Verbesserungen der Holz- und Blechblasinstrumente durch Adolphe Sax in Paris, wobei sowohl Komponisten wie Rich. Wagner und F. Liszt als auch die Armeekapellmeister Wilhelm Wieprecht in Preußen und A. Leonhardt in Österreich in die Diskussion eingebunden waren. Aus der großen Reihe von Neukonstruktionen (Sarrusophone, Rothphone, Saxorusophone, Rohrkontrabass, Ophykleiden etc.) konnten allein die Saxophone ein fester Bestandteil der B.-Besetzung werden. Im zweiten Drittel des 19. Jh.s verschob sich innerhalb des B.s das Gewicht von den Registern der Holz- zu denjenigen der Blechbläser. Das Quartett aus zwei Flügelhörnern, Bassflügelhorn (Tenorhorn) und Euphonium (Baritonhorn) galt als Nukleus der B.-Instrumentation.

Die wesentlichen Gründungswellen der zivilen Blaskapellen in Österreich liegen erstens nach 1848 und zweitens in den 1970er Jahren. Als sich nach 1848 die wirtschaftliche Situation in der Regierungszeit Kaiser Franz Josephs I. entschieden verbessert hatte, breiteten sich patriotische Gefühle aus, die zu einer Fülle von Festlichkeiten und Feiern (Kaiser Geburtstage, kirchliche Prozessionen u. ä.) führten. In dieser Situation bot sich zudem die Verbindung mit dem blühenden Männerchorwesen an. Es entstanden nach dem Vorbild der für die großen deutschen Sängerfeste komponierten Festgesänge (u. a. Mendelssohn Bartholdys Festgesang an die Künstler, für das Niederrheinische Sängerfest in Köln 1845/46) Chor-B.-Werke von F. Liszt und A. Bruckner.

Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges zerfiel das blühende Militärmusikwesen der Donaumonarchie und damit auch die Vorbildfunktion dieser Orchester für das zivile Blasmusikwesen. Die wirtschaftlichen Probleme der 1. Republik ließen die Stadt- und Landkapellen in der Regel auf Gruppen von 12 bis 20 Mann zusammenschrumpfen, denen zudem entsprechende Musikliteratur fehlte. Die bei den Militärkapellen dominierende Bearbeitungs-Literatur konnte in so kleinen Besetzungen nur äußerst unvollkommen realisiert werden. Daher rührt die abwertende Haltung der bürgerlichen Musikkultur den Blaskapellen gegenüber.

Während der beiden Weltkriege hatte sich in den USA das Blasmusikwesen als wesentlicher Bestandteil der schulischen Musikpädagogik bewährt. Die in Europa infolge der beiden Weltkriege unterbrochene Entwicklung wurde dort weitergeführt, die „Symphonic Band“ („Symphonic Wind Orchestra“) und das „Wind Ensemble“ boten den Komponisten die Möglichkeit, jeweils zeitgenössische Kompositionstechniken zu erproben. So entstanden repräsentative B.-Werke, wie Paul Hindemiths Symphonie in B., A. Schönbergs Thema und Variationen, op. 43a, Karel Husas Music for Prague und Apotheosis of this Earth, Krzysztof Pendereckis Pittsburgh Ouverture, E. Kreneks Dream Sequence, op. 244, Alfred Reeds Symphonien und Suiten, J. Horovitz' Bacchus on Blue Ridge, wobei die österreichische Herkunft der drei Letztgenannten nicht unwesentlich erscheint.

Mit dem Neuaufbau des Blasmusikwesens in Österreich seit den 1950er Jahren kehrten die genannten Werke nach Mitteleuropa zurück. Damit konnte die Entwicklung des Blasmusikwesens hierzulande wieder an den internationalen Standard herangeführt werden. V. a. leistungsfähige Auswahlorchester nahmen sich solcher Kompositionen an, wobei die in den USA inzwischen um ein eigenes Perkussions-Register (zu Kleiner und Großer Trommel, Becken sowie Pauken kamen Xylophon, Vibraphon, Marimbaphon, Glocken, Celesta, Klavier), um die Harfe und um den Kontrabass erweiterte Besetzung ebenfalls sich auszubreiten begann. Streich- und Tasteninstrumente traten als Soloinstrumente verstärkt im B. in Erscheinung (Violoncello-Konzerte von F. Gulda und F. Cibulka). Selbst ältere Kompositionen, wie Alban Bergs Kammerkonzert für Violine, Klavier und 13 Bläser oder O. Schulhoffs Konzert für Streichquartett und B. fanden nun Aufnahme in das Repertoire professioneller Bläser-Ensembles, die seit den 1970er Jahren nach dem Vorbild des englischen Philipp Jones Brass Ensembles in Österreich sich bildeten.

