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Eibenschütz, Eibenschütz, true Familie
Jüdische Musiker- und Theaterfamilie, deren Verwandtschaftsverhältnisse in einigen Bereichen bislang unklar sind.

Karl Friedrich: * 4.1.1829 Pest (Budapest), † 1874 Budapest. Sänger (Bariton). Verheiratet mit der Kammersängerin Adele Marochetti (* 1833 St. Petersburg/RUS, † 28.11.1893 Koblenz/D), deren Mutter eine Opernsängerin war. War als Opernsänger nachweislich in Pressburg (1847/48), Budapest (1853–55) und Basel/CH engagiert, soll aber auch in Frankfurt am Main/D und Köln/D gesungen haben.

Sein Sohn Albert Maria: * 15.4.1857 Berlin, † 15.11.1930 Wien. Pianist und Komponist. Studierte 1874–77 am Konservatorium in Leipzig/D, Unterricht auch bei A. Rubinstein. Wirkte ab 1878 als Pädagoge an den Konservatorien von Charkov (Kharkiv/UA), Leipzig, Köln, Berlin (Sternsches), Wiesbaden/D und Aachen/D (stellvertretender Direktor). Ab 1918 lebte er als Komponist in Berlin.


Werke
Operette Liebessport, Symphonie, Kammermusik, Klaviermusik, Lieder.


Dessen Frau Wilhelmine Marianne (geb. Wnuczek): * 17.1.1878 [nicht 1879] Krakau/Galizien (Kraków/PL), † 26.6.1957 Berlin. Pianistin. Studierte 1893–96 bei ihrem späteren Mann (Heirat 1898) am Konservatorium in Köln und 1896/97 in Berlin am Stern-Konservatorium, wo sie ab 1896 bereits selbst unterrichtete. Später Lehrerin in Wiesbaden, Aachen, ab 1918 wieder in Berlin. Anders als ihre Schwester, die Pianistin Amalie Wnuczek (* 20.2.1883 Krakau, † 18.8.1942 Riga), überlebte W. E. den Nationalsozialismus in Deutschland. Tochter des Ehepaars W. war die Pianistin und Schauspielerin Lia (Lina, Lea, Lya; eig. Lina Mathilde; * 19.3.1899 Wiesbaden/D, † 3.3.1985 Berlin), ab 1927 verheiratet mit dem Schauspieler Kurt Vespermann (1887–1957).

A.s Schwester Toni (verh. Claar): * 28.6.1868 oder 1873 [wohl nicht 1871] Frankfurt am Main, † nach 1918 (Ort?). Sängerin. Wurde am Konservatorium von Köln durch Benno Stolzenberg ausgebildet und war zunächst 1888–91 in Regensburg/D engagiert, danach in Marburg an der Drau (1891/92), Bielitz (Bielsko-Biała/PL; 1892–94), Salzburg (1894–98) und Linz (1898–1902), dessen Stadttheater ihr Mann (seit ca. 1896) Hans Claar (1861–1918) leitete. Gastspiele in Franzensbad (Františkové Lázně/CZ), Karlsbad und Bad Ischl sowie 1896/97 in Siebenbürgen (Hermannstadt [Sibiu/RO] und Kronstadt [Braşov/RO]). Auftritte in Opern- und Operettenpartien, nach 1902 gastierte sie noch ca. drei Jahre. Danach wohnte sie mit ihrem Mann in Salzburg, Wien und Linz.

Alberts Bruder José (eig. Joseph Alexander): * 8.1.1872 Frankfurt am Main, † 27.11.1952 Ilfeld/D (begr. Sülzhayn/D). Dirigent und Komponist. Schüler des Hochschen Konservatoriums in Frankfurt, 1892/93 Lehrer am Konservatorium zu Koblenz, anschließend Orchesterdirigent in Finnland (Freundschaft mit J. Sibelius), Norwegen und Deutschland (1908–20 und ab 1928 in Hamburg/D). 1935 Übersiedelung nach Sülzhayn, wo E. während der Kriegsjahre trotz seiner jüdischen Abstammung überleben konnte (keine Emigration, wie häufig angegeben). Nach dem Krieg noch Auftritte als Dirigent, auch in Norwegen.


