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Böhm, Böhm, Josef: Familie
Josef: * 1841-02-099.2.1841 Knihnitz/Mähren (Knínice u Boskovic/CZ), † 1893-11-066.11.1893 Wien. Komponist und Kirchenmusiker. Nach Ausbildung durch seinen Vater Karl, einem Organisten, besuchte er das Gymnasium in Brünn und Wien. An der Akademie der Tonkunst betrieb er musikalische Studien bei K. M. v. Bocklet, L. Hauptmann und Fr. Krenn. Bedingt durch den plötzlichen Tod des Vaters widmete sich B. dann jedoch einige Jahre dem Schuldienst, war supplierender Lehrer an der Haupt- und Realschule in Mährisch-Schönberg (Šumperk/CZ) und Erzieher sowie Musiklehrer an einer Erziehungsanstalt in Wien. Ab 1865 Organist an St. Michael und Musiklehrer am Lehrer-Noviziat des k. k. Waisenhauses, ab 1867 Chorregent zu Mariahilf (Wien VI; in dieser Zeit Gründung einer Privat-MSch.). 1868 wurde er Choral- und Figuralgesanglehrer an der Schule des Vereins zur Beförderung echter Kirchenmusik und 1877 Kapellmeister der Kirche Am Hof (Wien I). 1871 war B. federführend an der Gründung des Wiener Cäcilien-Vereins beteiligt, an dessen Schule er bis 1880 unterrichtete und dessen artistischer Leiter er ab 1872 war; 1880 verließ er den Verein infolge eines Richtungsstreites. Als glühender Cäcilianist gründete er 1881 mit dem Wiener St. Ambrosius-Verein einen neuen Verein nach seinen Vorstellungen, dessen Vereinskapellmeister (und damit auch Direktor der Vereinsschule) er bis zum Tod war. Als Leiter der Chorakademie des Ambrosius-Vereines trat B. viel beachtet in Erscheinung, nicht nur in liturgischen Aufführungen. Große Resonanz hatten auch zwei Konzerte mit Alter Musik bei der Internationalen Ausstellung für Musik- und Theaterwesen 1892. Knapp vor seinem Tod wurde B. noch Mitglied der Kommission der neu gegründeten DTÖ.
Werke
Praktische Elementar-Gesang-Schule. Zum Gebrauche für Musiklehranstalten 3 Bde. (1872).
Schriften
Der Gesangunterricht und dessen nothwendige Reform an den öffentlichen Schulen Oesterreichs 1876; Der gegenwärtige Zustand der katholischen Kirchenmusik und des kirchlichen Volksgesanges in Wien und Umgebung 1876; (Red.) Wr. Bll. f. katholische Kirchenmusik 1–3 (1878–81).


Sein Bruder Julius: * 11.8.1851 Zubern/Mähren (Zubří/CZ), † 6.9.1917 Stockern/NÖ (am 30.10.1918 exhumiert und am 31.10.1918 wieder bestattet in Wien). Komponist und Kirchenmusiker. Absolvierte einen Lehrerkurs und studierte ab 1868 bei O. Dessoff (Kontrapunkt), Fr. Krenn (Komposition) sowie bei seinem Bruder Orgel. 1870–73 wirkte er als Organist an St. Michael, 1873–93 als Regens chori in Döbling (Wien XIX); Musik- und Gesanglehrer an der Blindenschule in Ober-Döbling, später in Purkersdorf/NÖ, Währing (Wien XVIII) und an Wiener Gymnasien. 1893–1917 Nachfolger seines Bruders Josef an der Kirche Am Hof. 1903 avancierte B. zum 2. Dirigenten der Hofmusikkapelle, 1906–17 Titular-Vizehofkapellmeister unter C. Luze. 1898–1904 leitete B., ein unermüdlicher Kämpfer für bessere Berufsbedingungen für Chorregenten, als Vorstand den Wiener Chorregenten-Pensionsverein. 1906–15 außerdem künstlerischer Leiter und Lehrer an der MSch. des Allgemeinen Kirchenmusik-Vereines.


Ehrungen
Päpstlicher Gregoriusorden; Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens 1911; Ehrenmedaille für 40-jährige treue Dienste 1913; Große Goldene Salvatormedaille der Stadt Wien 1913.
Werke
Kirchenmusik, Lieder, Klaviermusik; Liederslg.en für den Gebrauch in der Schule.
Schriften
(Red.) Beilage Kirchenmusik-Ztg. der Internationalen Musik-Ztg. bzw. der Neuen musikalischen Presse 1893–95.


Dessen Sohn Joseph Maria: * 16.3.1875 Ober-Döbling/NÖ (Wien XIX), † 15.12.1964 Mödling. Organist, Kirchenmusiker, Komponist. Patensohn seines Onkels Jos. B., wurde mit 12 Jahren in die MSch. des Ambrosius-Vereines aufgenommen und u. a. von J. Labor unterrichtet. Nach seiner Staatsprüfung 1894 (Orgel, Klavier) wurde er im selben Jahr Organist an der Kirche Am Hof, 1899 (nach Dienst bei der Militärmusik und Staatsprüfung in Gesang) Regens chori und Organist bei den Barmherzigen Brüdern in Wien, dazu ab 1903 2. Organist an St. Stephan und ab 1906 Orgellehrer an der MSch. des Allgemeinen Kirchenmusik-Vereines. 1909/10 gab er alle Wiener Verpflichtungen auf und wurde 1910 Organist und Musiklehrer im Stift Heiligenkreuz (bis 1954), wo er mit N. Hofer zusammenarbeitete.


Ehrungen
Prof.-Titel 1931.
Werke
Kirchenmusik; geistliche Lieder; Chöre; Kammermusik.
Literatur
J. Mantuani, Josef Böhm 1895; Internationale Musik-Ztg. 1.12.1893, 14 [= Beilage Kirchenmusik-Ztg.]; Jahres- und Rechenschafts-Bericht des ... Allgemeinen Kirchenmusik-Vereines St. Ambrosius in Wien 1893, 7f; M. Cuderman, Der Cäcilianismus in Wien und sein erster Repräsentant am Dom zu St. Stephan August Weirich, Diss. Wien 1960, 22f, 30; Wr. Chorregenten-Pensionsverein. Jahresbericht 1917, 3f; Riemann 1929; Weissenbäck 1937; Czeike 1 (1992); Eisenberg 1893; Kosel 1902; Erhart 1998; A. Niemetz, 800 Jahre Musikpflege in Heiligenkreuz 1977; ÖBL 1 (1957); Th. Antonicek in StMw 29 (1978); [Kat.] Musica Imperialis 1998; SK 3/3 (1955/56), 31 u. 12/3 (1964/65), 129; M. Ebenbauer, Die Dommusikkapelle St. Stephan im Wien des 19. Jh.s, Dipl.arb. Wien 2002, 43; Chorbll. 6/2 (1950), 8.

Autor(en)
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Böhm, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 05/07/2019]