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Countrydance, Contredanse, Kontretanz
Bezeichnungen für einen Gesellschaftstanz, die trotz ihrer Ähnlichkeit verschiedene Aspekte desselben im Auge haben. Der Terminus Countrydance bezieht sich auf einen ursprünglich auf den britischen Inseln gepflegten ländlichen Tanz, der erstmals um die Mitte des 16. Jh.s als Gesellschaftstanz im höfischen Milieu nachweisbar ist; demgegenüber steht der Terminus Contredanse/Kontretanz im Zusammenhang mit der choreographischen Grundsituation des Tanztypus, dem miteinander Tanzen einander gegenüberstehender Tänzer bzw. Tänzergruppen. Kennzeichnend für diesen stets von vier und mehr Personen ausgeführten Tanztypus ist der Reichtum choreographischer Figuren, deren Grundschemata (Longways, Round und Square) immer wieder neu kombiniert wurden und in denen Partnertausch eine wichtige Rolle spielte. Im Unterschied zu den bloßen Reigentänzen, die auch in der Gruppe spontan getanzt werden, bedarf es für die Country-/Contretänze einer vorbereitenden Absprache.

Im Verlauf des 17. Jh.s wurde der Countrydance von England, wo er ab Mitte des Jh.s auch schriftlich in zahlreichen Drucken des Musikverlegers John Playford unter dem Titel The Dancing Master Verbreitung fand, auf den Kontinent verpflanzt und dabei v. a. in Frankreich durch Einführung komplizierteren Tanzschrittmaterials entscheidend verfeinert.

Wie Lady Mary Montagu 1717 aus Wien berichtet, waren hier vermutlich bereits seit dem letzten Drittel des 17. Jh.s englische Countrydances bekannt, die von bis zu 30 und 40 Paaren getanzt wurden, „aber so schlecht, daß es wenig Vergnügen bereitet“.

Ab Mitte des 18. Jh.s fanden v. a. die französischen Contres, die zumeist von vier Paaren im Karree getanzt wurden, durch Drucke in ganz Europa große Verbreitung. Doch auch der Typus der Anglaise, auch als Englischer Tanz bezeichnet, der sich an den englischen Longways anschloss, bei dem die Tänzerinnen und Tänzer in zwei Reihen einander gegenüberstehen, erfreute sich großer Beliebtheit. Beide Formen, d. h. der Contredanse française – auch Cotillon genannt – wie der Contredanse anglaise wurden neben dem Menuett und dem Deutschen Tanz zum führenden Gesellschaftstanz in der 2. Hälfte des 18. Jh.s. Während die Anglaise ebenso wie die später aus ihr entwickelte Ecossaise in ihrem choreographischen wie musikalischen Ablauf mit entsprechenden Wiederholungen durch die variable Zahl der Tanzenden bestimmt wurde, entwickelte sich für die Contredanse française mit ihrer weitgehend fixierten Zahl von vier Tanzpaaren ein feststehendes Figurenschema, das für die musikalische Struktur eine Gliederung in Couplets und Refrains erforderlich machte.

Während die Komponisten bzw. Arrangeure der überlieferten Kontretänze in Frankreich meist mit den Tanzmeistern ident sind, hat diese Tanzform v. a. in den deutschen Ländern prominente Musiker begeistert, wie etwa die Wiener Klassiker. Die Redoutentänze W. A. Mozarts wie auch die Tanzkompositionen L. v. Beethovens enthalten eine Fülle der reizvollsten Kontretanzkompositionen.

Zu den wichtigsten Quellen zählen: Aubat St. Flour, Cent Contredanses en rond 1757; De La Cuisse, Le Répertoire des bals ou Recueil de Contredanses 1762–65 (s. Abb.); E. Chr. Fricke, Neue Englische Tänze nebst darzu gehöriger vollstimmiger Musik 1773; E. Chr. Fricke, Neue Cottillions oder Französische Contretänze 1775; G. Magri, Trattato teorico-prattico di ballo 1779; J. H. Kattfuß, Taschenbuch für Freunde und Freundinnen des Tanzes 1800; Lady Mary Montagu, Briefe aus Wien, hg. v. M. Breunlich 1985.


Literatur
MGG 2 (1995); H. Lager/H. Seidl, Kontratanz in Wien 1983; S. Dahms in Proceedings of Dance History Scholars 1997.

Autor(en)
Sibylle Dahms
Empfohlene Zitierweise
Sibylle Dahms, Art. „Countrydance, Contredanse, Kontretanz‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 08/08/2001]