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Chalumeau
Barockes Rohrblattinstrument (von griech. kalamos, lat. calamus = Rohr). Einfache Rohrblattinstrumente entstanden im späten 17. Jh. Die Verwandtschaft mit der Klarinette ist offensichtlich, es handelt sich jedoch nicht um einen Vorläufer derselben, da beide Instrumente über mehrere Jahrzehnte nebeneinander existierten und es für beide eine eigenständige Literatur gibt. Das Ch. besitzt eine zylindrische Bohrung, die äußere Form ähnelt der der Blockflöte. Es wird nicht überblasen (obwohl dies im Prinzip möglich wäre) und der Umfang beschränkt sich daher auf etwas mehr als eine Oktave. Es besitzt sieben vorderständige Grifflöcher, Daumenloch und zwei vis à vis angebrachte Klappen, die eine Umfangserweiterung nach oben ergeben. Mundstück und Blatt sind breiter als bei der Klarinette, was sich auf den Klang des Grundregisters günstig auswirkt. Ch.s wurden als Familie gebaut, wobei das Sopraninstrument in f steht (Umfang f1 – c3), der Alt in c und Tenor bzw. Bass dementsprechend eine Oktave tiefer. Erhalten sind nur Instrumente in Alt- und Tenorlage, die anderen sind allein aus der Literatur bekannt.

J. G. Walther (Lexikon 1732), welcher die Erfindung der Klarinette Johann Christoph Denner in Nürnberg zuschreibt, gibt auch an, dieser habe das Ch. verbessert, ohne die Natur dieser Verbesserung zu beschreiben. Heyde erwähnt eine Archivalie aus dem Jahr 1687, die den Ankauf von Instrumenten für den Herzog von Römhild-Sachsen belegt; „ein Chor Chalimo von 4. stücken“ wurde in Nürnberg angekauft, und Heyde vermutet, dass sie von Denner stammten. Zwei Belege aus Stift Göttweig, die ca. 1720 ausgestellt wurden, betreffen den Ankauf von Holzblasinstrumenten in Nürnberg. Jacob Denner bot unter anderem einen sechsstimmigen Satz Ch. (3 Primieur, 1 Second, 2 Basson) für 120 Gulden an. Als erste musikalische Quelle ist eine Sammlung von Stücken aus der Zeit um 1690 in der Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek in Darmstadt anzusehen, bei denen zwei Ch.s verlangt werden. Am Wiener Hof dürfte sich das Ch. v. a. in der Oper großer Beliebtheit erfreut haben, da es im frühen 18. Jh. wiederholt in Werken von A. Caldara, F. B. Conti, G. Porsile, G. Reutter d. Ä. und J. Bonno verlangt wird. Kaiser Joseph I. setzte ein obligates Ch. in einer Arie ein, die als Einlage für M. A. Zianis Oper Chilonida (1709) bestimmt war. J. J. Fux verlangt das Instrument in vier seiner Opern. Während der 1740er und 1750er Jahre scheint das Instrument in Vergessenheit geraten zu sein. Erst Chr. W. Gluck verwendet es nach dieser Unterbrechung in seinen Opern Orfeo ed Euridice (1762) und Alceste (1767) wieder. Kammermusikkompositionen für das Ch. stammen von C. Ditters von Dittersdorf, J. Starzer und F. L. Gaßmann. Erwähnenswert ist ein virtuoses Konzert von F. A. Hoffmeister, ab den 1780er Jahren wurde das Instrument endgültig von der Klarinette verdrängt. Überlebt hat nur der Name, da die tiefe Lage der Klarinette als „Ch.register“ bezeichnet wird.


Literatur
NGroveD 4 (1980); NGroveDMI 1 (1986); MGG 2 (1996), 177–180; C. Carp in Early Music (Nov. 1986); H. Fitzpatrick in The Galpin Society Journal 21 (März 1968); H. Heyde, Historische Musikinstrumente im Bachhaus Eisenach 1976; C. Lawson (Hg.), The Cambridge Companion to the Clarinet 1995; A. R. Rice/C. Lawson in Early Music 14/4 (1986); Walther 1732, 153, 202.

Autor(en)
Rudolf Hopfner
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Hopfner, Art. „Chalumeau‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]