Logo ACDH-CH
OeML Schriftzug
Logo OeML
Logo Verlag

Blasser, Blasser, true Gustav Adolf Josef
* 1857-04-1212.4.1857 Wien, † 1942-04-033.4.1942 Wien. Komponist, Dirigent, Arrangeur. Sohn des Eisen- und Vermischtwaren-Kaufmanns Mathias Blasser und der Hermine, geb. Müller. Nach dem Tod des Vaters am 13.5.1874 führte seine Mutter das Geschäft zunächst weiter, bis es am 17.6.1879 B.s älterer Bruder Emmerich übernahm. B. besuchte die Wiener Handelsakademie. Die erste musikalische Ausbildung erfolgte bei Josef Chladek, später erhielt B. Unterricht bei R. Genée in Instrumentation und F. Krenn in Kontrapunkt. Bereits in seiner Jugend war er kompositorisch tätig, sein Opus 1, das Klavierstück Lebewohl, erschien schon Ende 1872 bei C. A. Spina. Die erste nachweisliche Aufführung eines Werkes, der Vokalmesse in D-Dur, fand am 14.2.1875 in der Wiener Schottenkirche statt. Im Dezember 1875 wirkte B. bei der musikalisch-deklamatorischen Akademie der Schauspielerin Johanna Ledner mit. Am 27.2.1876 kam in der Hofkirche St. Augustin eine weitere Messe von B. zur UA, seine Tegetthoff-Messe wurde am Ostermontag des Jahres in der Schottenkirche uraufgeführt. Gelegentlich trat B. auch als Interpret seiner eigenen Werke auf, so bei dem gemeinsamen Konzert mit dem Komponisten und Zitherschulen-Besitzer F. Wagner im Bösendorfer Saal im Jänner 1881. Ein Jahr später wurde B. gemeinsam mit Ernst Primosich zum Chormeister des neu gegründeten Leopoldstädter Männergesangvereins gewählt. Bei einem von der Konzertsängerin Eugenie Randow veranstaltetem Konzert im Salon Ehrbar im April 1883 kam es zur UA des Liederzyklus der schönen Melusine. Zu diesem Zeitpunkt hatte B. zwar bereits 30 größere Werke veröffentlicht, war aber als Komponist noch weitgehend unbekannt. Am 11.6.1886 Heirat mit Minna (eig. Wilhelmine Magdalena, geb. Thanzl, * 15.5.1854 Wien, † 25.2.1920 Wien). Im selben Jahr übernahm er die Leitung des neu gegründeten Wiener Orchesterbundes (Orchesterverein), eines Dilettanten-Orchesters, das er bis 1891 dirigierte. Es fanden zahlreiche gemeinsame Konzerte mit dem Wiener Sängerbund, dem Leopoldstädter Männergesangverein, dem Landstraßer und dem Neubauer Gesangsverein statt. Im Sommer 1889 hielt sich B. länger in der Steiermark auf, um Volkslieder zu sammeln. Aus dem gesammelten Material entstanden Zwei steirische Bauerntänze, op. 77 und Steirische Weisen, op. 78. Für vertiefende Studien reiste er im Oktober 1891 nach Leipzig/D und studierte am dortigen Konservatorium bei Salomon Jadassohn und Carl Reinecke. Spätestens ab 1897 bis zu seinem Tod lebte B. wieder in Wien. Am 28.11.1897 wurde hier im Rahmen eines von E. Strauß veranstalteten Benefizkonzerts seine Hymne und Apotheose für Orchester, Orgel und zwei Harfen uraufgeführt. Ab Juni 1917 im Vorstand des Österreichischen Komponistenbundes. Neben seiner Tätigkeit als Komponist war B. für mehrere Verlage (u. a. Doblinger, J. Weinberger, Universal Edition, Wiener Philharmonischer Verlag und Edition Bristol in Wien, Steingräber Verlag in Leipzig und André in Offenbach am Main/D) auch regelmäßig als Arrangeur tätig, wobei er neben Klavierauszügen in erster Linie von Operetten auch (v. a. Klavier-)Bearbeitungen von Werken unterschiedlicher Gattungen (von der Opernouvertüre bis zum Schlager) sowie Potpourris erstellte.
