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Eselsfest
Eines der im Mittelalter verbreiteten Klerikerfeste in der Weihnachtszeit; nämlich das der Clericuli (Knaben, pueri) am Fest der Unschuldigen Kinder (27. Dezember, neben dem der Priester am Tag Johannes des Täufers, der Diakone am Stephanitag, der Subdiakone zu Epiphanie). Dabei wurde oft ein „Kinderbischof“ eingesetzt, der an diesem Tag das Kloster bzw. Kapitel „regierte“. Die Bezeichnung E. kommt daher, dass auch der sog. Esels-Conductus (Orientis partibus, ein Loblied auf den Esel, der bei der Flucht nach Ägypten Maria mit dem Kind trug) eine Rolle spielte und/oder vielleicht sogar ein Esel (in natura oder geschnitzt) in die Kirche geführt wurde. Solche Auswüchse wurden von der Kirche mehrfach durch Verbote abzustellen versucht, z. B. in Salzburg 1274. Ansonsten ist es in Österreich (etwa im Gegensatz zu Frankreich) selten, textlich-musikalisch gar nicht direkt belegt, doch dürfte es als Grundlage für gewisse Privilegien der Sängerknaben an diesem Tag bis in das 19. Jh. und daher früher auch in den meisten österreichischen Klöstern (Klosterkultur) anzunehmen sein.
Literatur
MGÖ 1 (1995); W. Arlt, Ein Festoffizium des Mittelalters aus Beauvais 1970.

Autor(en)
Rudolf Flotzinger
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Flotzinger, Art. „Eselsfest‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]