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Colloredo-Waldsee-Mels, Colloredo-Waldsee-Mels, Anton Familie
Anton Johann Theodor Franz: get. 17.7.1729 Wien, † 1811-11-1212.11.1811 Kremsier (Kromĕříž/CZ). Geistlicher, Mäzen. Sohn von Karl Ludwig Graf C.-W.-M. (1698–1767). 1746 nichtresidierender Kanonikus in Olmütz, 1747–52 studierte er Rechte in Modena/I, Rom und Padua/I (hier 1752 Dr. jur.). Ab 1753 Theologiestudium in Mantua, 1758 erfolgte in Brixen seine Priesterweihe. 1764 residierender Kanonikus in Olmütz, 1766 Probst (in der Nachfolge von H. v. C.-W.-M., der ihn 1778 in Salzburg auch zum Bischof weihte) und 1776 Dekan des Kollegiatkapitels. 1777 (erster) Erzbischof von Olmütz, 1803 Kardinal. A. Th. hatte eine leistungsfähige Hofkapelle (Adelskapelle), die sich unter der Leitung von F. Götz u. a. 1790–92 im Rahmen der Festlichkeiten von verschiedenen Krönungen entsprechend präsentieren konnte. Nur wenige Mitglieder der Kapelle sind namentlich bekannt, die meisten scheinen auch als Kammerdiener o. ä. beschäftigt gewesen zu sein. Leiter der Kapelle waren Josef Bassanini (bis 1780), I. Küffel (1780–82) und Götz (ab 1788). Noch mehr als die Musik scheint er jedoch das französische und italienische Theater gefördert zu haben (Schlosstheater in Kremsier). In A. Th.s Olmützer Residenz fanden im Winter wöchentlich zweimal musikalische Akademien des 1771 gegründeten Collegium musicum (Musikakademie) statt. Sein Nachfolger als Erzbischof war Erzhzg. Rudolph.

Sein weitschichtiger Verwandter

Hieronymus Franz de Paula Josef: * 31.5.1732 Wien, † 20.5.1812 Wien. Geistlicher, Mäzen. Sohn von Rudolph Wenzel Joseph Graf C.-W.-M. (* 6.7.1706 Prag, † 1.11.1788 Wien), einem Mäzen W. A. Mozarts bei dessen erster Wien-Reise 1762. Nach Studien in Wien und Rom 1747 Domherr in Salzburg, 1751 Domkapitular in Passau, 1761 Propst am Kollegiatkapitel in Kremsier, 1762 Fürstbischof von Gurk (Vorgänger: J. M. v. Thun-Hohenstein, Nachfolger: J. F. A. v. Auersperg), 1772 in der Nachfolge von S. Ch. v. Schrattenbach Fürsterzb. von Salzburg (1803 als weltliches Oberhaupt abgedankt); ergriff rigorose Sparmaßnahmen, um die Schulden des Erzstiftes abzutragen; 1772–81 war W. A. Mozart Mitglied seiner Musikkapelle, an deren Spitze G. F. Lolli, Domenico Fischietti (1772–75), Giacomo Rust (1777/78) und L. Gatti (ab 1782) standen. 1777 wurden Mozart und sein Vater L. Mozart entlassen, wobei Letzterer durch viel Geschick bleiben konnte, während sein Sohn nach Mannheim/D und Paris aufbrach. Nach dem Tod der Mutter musste er aber an den Hof zurückkehren und 1779 eine Stelle als Hoforganist annehmen. Ein weiterer Streit 1781, ausgelöst durch eine Urlaubsüberschreitung, führte zur fristlosen Entlassung Mozarts, der seitdem als freischaffender Komponist in Wien lebte. 1783 sprang Mozart mit der Komposition zweier Duos für Violine und Viola (KV 423 und 424) für M. Haydn ein, der wegen einer Erkrankung einen entsprechenden Auftrag C.s nicht erfüllen konnte. C., ein Vorreiter des Josephinismus, schuf 1772 viele Feiertage ab und verbot einige Volksbräuche. Er beschränkte die gewöhnliche Messe auf 45 Minuten (in diesem Zusammenhang ist z. B. auch die nach ihm benannte Hieronymusmesse [UA: 1.11.1777] von M. Haydn zu sehen). Wo es ging, ersetzte C. auch die lateinische Sprache durch die deutsche. So entstand das Deutsche Hochamt (8 Messen von M. Haydn). 1782 lehnte C. in einem Hirtenbrief die Instrumentalmusik in der Kirche ab (statt der Epistelsonaten wünschte er Gradualkompositionen, wie sie etwa M. Haydn auf seinen Auftrag hin schuf) und erließ strenge Richtlinien für die Pflege des deutschen Kirchenliedes. 1783 untersagte er lateinischen Gesang und Instrumentalmessen im Gottesdienst (ausgenommen waren Klöster). Offiziell schrieb er das 1777 erschienene Landshuter Gesangbuch Der heilige Gesang zum Gottesdienste in der römisch-katholischen Kirche von F. S. Kohlbrenner vor, das 1790 von M. Haydn bearbeitet wurde. Während sich das Deutsche Hochamt nicht halten konnte, behielt der einstimmige, nur von der Orgel begleitete deutsche Volksgesang zur Messe (sog. Messlieder wie Hier liegt vor Deiner Majestät) seine Popularität. C. verbot die meisten Prozessionen, Wallfahrten und Passionsdarstellungen. Wie bei Joseph II. wurden auch C.s Maßnahmen nach wenigen Jahren z. T. wieder zurückgenommen. 1775 ließ er gegen den Willen, doch auf Kosten der Stadt, das Ballhaus am heutigen Markartplatz in Salzburg in ein öffentliches Theater umbauen.


Literatur
J. Sehnal in HaydnJb 10 (1970); J. Stenzl et al. (Hg.), Salzburger Musikgesch 2005; Ch. Fastl/E. Hintermaier in G. Gruber/J. Brügge (Hg.), Das Mozart-Lex. 2005; G. Croll/K. Vössing, Johann Michael Haydn. Sein Leben – sein Schaffen – seine Zeit 1987; Hintermaier 1972; H. Boberski, Das Theater der Benediktiner an der alten Univ. Salzburg (1617–1778), 1978; Wurzbach 2 (1857); NDB 3 (1957); Czeike 1 (1992); MGG 8 (1998) [Salzburg]; MGÖ 2 (1995); F. Martin, Salzburgs Fürsten in der Barockzeit 31966; E. Neumayr/L. E. Laubhold (Hg.), [Kgr.-Ber.] Keine Chance für Mozart. Fürsterzbischof Hieronymus Colloredo u. sein letzter Hofkapellmeister L. G. 2013; RGG 2 (2008); http://de.wikipedia.org (5/2014).

Autor(en)
Barbara Boisits
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Barbara Boisits/Christian Fastl, Art. „Colloredo-Waldsee-Mels, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 23/05/2014]