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Dominikaner
Predigerorden, Ordo fratrum Praedicatorum (OP), D.orden (seit dem 15. Jh.), wurde 1215 vom Hl. Dominikus (um 1170–1221) gegründet. Er zählt zu den sog. Bettelorden, Hauptaufgabe ist die Seelsorge durch Predigt, Pflege der theologischen Wissenschaften, Mission und Diasporapastoral. Der Orden lebt nach der Regel des Hl. Augustinus sowie nach eigenen Konstitutionen (erstmals 1220, Constitutiones antiquae 1228, neueste Fassung 1998). Die von Dominikus 1215 in Toulouse/F gestiftete Kanonikergemeinschaft wurde 1216 päpstlich bestätigt und 1217 in einen zentralistischen Orden umgewandelt, der ein weltweites Predigtmandat erhielt. 1220 wurde das strikte Gebot der Besitzlosigkeit und der Bettel als Existenzgrundlage angenommen. Der Orden wird von einem General-Meister (magister generalis) geleitet und weist hinsichtlich seiner Organisation starke demokratische Elemente auf. 1221 wurden die ersten Provinzen errichtet, kurz danach auch eine deutsche Provinz. Das älteste Kloster im deutschen Sprachraum ist Friesach in Kärnten (gegr. 1217 oder 1220), der Wiener Konvent entstand 1226. Weitere frühe Gründungen waren in Pettau (Ptuj/SLO 1230) und Krems (1236), österreichische Niederlassungen befanden sich weiters in Steyr (1472), Tulln, Wiener Neustadt (1227), Leoben (1262) und in Neukloster (Novi klošter) im Sanntal (Savinja, westlich von Cilli [Celje/SLO]). Neben Friesach und Wien bestehen im Jahr 2001 noch die Konvente in Graz (1466) und Retz/NÖ (1279), die zusammen mit Klöstern in Augsburg/D, München und Freiburg im Breisgau/D zur 1938 errichteten Süddeutsch-Österreichischen Provinz gehören. Große Verbreitung fand der Orden in österreichischen Nachbarländern wie Tschechien und Ungarn.

Zu den bedeutendsten Gelehrten des Ordens zählen Albertus Magnus (ca. 1200–1280) und Thomas von Aquin (1224/5–1274), in deren Schriften sich auch Themen zur Musik finden. Thomas verfasste nach dem Zeugnis des Ptolemäus von Lucca (frühes 14. Jh.) das Fronleichnamsofficium, dessen Dichtungen zu den verbreitetsten der katholischen Liturgie gehören: Hymnen wie Pange lingua gloriosi corporis mysterium (5. Strophe Tantum ergo), Sacris solemniis (5. Strophe Panis angelicus), Verbum supernum prodiens (5. Strophe O salutaris hostia), Adoro te devote, die Sequenz Lauda Sion Salvatorem, die Antiphon O sacrum convivium. Große deutsche Mystiker wie Meister Eckhart (ca. 1260–1326), Heinrich Seuse (1295–1366) und Johannes Tauler (1300–61) waren D.

Dem Orden sind auch die D.innen angeschlossen, Frauengemeinschaften in unterschiedlichen Rechtsformen, in Österreich z. B. in Friesach.