Die Entwicklung des B.-Repertoires ist im 19. Jh. geprägt von Bearbeitungen der jeweils neuen Musik. Neben wenigen Originalwerken von Beethoven, Spohr, Mendelssohn Bartholdy, A. Reicha in der ersten und Rich. Wagner in der zweiten Jh.hälfte erfüllte das B. v. a. die Funktion, die Werke der Komponisten-Generationen von Beethoven bis R. Strauss in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. (Eine Funktion, die im 20. Jh. Rundfunk, Schallplatten und CDs übernommen haben.) Komponisten wie F. Liszt und Rich. Wagner bemühten sich um solche Bearbeitungen, Wagner hatte dafür sogar den Blasmusikfachmann Artur Seidel in seiner Nibelungen-Kanzlei angestellt. In der Regel waren es die Militärkapellmeister, die solche Bearbeitungen handschriftlich für ihre eigenen Orchester anfertigten. Erst mit der Gründung von Blasmusik-Spezialverlagen, wie Oertel in Hannover/D und Bellmann & Thümer in Dresden/D (beide 1866), die die Militärkapellen Preußens und Österreich-Ungarns belieferten, wurden Repertoire und Besetzungen vereinheitlicht.

Die Situation in Österreich ist insofern spezifisch geprägt, als hier die Militärkapellen sowohl „auf Blech“ wie „auf Streich“ spielten. Die Militär- und zivilen Kapellmeister instrumentierten ihre Werke daher in der Regel sowohl für die eine wie für die andere Besetzungsvariante. Dies gilt von J. Strauß' (Vater) Radetzky-Marsch bis J. Fučiks Vier symphonische Gedichte – Für Österreichs Ruhm und Ehre, op. 59 (1898) in den Ausmaßen einer G.-Mahler-Symphonie.

Mit dem Donaueschinger Musikfest von 1926 begannen die Bemühungen der Jugendbewegung um eine originale Blasmusik, die das B. auch als eigene Gattung in der Musik definieren sollten. Auf Einladung Hindemiths beteiligten sich daran österreichischerseits H. Gál (Promenadenmusik), E. Krenek (Drei lustige Märsche, op. 44) und E. Toch (Spiel), während F. Petyrek zwar eine Komposition zugesagt, diese aber offensichtlich nicht termingerecht eingesendet hatte. Doch den 1926er-Werken blieb zunächst die Breitenwirkung ebenso versagt wie den originalen B.-Werken des gebürtigen Grazers H. Grabner (Concerto grosso, Burgmusik, Firlefei-Variationen). Mit der Neuorientierung des Blasmusikwesens nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrten diese Kompositionen jedoch über die USA nach Mitteleuropa zurück.

Entscheidend für diese Neuorientierung wurde die Hinwendung zur originalen B.-Komposition und die Ablehnung der Bearbeitungsliteratur. Die spezifische Instrumentations- und Orchestrationstechnik für das B. führte dazu, dass sich abseits von der allgemeinen Entwicklung der musikalischen Komposition eine Gruppe von „B.-Komponisten“ darauf spezialisierte, für Amateur-B. zu schreiben. Vom Zentrum Trossingen in Baden-Württemberg aus, dem dortigen Hochschulinstitut für Musik (Direktor: Guido Waldmann), kamen Willy Schneider und H. Regner nach Tirol, wo sich über O. Ulf die neuen Tendenzen ausbreiteten. Zwei Schüler von J. E. Ploner, nämlich S. Tanzer und S. Thaler, schufen zu Beginn der 1950er Jahre jene Werke, die in ihrer spätromantischen Diktion und amateurgerechten technischen Ausführbarkeit von den Blaskapellen und ihrem Publikum angenommen wurden. Tanzers Prelude und die Suite Tirol 1809 sowie Thalers Präludium heroicum und die symphonische Dichtung Die Etsch gelten als bestimmende Kompositionen dieser Pionierzeit. Tanzer instrumentierte zudem die von Ploner dem B. zugedachteSymphonie in Es-Dur (1959/67). Die Idee der „originalen B.-Komposition“ wurde in Oberösterreich von H. König (Präludium und Fuge in B, 1963) aufgegriffen, während der ehemalige österreichische Militärkapellmeister Franz Königshofer, seit 1947 in der Schweiz, eine Reihe symphonischer Dichtungen für B. komponierte (Perikles, Gyges und sein Ring, beide 1953; Das Orakel von Delphi, 1959 Arethusa, 1966).

