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BurckhartBurckharttrue (Burckhardt, Purkhardt), Simon
get. 26.10.1695 Jettingen-Scheppach/D, † 1768 -09-1212.9.1768 Wien. Orgelbauer. B. wurde in Jettingen (Schwaben) als Sohn des Joannes (* ca. 1663, † 31.8.1733; als Schreiner und Richter bezeichnet) und der Maximiliana B. († 1706) geboren und am 26.10.1695 in der dortigen Pfarrkirche getauft. Über seine Ausbildung und wann er nach Wien gekommen ist, liegen keine Nachrichten vor. Am 21.9.1726 ist seine Trauung in der hiesigen Pfarre St. Ulrich (Wien VII) nachzuweisen. Die Eintragung lautet: „Simon Burckhart, ledigenstands, Orglmacher, wohnhaft im gold. Pelican allhier, gebürtig von Irdingen [sic!] aus Schwaben”. Er heiratete Catharina Millhirnin, ebenfalls aus Schwaben gebürtig. Die Adresse St. Ulrich im Haus „beym goldenen Pelikan“ sollte B. bis zu seinem Tod beibehalten. Bereits am 27.11.1737 verstarb die Gattin im Alter von 30 Jahren. Am 15.11.1739 verheiratete sich B. neuerlich, der Name der Braut lautete Maria Josepha von Lohrer. Er war zu diesem Zeitpunkt schutzverwandter Orgelbauer, den Bürgereid legte er 1742 ab. 1744 und 1746 finden wir ihn als Trauzeugen in den Wiener Kirchenbüchern. B.s zweite Frau starb am 21.8.1751 im Alter von 42 Jahren an „Brust Wassersucht“. Am 23.1.1752 heiratete der Witwer Maria Anna Schwingshöfnerin. 1753 wurde dem Paar die Tochter Anna geboren, die allerdings bereits am 11.7.1755 starb. Auf die anderen, ebenfalls in den 1750er Jahren geborenen Kinder, wird weiter unten eingegangen.

In den Wiener Steuerbüchern ist B. 1749–56 mit einer Steuerleistung von jährlich 10 fl eingetragen, in den folgenden Jahren bis zu seinem Tod mit 6 fl. Die Werkstätte hatte daher sicher beträchtliche Größe. Der Rückgang ab 1757 war vermutlich auch durch das Alter bedingt, B. war damals bereits über 60 Jahre alt. Von seinen Arbeiten ist heute wenig erhalten. Bereits vor 1763 erbaute er eine Orgel für die Domkirche in Györ/H (Raab) in Westungarn. Von dem zweimanualigen Werk mit 20 Registern ist heute nur mehr der Prospekt erhalten. Ebenfalls in Raab war ein Meister namens Caspar Burchart († 1758) tätig. Er soll aus Wien zugewandert sein und Szigeti vermutet, dass es sich um einen Verwandten von S. B. handelt.

B. starb lt. Totenprotokoll am 12.9.1768 im Alter von 74 Jahren an „lung brand“. In diesem Jahr findet sich im Unbehausten Buch folgender Zusatz: „ist ao 768 gestorben die Wittib alt und arm”. Nach Durchsicht der Verlassenschaftsabhandlung erscheint diese Eintragung in zweierlei Hinsicht als fragwürdig. B. hinterließ nämlich vier Söhne, von denen die drei aus dritter Ehe noch in jugendlichem Alter waren: Jacob 8, Ulrich 10 und Johann 15 Jahre alt. Aus erster Ehe mit Catharina Millhirn stammte ein Sohn namens Franz, damals bereits 42 Jahr alt und Mitglied eines k. k. IR.s. B. hinterließ keine Familie, die als arm zu bezeichnen wäre. Das Gesamtvermögen belief sich lt. Schätzung auf über 2.426 fl. Der Wert des Werkstättenbestandes wurde mit 81 fl 9 kr angegeben, ohne dass eine detaillierte Aufstellung vorläge. Gemäß dem Testament gingen 30 fl an Institutionen zur Unterstützung von Armen. Aus unbekannten Gründen ging der älteste Sohn Franz mit einer Erbschaft von 5 fl 15 kr praktisch leer aus. Die drei jüngeren Söhne erbten je 500 fl, das verbleibende Vermögen ging an die Witwe.

Diese starb bereits wenige Jahre später, nämlich am 18.1.1770. Bei der Abhandlung ihrer Verlassenschaft scheint ein noch größeres Vermögen auf: der Gesamtwert belief sich auf 4.509 fl 44 kr, „Orglmacher Arbeit und Werkzeug“ wurden auf 198 fl geschätzt. Laut einer Anzeige in der Wiener Zeitung vom 18.4.1770 wurden unter B.s Adresse folgende Instrumente zum Kauf angeboten: „kleine Orgeln, Positiv, Cimbalen, Clavier“. Es dürfte sich um Instrumente aus B.s Verlassenschaft gehandelt haben. Das Haus in St. Ulrich beherbergte auch nach B.s Tod Orgelbauer: Ab 1769 hatte hier Franz Ignaz Richter († 1778) seine Werkstätte und nach dessen Tod führte diese Johann Wimola († 1800) weiter.

Meyer gibt an, im Jahr 1706 habe ein S. B. aus „Jettingen in Schwabenland“ in Mühlhausen im Elsass die alte Orgel zu St. Stephan repariert und erweitert. Der oben erwähnte Orgelbauer kommt aus Altersgründen nicht in Frage und ein älterer Orgelbauer gleichen Namens ist derzeit nicht bekannt.


Literatur
H. Fischer/Th. Wohnhaas, Lex. süddeutscher Orgelbauer 1994; Hopfner 1999; R. Maunder, Keyboard Instruments in Eighteenth-Century Vienna 1998; H. Meyer in Zs. d. histor. Vereins f. Schwaben 54 (1941); Verein für Geschichte der Stadt Wien (Hg.), Quellen zur Geschichte der Stadt Wien 16 (1895–1921), Reg. 8007, 9050 u. 9110; R. Schaal in StMw 26 (1964); K. Schütz, Der Wiener Orgelbau in der zweiten Hälfte des 18. Jh.s, Diss. Wien 1969; K. Schütz in J. Sehnal (Hg.), Musik des 17. Jh.s und Pavel Vejvanovský 1994; K. Szigeti in Organa Austriaca 3 (1982). – Archivalien: Taufmatrikeln der Pfarrei Jettingen (Bischöfliches Ordinariat Augsburg); Pfarre St. Ulrich, Trauungsbuch 1724 – 1728, fol. 187v; Pfarre St. Ulrich, Trauungsbuch 1749 – 1753, fol. 195; WStLA, Unbehaustes Buch der Jahre 1749 – 1768; WStLA, Totenprotokoll 1751, fol. 489; WStLA, Totenprotokoll 1768 fol. 52v; WStLA, Verlassenschaftsabhandlung, Fasc. 351/24.

Autor(en)
Rudolf Hopfner
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Hopfner, Art. „Burckhart (Burckhardt, Purkhardt), Simon‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/11/2001]


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