Werke
Oper Ann’ Marie 1897, Orchesterwerke.


Alberts Cousin Siegmund: * 19.11.1856 Budapest, † 19.2.1922 Wien. Kapellmeister, Theaterdirektor. Studium an der MAkad. in Budapest (bei F. Erkel, F. Liszt, R. Volkmann); begleitete dann seine Schwester Ilona auf deren Konzertreisen durch Europa. E. ließ sich schließlich in Wien nieder und wurde Korrepetitor bei M. L. Dustmann-Meyer und P. Lucca. Ab 1887 trat E. als Operndirigent auf. Er war Kpm. in Graz (1887/88), Olmütz (1888/89), Salzburg (1889/90), Brünn (1890/91), Magdeburg/D (1891/92) und am Theater an der Wien (1895–1904) und leitete 1908–22 das Carltheater in Wien (1907 bereits Mitdirektor).

Dessen Frau Dora Keplinger (eig. Theodora; Kepplinger, verh. E.-K.): * 9.12.1875 oder 1878 Wien, † 1949 (Ort?). Operettensängerin (Sopran). Studierte 1891–1900 am Konservatorium der GdM bei F. Forstén (Gesang ab 1896), R. Fuchs (Musiktheorie und Komposition) und W. Schenner (Klavier). 1900 Debüt am Theater an der Wien, 1901/ 02 am Linzer Landestheater, danach wieder am Theater an der Wien engagiert. 1903 Heirat mit S. E. 1907 wechselte sie an das Carltheater. K. feierte vor allem in Operetten von L. Fall große Erfolge und galt als eine der führenden Operettensängerinnen ihrer Zeit. Nach dem Tod ihres Mannes leitete sie als dessen Nachfolgerin das Carltheater bis zu seiner Schließung 1929 und war danach noch als Pädagogin tätig. Lebte bis mindestens April 1942 in Wien.


Gedenkstätten
K.gasse (Wien XIII).
Werke
Schallplattenaufnahmen.


Deren Tochter Maria (Marie) Theodora Eibenschütz: * 4.10. (oder 10.9.) 1909 Wien?, † 31.7.1983 Salzburg. Musikpädagogin. Studierte vielleicht 1936/37 Klavier an der Wiener MAkad.1961–83 unterrichtete sie Stimmbildung und Methodik des Gesangs an der Abteilung Musikerziehung des Mozarteums in Salzburg, ab dem Studienjahr 1969/70 führte sie den Titel tit. Prof. 1970–73 war E. als Vertreterin der Vertragslehrer und Lehrbeauftragten Mitglied im Gesamtkollegium.

S.s Schwester Johanna: * 16.7.1862 Budapest, † 27.9.1919 (Ort?). Sängerin. Studierte 1880 kurz am Konservatorium der GdM bei M. L. Dustmann-Meyer. Debüt 1885 in Reichenberg, wo sie bis 1887 blieb. Danach in Graz (1887/88), Danzig (Gdańsk/PL; 1888/89), Budapest (1889/90, Oper unter G. Mahler), Zürich/CH (1891/92), Brünn (1892/93) engagiert. Spätestens 1895 heiratete sie und verließ die Bühne.

Deren Schwester Gina (Regine): * 17.10.1869 Budapest, † 1956 (Ort?)/RA. Schauspielerin. Tochter des Kantors am Budapester Stadttempel David E. G. besuchte 1887–89 die Schauspielschule des Konservatoriums der GdM.Sie spielte im sentimentalen und naiven Fach. 1890/91 war sie in Salzburg engagiert, 1891 angeblich auch in Linz, 1891/92 in Zürich. Ein angebliches Engagement am Carltheater ab 1895 kann nicht eindeutig belegt werden. 1897 heiratete sie in Wien den Porträtmaler Robert Schiff.