Tanzer, Thaler, Kinzl und König bestimmten die „ernste“ B.-Komposition in Österreich von den 1950er bis in die 1970er Jahre, betreut vom Verlag Helbling in Innsbruck. Die ihnen unmittelbar folgende Generation brachte – sieht man von der Fülle von Unterhaltungsmusik-Ware ab – keine neuen Namen. Vereinzelt beteiligten sich Komponisten aus anderen Sparten der Musik an der Weiterentwicklung der originalen Komposition für B. und Bläser-Ensembles, so H. E. Apostel mit der Festlichen Musik (1970), K. Haidmayer mit De ilnes ortam (zum Rich. Wagner-Jahr 1982), E. Eder de Lastra mit den Sinfonien Nr. 2 (1982) und Nr. 4 (1993), F. Koringer mit dem Fagott-Konzert (1982), F. Gulda mit dem Violoncello-Konzert (1981), J. Takács mit der Pannonischen Rhapsodie (1988) und der Serenade nach Alt-Grazer Tänzen (1996), beide auf Wunsch des Komponisten von A. Suppan für B. instrumentiert, E. Opitz mit der Festlichen Musik, G. Kühr mit der Stallerhof-Suite (1998).

Doch erst in den 1990er Jahren bot sich eine neue Generation an, die postmoderne Klänge und Techniken dem B. zuführte: der Tiroler F. Bramböck (u. a. mit Solowerken für Trompete, Saxophon sowie Schlagzeug und B.), die Oberösterreicher Th. Doss mit Aurora und Coniuncto, Alois Wimmer mit der Festmusik Hausruck 2000, Friedrich Neuböck mit Ich hab dir meine wilden Blumen gereicht für Solo-Tuba und Saxophonorchester und dem Albtraum eines mißbrauchten Jungen, der Salzburger (in Bad Aussee geborene) Peter Wesenauer mit Lamentation und Covent Garden, der am Konservatorium in Augsburg tätige Wiener Richard Heller mit dem Concerto per fiati und der Sinfonietta, op. 34, die Steirer F. Cibulka mit Klarinetten-, Posaunen- und Violoncello-Konzerten und der Unendlichen Reise ans Ende der Welt für zwei Sprecher und B. (1997), Reinhold Summerer mit Three Miniatures, op. 5, 1999, H. Marinkovits mit dem Schladminger Divertimento 2000, sowie A. Suppan; wobei Letzterer mit der Johann-Joseph-Fux-Suite und der Wiener Barock-Ouvertüre, Symphonische Metamorphosen nach Themen von Johann Joseph Fux die jugendbewegten Spielmusiken der Hindemith-Zeit weiterentwickelt.

Im Verlagswesen sind neben dem genannten Helbling-Verlag in Innsbruck, der die Komponisten der 1950er und 1960er Jahre betreute, der Verlag Kliment in Wien, der MCS-Verlag Schwaiger in Vöcklabruck, der Adler-Musikverlag in Bad Aussee/St, der Verlag Koch in Elbingenalp/T zu nennen, wobei die beiden Letztgenannten vorzüglich im Unterhaltungsbereich tätig sind. Die Bläserreihe Musik aus der Steiermark erschien zwischen 1970 und 1985 beim Verlag Schulz, Freiburg i. B. (jetzt Bohne & Schulz, Konstanz). Die jüngeren Komponisten betreiben zumeist Eigenverlage, wie Art of Cibulka in Graz.