Eine ordenseigene Liturgie und Choralpraxis entwickelte sich erst 30 Jahre nach der Gründung. 1228 entschied das Generalkapitel noch, dass die Brüder dem Officium der Kirche vor Ort folgen sollen. Unter dem vierten Generalmagister, Johannes Teutonicus (1241–52), begann 1245 die Ausbildung der eigenen Choraltradition, die 1255 unter dem fünften Generalmagister, Humbert von Romans (1254–63), mit einem heute noch erhaltenen Mustercodex (14 Bücher, Cod. XIV L1 im Generalarchiv in Rom, genannt Correctorium Humberti, Correctorium Sancti Iacobi, Le Gros Livre) in ihrer endgültigen Ausformung vorlag. Die Kapitel der Jahre 1254–56 fixierten die Details der ordenseigenen Liturgie und approbierten das Musterbuch. Alle Niederlassungen erhielten davon Abschriften. Das Stundengebet folgt im Wesentlichen dem Cursus Romanus, gebotene Kürze wurde durch den Entfall der meisten Zusätze, wie Suffragien, lange Preces und Gradual- bzw. Bußpsalmen erreicht. Zu den Besonderheiten gehört u. a. ein ausgedehnterer Gebrauch der Responsoria prolixa, wechselnde Teile (z. B. Antiphonen) in der Komplet und an deren Ende die Salve regina-Prozession. Die Messliturgie hatte ein kürzeres Stufengebet (ohne Psalm 43), der Kelch wurde in der Privatmesse vor Beginn derselben bereitet, im Amt nach der Epistel, Kelchkuss bei den Kommunionriten. Der Mustercodex von 1255 bestimmt die damaligen Choralversionen der Pariser Kathedrale für den Gebrauch des Ordens, Einflüsse kommen auch aus dem Zisterzienser-Choral. Das Correctorium ist mehr eine Normierung der Gesänge als eine Reform im Sinne der musikalischen Bearbeitung des Repertoires. Eingriffe erfolgten partiell, z. B. in der Kürzung des Melismas im Alleluia-Vers oder in der Tilgung von Motivwiederholungen. Als Lesetöne finden wir primär jüngere subsemitonale Formeln. Das Sequenzenrepertorie ging eigene Wege, im Graduale von 1928 finden wir auch zu Weihnachten eine Sequenz: Laetabundus exsultet fidelis chorus. Die Überlieferung der Bücher war nur wenigen Änderungen unterworfen, auch in Drucken der Barockzeit. Die jüngsten Ausgaben (z. B. Processionarium 1913, Graduale 1928, Antiphonarium 1933) folgen – soweit möglich – dem Correctorium Humberti, sie waren bis zur Liturgiereform des II. Vaticanums (Vatikanisches Konzil) im allgemeinen Gebrauch. Mit dem römischen Missale und Brevier 1969/1970 haben die D. wesentliche Elemente ihrer Eigenliturgie aufgegeben.

Mitglieder des Ordens haben sich v. a. in Italien, Spanien und Frankreich immer wieder als Komponisten und Musiker hervorgetan, über die Geschichte der D.musik in Österreich liegen nur wenige Daten vor. In Graz wirkte Benedikt Bertignol (1865–1952) als Regens chori und Komponist, gegenwärtig besorgt die Kirchenmusik Fr. Marianus Koidl (* 1936). In der Wiener D.kirche ist seit fast 50 Jahren H. Haselböck als Kirchenmusiker tätig. In Friesach, Retz und Wien befinden sich in den Klosterkirchen Denkmalorgeln. Die umfangreichste Kirchenmusikpflege in der süddeutsch-österreichischen Provinz geschieht in der Theatinerkirche St. Kajetan in München. Dort leitet P. Amadeus Schmalhofer OP die Orlando di Lasso Vokalkapelle, die Nachfolgeorganisation der Münchener Königlichen Hofkapelle. Im Bereich des neueren Kirchengesangs sind auch in Österreich vierstimmige Psalmodiemodelle des französischen D.s André Gouzes weit verbreitet und haben Eingang in die Anhänge der Diözesangesangbücher gefunden.


Literatur
MGG 2 (1995); Lexikon für Theologie und Kirche 3 (1995); LexMA 3 (1995); M. Heimbucher, Die Orden und Kongregationen der katholischen Kirche 1 (1933); G. Sölch, Die Eigenliturgie der D. 1957; W. A. Hinnebusch, The History of the Dominican Order 1 (1966) u. 2 (1973); Ph. Gleeson in Archivum fratrum praedicatorum (AFP) 42 (1972); A. Dirks in AFP 50 (1980), 52 (1982), 53 (1983), 54 (1984), 55 (1985), 57 (1987); M. Steinhardt in AFP 63 (1993).

Autor(en)
Franz Karl Praßl
Empfohlene Zitierweise
Franz Karl Praßl, Art. „Dominikaner‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]