Deren Schwester Ilona (verh. Derenburg): * 8.5.1873 [1872?] Budapest, † 21.5.1967 London. Pianistin. Erster Unterricht bei ihrem Cousin A. E., debütierte bereits mit sechs Jahren und unternahm als Kinderstar weite Konzertreisen. 1878–85 soll sie bei H. Schmitt studiert haben, wahrscheinlich ausschließlich privat, weitere Kurse bei F. Liszt und A. Rubinstein folgten; 1886–90 vierjährige Ausbildung bei C. Wieck. I. E.s sehr erfolgreiche Karriere als erwachsene Künstlerin dauerte nur bis zu ihrer Hochzeit 1902, nach der sie sich aus dem öffentlichen Konzertleben zurückzog und nach London übersiedelte (1903 entstand noch eine Tonaufnahme mit Werken von J. Brahms und D. Scarlatti).

Julius (Pseud. Julius Evelyn): * 5.8.1875 Krakau/Galizien (Kraków/PL), † 29.6.1943 Wien. Pianist, Organist, Komponist. Maturierte in Wien und erhielt privaten Musikunterricht. Eigentlich Bankbeamter, war er 1901/02 2. Kapellmeister am Jantsch-Theater. Ob J. E. in einem Verwandtschaftsverhältnis zur Familie E. stand, ist unklar.


Werke
Operetten und Possen (Das Liebesorakel, Die Brautnacht, Das Siebengestirn, Tante Oberst, Die kleine Witwe, Lampels Töchter [UA 3.11.1900 Theater an der Wien], Die Luftzauberin [UA 26.10.1901 Theater in der Josefstadt), Lieder, Tanzmusik.
Literatur
M. Rudolph, Rigaer Theater- und Tonkünstler-Lex. 1890; A. Ehrlich (Hg.), Berühmte Klavierspieler der Vergangenheit und Gegenwart 1893; A. Kohut, Berühmte israelitische Männer und Frauen in der Kulturgeschichte der Menschheit 1 (1901); Kosel 1902; Eisenberg 1903; F. Neubert (Hg.), Dt. Zeitgenossen-Lex. 1905; A. L. Degener (Hg.), Wer ist’s? Zeitgenossenlex. 41909; S. Wininger (Hg.), Große jüdische National-Biographie 2 (1927); Müller-Asow 1929; F. Planer (Hg.), Das Jb. der Wr. Ges. 1929; A. Schöpflin, Magyar színművészeti lexikon 1 (1929); Riemann 1929, 1959 u. 1972; F-A 1936 u. 2 (1978); Kosch 1 (1953); Kürschner 1954; ÖBL 1 (1957); Stieger II/1 (1977); Czeike 3 (1994); K-R 1997; Ulrich 1997; NGroveD 8 (2001); DBEM 2003; E. Weissweiler, Ausgemerzt! Das Lex. der Juden in der Musik u. seine mörderischen Folgen 1999; K. Weninger, Zwischen Bühne und Baracke 2008; Der Humorist 20.2.1891, 10.8.1892, 1.11.1895, 10.11.1900, 1.11.1901, 10.10.1902, 10.4.1907, 20.4.1917, 24.3.1923; S. Wenzel in B. Borchard (Hg.), Musikvermittlung und Genderforschung: Lex. und multimediale Präsentationen (http://mugi.hfmt-hamburg.de/A_lexartikel/lexartikel.php?id=eibe1872, 6/2014); www.lexm.uni-hamburg.de (6/2014); www.demos.ac.at (6/2014); http://wc.rootsweb.ancestry.com (6/2014); www.steffi-line.de (6/2014); WStLA (Meldearchiv) [D. E.-Keplinger]; Mitt. Barbara Schwarz-Raminger (UB Univ. Mozarteum) [M. Th. E.]; eigene Recherchen (u. a. Jahresberichte des Konservatoriums der GdM, Theateralmanache und Dt. BühnenJb.er).

Autor(en)
Christian Fastl
Monika Kornberger
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl/Monika Kornberger, Art. „Eibenschütz, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 12/01/2015]