Das B. entfaltet sich im Verbund mit militärischen und paramilitärischen Organisationen, nur dort treffen wir auch auf professionelle Klangkörper. Als Abbilder dieser Orchester entstehen nach und nach im Verlauf des 19. Jh.s zivile Amateur-B. in den Städten und Dörfern, die als städtische/gemeindliche Einrichtungen, als Bestandteil von Freiwilligen Feuerwehren und schließlich, nach den politischen Umwälzungen des Jahres 1848, als Vereine mit eigener Satzung sich konstituieren. Vielfach sind ausgemusterte Militärmusiker die treibenden Kräfte solcher Gründungen. Während sich in der Schweiz bereits 1862 die Blaskapellen zur Eidgenössischen Blechmusikgesellschaft, dem heutigen Eidgenössischen Musikverband zusammenschließen und von der Schweiz aus die Idee von Verbandsgründungen den südwestdeutschen (vorderösterreichischen) Raum erfasst: Oberbadischer Blasmusikverband Breisgau 1892, Hegau-Musikverband 1893, Schwarzwald-Baar 1898, sind in der Donaumonarchie vergleichbare Initiativen im zivilen Blasmusikwesen nicht erkennbar.

Auch in der 1. Republik kam es nicht zur Gründung eines gesamtösterreichischen Blasmusikverbandes. Die Nähe zur Schweiz führte in Vorarlberg im Jahr 1924 zur Gründung des Vorarlberger Harmoniemusikverbandes, 1926 folgte Liechtenstein. Trotz der Bemühungen von Kapellmeister R. Kummerer in Kärnten, der 1923–28 die Zeitschrift Der Nichtberufsmusiker herausgab, und Gottlieb Ostadal in Niederösterreich, der 1928 zum ersten Obmann des Landesverbandes der Nichtberufsmusiker Österreichs (1935–38 Reichsverband für österreichische Volksmusik) gewählt wurde, konnten nur wenige Blaskapellen für die Idee eines gesamtösterreichischen Blasmusikbundes gewonnen werden. 1930–35 erschien als Organ dieses Vereines die Alpenländische Musikerzeitung (Schriftleitung: Eduard Munninger).

Erst der Neuaufbau des Blasmusikwesens in Österreich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges führte seit 1947 zur Gründung von Landesverbänden, die sich 1960 zum Österreichischen Blasmusikverband (ÖBV) zusammengeschlossen haben. Dem ÖBV gehören (im Jahr 2000) alle österreichischen Landesverbände sowie der Südtiroler und der Liechtensteiner Blasmusikverband an, das sind insgesamt 2100 Orchester mit rund 88.000 aktiven Musikerinnen und Musikern. Offizielles Organ des ÖBV ist die Zeitschrift Österreichische Blasmusik, 1953 von Karl Moser in Linz als Fachzeitschrift und Mitteilungsblatt der österreichischen Blasmusik-Landesverbände gegründet und bis 1967 redigiert, weitergeführt von Fritz Jurmann (bis 1977), Elmar Mattweber (bis 1987), Kurt Böhler (bis 1996) und Gerhard Imre (seit 1996), im Tuba-Verlag Oberschützen/Bl. An Mitteilungsblättern und Zeitschriften erscheinen in den Landesverbänden: Im Burgenland BBV Fanfare, in Niederösterreich die Bläserpost, in Oberösterreich Blasmusik in Oberösterreich, in Salzburg Blasmusik aktuell, in der Steiermark (bis 1998) Blasmusik in der Steiermark, in Südtirol (gemeinsam mit den Chor-, Volkstanz-, Trachten- und Heimatverbänden) die Tiroler Volkskultur, in Tirol Blasmusik in Tirol, in Vorarlberg Blasmusik in Vorarlberg. In Buchloe/Bayern erscheint die internationale Blasmusikzeitschrift Clarino, die in überregionaler Perspektive die Entwicklung in Österreich miteinbezieht. Die Aktivitäten des ÖBV sind wesentlicher Bestandteil der außerschulischen Jugend- und Erwachsenenbildung in Österreich, gemeinsam mit den Musikschulen wird der Hebung des musikalischen Niveaus und der Förderung zeitgenössischer Komponisten und ihrer im E-Musik-Bereich liegenden Werke Aufmerksamkeit geschenkt. An pädagogischen Maßnahmen sind die Bläserkammermusikwettbewerbe (Spiel in kleinen Gruppen) und die Jungmusiker-Leistungsabzeichen kulturpolitisch bedeutsam.