Ehrungen
Königlich-serbische goldene Medaille 1883; Silbernes Ehren-Sängerzeichen 1893; Sächsisch-goldene Medaille; Ehrenmitglied des Leopoldstädter Männergesangvereins.
Werke
Ballett Semiramis; Messen (Vokalmesse in D, Tegetthoff-Messe); kleinere Kirchenwerke (Graduale, Offertorium, Lacrimae Christi); Orchesterwerke (Aufblick zu den Sternen op. 84, Idyllen f. Streichorch. mit Harfe, Kleine Serenade f. Streichorch.); Kammermusik (Klaviertrio d-moll); Klavierwerke (Lebewohl op. 1, La nuit. Deux Morceaux op. 8, Weinzierl-Marsch op. 80); Chöre (Steirische Weisen op. 79, An die Donau op. 83); Liederzyklen (Hölty-Lieder, Das Märchen von der schönen Melusine op. 30); Lieder (In der Tscharda op. 38, Drei Schlüssel op. 67, Der Jesuit op. 81, Viel tausend, tausend Küsse gieb op. 85, Spielmannslied op. 86); zahlreiche Bearbeitungen, v. a. für Klavier, u. a. von C. W. Gluck, M. Clementi, W. A. Mozart, L. Cherubini, L. v. Beethoven, C. Kreutzer, L. Spohr, C. M. v. Weber, G. Rossini, Fr. Schubert, A. Lortzing, J. Lanner, G. Donizetti, Vincenzo Bellini, Felix Mendelssohn Bartholdy, F. Chopin, R. Schumann, O. Nicolai, R. Wagner, J. N. Král, C. M. Ziehrer, H. Berté, C. Weinberger, F. A. Drdla, O. Straus, F. Lehár, L. Fall, E. Eysler, O. Nedbal, H. Dostal, E. v. Dohnányi, F. Schreker, B. Granichstaedten, L. Ascher, R. Stolz, E. Kálmán, R. Benatzky, W. Grosz, O. Siegl, E. Krenek.
Literatur
Eisenberg 1893; Müller-Asow 1929; Fromme 1891; Neues Fremden-Bl. 7.2.1875, 3; Neues Wr. Journal 10.1.1908, 3; Fremden-Bl. 26.2.1876, 13; NFP 21.1.1881, 7; Das Vaterland 30.1.1881, 5, 3.4.1883, 5, 14.9.1883, 6; Die Bombe 25.3.1883, 93; Die Presse 8.2.1886, 3; Dt. Musik-Ztg. 1880, H. 14, 82, 1882, H. 4, 41, 1887, H. 18, 164, 1889, H. 17, 146, 1890, H. 59, 1893, H. 21, 274; Grazer Volksbl. 9.2.1890, 8; Dt. Volksbl. 20.11.1890, 4 14.10.1891, 7; Neues Wiener Tagbl. 14.5.1874, 8, 13.6.1917, 15; Oesterr. Buchhändler-Correspondenz 23.11.1872, 438; Reichspost 2.12.1897, 6; Allgemeine Kunst-Chronik 26.2.1887, 229; Ostdt. Rundschau 22.3.1895, 6; Taufbuch der Pfarre St. Leopold (Wien II) 1857, fol. 251; Sterbebuch der Pfarre St. Leopold 1919–22, [1920] fol. 17; WStLA, Handelsregister E 1/403 u. E 16/375; eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at, Bibliothekskataloge; Lehmann’s Adresskalender).
Autor*innen
Fiona Kelemen
Monika Kornberger
Letzte inhaltliche Änderung
6.7.2021
Empfohlene Zitierweise
Fiona Kelemen/Monika Kornberger, Art. „Blasser, Gustav Adolf Josef‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 6.7.2021, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x003ca34a
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.


DOI
10.1553/0x003ca34a
GND
Blasser, Gustav Adolf Josef: 135251664
OBV
Weiterführende Literatur

ORTE
Orte
LINKS
ACDH-CH, Abteilung Musikwissenschaft

Publikationen zur Musikwissenschaft im Verlag