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EisnerEisnertrue (Pseud.e Erck, Erka), Erich
* 1897-06-077.6.1897 Prag, † 1956-03-022.3.1956 La Paz/Bolivien. Dirigent, Komponist, Pianist. E. wuchs in München auf, diente 1914–17 zunächst in einem Bayerischen, dann in einem österreichischen Regiment; 1917–20 Studium der Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Univ. in München, Promotion 1921; 1919–21 Klavierstudium an der Akad. der Tonkunst bei Hermann Zilcher sowie dramatische Komposition und Operndramaturgie (Hermann v. Waltershausen) und Kompositionslehre (Walter Courvoisier). 1921–23 Assistent an der Staatsoper München unter B. Walter, danach Anstellungen beim Stadttheater Klagenfurt (1923/24), Stadttheater St. Pölten (1924/25), Schauspielhaus Stuttgart/D (1925/26), Operettenhaus Leipzig/D (1926/27) und Stadttheater Landshut/D (1928/29). 1933 konnte er eine ihm angebotene Stelle am Stadttheater Stuttgart aufgrund seiner jüdischen Herkunft nicht mehr antreten, auch wurde ihm die Verwendung seines Künstlernamens Erck (ab 1923) verboten; 1935 Ausschluss aus der Reichsmusikkammer sowie Berufsverbot; hiernach von 1933–38 Leiter des Orchesters des Jüdischen Kulturbundes Bayern, zur selben Zeit Organist an der Münchner Hauptsynagoge in der Herzog-Max-Straße (bis zu deren Zerstörung durch die Nationalsozialisten am 9.6.1938). Am 10.11.1938 wurde E. verhaftet und im KZ Dachau/D interniert; im Dezember 1938 Flucht über England nach Bolivien (ab 1939), wohin ein Jahr später seine Frau Elsa (geb. Knoblauch, 1907–88; Hochzeit 19.6.1934) mit dem gemeinsamen Sohn Manfred (* 19.5.1935) folgte. In La Paz wirkte er als Pianist, bevor er ab 1941 in Sucre an der Escuela Nacional de Maestros Harmonielehre, Kontrapunkt und Komposition unterrichtete; hier gründete E. außerdem einen Chor und leitete das Kammerorchester Sociedad Filarmónica Sucre; Komposition der Cantata Bolivia (1941, UA 2003). 1944 ging E. nach La Paz, lehrte hier am staatlichen Konservatorium und gründete 1945 das Orquesta Sinfónica Nacional, das er bis zu seinem Tod leitete; daneben Dirigent des Ensembles Orquesta Típica Municipal; insgesamt leitete E. im Exil ca. 200 Konzerte. Neben Werken lokaler Komponisten spielte er die großen Werke des europäischen Repertoires und setzte sich insbesondere für A. Bruckner und G. Mahler ein; lateinamerikanische EAen von A. Bruckners 2. Sinfonie (1947) und 8. Sinfonie (1953) sowie bolivianische EA der 3. Sinfonie (1950); daneben zahlreiche Bearbeitungen für seine Ensembles. Sein Nachlass befindet sich im Jüdischen Museum Berlin; Kompositionen vor der Exilzeit sind nicht überliefert.
Ehrungen
Eisernes Kreuz II. Klasse (1916), Karl-Truppenkreuz (1917?), Tapferkeitsmedaille in Silber II. Klasse (1918), Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland (1955).
Literatur
M. J. Ramirez in Journal of Musicological Research 38/3 (2019); M. J. Ramirez in Bruckner Journal 20/3 (2016); www.lexm.uni-hamburg.de (9/2020); Nachlass im Jüdischen Museum Berlin (http://objekte.jmberlin.de/; 9/2020).
Autor*innen
Meike Wilfing-Albrecht
Letzte inhaltliche Änderung
15.12.2020
Empfohlene Zitierweise
Meike Wilfing-Albrecht, Art. „Eisner (Pseud.e Erck, Erka), Erich‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 15.12.2020, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x003c13e7
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

MEDIEN

DOI
10.1553/0x003c13e7
GND
Eisner(Pseud.e Erck, Erka), Erich: 136010601
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