Der ÖBV kooperiert mit drei internationalen Blasmusikorganisationen: der 1950 im Rahmen des Internationalen Musikrates der UNESCO gegründeten Confédération Internationale des Sociétés Musicales (CISM), der Internationalen Gesellschaft zur Erforschung und Förderung der Blasmusik (IGEB), 1974 in Graz begründet und Herausgeber der Buchreihe Alta musica (1976–2000 sind 23 Bände im Verlag Schneider/Tutzing erschienen, weltweit das einzige Organ der internationalen Blasmusikforschung), die 1981 gegründete World Association for Symphonic Bands and Ensembles (WASBE), ebenfalls eine UNESCO-Affiliation, die 1997 in Schladming/St ihre 8. Weltkonferenz abgehalten hat und in deren Folge in der selben Stadt 1998–2000 Internationale MID EUROPE-Konferenzen der symphonischen B. und Bläser-Ensembles stattgefunden haben. Diese Schladming-Konferenzen ermöglichten Österreich den Anschluss an die internationale Entwicklung im B.-, Bläser-Ensemble- und Bläserkammermusik-Bereich.


Literatur
E. Anzenberger-Ramminger/F. Anzenberger in Alta musica 16 (1994); K. Birsak/M. König, Das große Salzburger Blasmusikbuch 1983; K. Bragagna (Red.), 50 Jahre Verband Südtiroler Musikkapellen 1948–1998, (1998); E. Brixel, Das große oberösterreichische Blasmusikbuch 1984; E. Brixel/W. Suppan, Das große steirische Blasmusikbuch 1981; W. Deutsch, Das große niederösterreichische Blasmusikbuch 1982; E. Egg/W. Pfaundler, Das große Tiroler Blasmusikbuch 1979; S. Gmasz/H. Hahnenkamp, Das große burgenländische Blasmusikbuch 1987; B. Habla, Besetzung und Instrumentation des B.s seit der Erfindung der Ventile für Blechblasinstrumente bis zum Zweiten Weltkrieg in Österreich und Deutschland 1990; B. Habla, Blasmusik und ihre Komponisten im Burgenland 1993; B. Habla, Verzeichnis der Verlage mit Werken für B. seit dem 19. Jh., Ms. 1994; B. Habla in Alta musica 24; R. Huber, Die Blasmusik in Kärnten 1991; K. W. Kinder, Franz Liszt’s Music for Voices and Winds 1995; K. W. Kinder,The Wind and Wind-Chorus Music of Anton Bruckner 2000; A. Marold, Spiel in kleinen Gruppen 1999; E. Schneider, Blasmusik in Vorarlberg 1986; A. Suppan, Repertorium der Märsche für B.1 (1982) u. 2 (1990); A. Suppan in Alta musica 23 (2000); W. Suppan, Blasmusik in Baden 1983; 22000; W. Suppan, Komponieren für Amateure. Ernest Majo und die Entwicklung der B.-Komposition 1987; W. Suppan in Chr.-H. Mahling (Hg.), [Fs.] H. Federhofer 1988; W. Suppan in M. Fink et al. (Hg.), [Fs.] W. Salmen 1991; W. Suppan in R. Schumacher (Hg.), [Fs.] J. Kuckertz 1992; W. Suppan in W. Lipp (Hg.), [Fs.] Robert H. Reichardt 1992; MGG 2 (1994); W. Suppan in ÖMZ 52/7 (1997); W. Suppan (Hg.), Programmbücher der WASBE-Konferenz 1997 in Schladming und der MID-EUROPE-Konferenzen 1998 bis 2000, 1997–2000; W. Suppan, Art. Mixed Wind Bands inNGroveD 2 (2001); W. und A. Suppan, Das neue Lexikon des Blasmusikwesens, 4. Aufl. des Lexikon des Blasmusikwesens 1994; G. Veit et al., Blasmusik aus Tirol. Verzeichnis der Komponisten und ihrer Werke 1985; D. Whitwell in Alta musica 4 (1979); H. Zwittkovits, Die Pflege der zivilen Blasmusik im Burgenland 1993; H. Zwittkovits in Alta musica 18 (1996); H. Zwittkovits in Alta musica 20 (1998); H. Herrmann-Schneider in Der Schlern 84 (2010).

Autor(en)
Wolfgang Suppan †
Empfohlene Zitierweise
Wolfgang Suppan †, Art. „Blasorchester‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 25/05/2001]