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Feilnreiter Feilnreiter true (Feilenreiter, Feillnreiter), Familie
Wiener Geigen- und Gitarrenmacher

Franz: * 1790 Wien, † 27.10.1867 Wien. F. stammte aus dem Wiener Vorort Neulerchenfeld (Wien XVI), suchte 1811 und neuerlich 1814 um eine Befugnis an und bat 1815 um Aufgabe der Meisterprobe. Einem neuerlichen Ansuchen um Befugnis wurde trotz des Rekurses der bürgerlichen Geigenbauer 1817 entsprochen. Nach dem Tod von Jac. Fux 1819 suchte er vergeblich um dessen Gewerbe an. Ein neuerliches Ansuchen brachte er 1822 ein, ebenso ein solches um Aufgabe der Meisterprobe im folgenden Jahr. 1833 zeigten ihn die Wiener Blasinstrumentenmacher wegen grober Gewerbsstörung an. 1834–37 ist der Betrieb als „protokollierte Firma zusammen mit Theresia Kuntrowatz, welche allein firmiert” in St. Ulrich (Wien VII) zu finden. 1837 dürfte er sich für einige Zeit im Ausland aufgehalten haben. Sein Sohn

Ferdinand: * 19.2.1816 Wien, † nach 1871. Den Konskriptionsbögen ist zu entnehmen, dass er in Neulerchenfeld geboren wurde. Laut Prochart zeigte er am 27.9.1849, bereits in Gumpendorf wohnhaft, das Geigenmachen an. Seine Arbeiten werden generell als unbedeutend eingestuft. Als Schüler ist nur F. Angerer (II.) nachweisbar. In den Wiener Adressenverzeichnissen ist er bis 1871 eingetragen, nach Henley hätte noch 1890 gearbeitet. F. war verheiratet, die Gattin hieß Josepha (* 1811). Außer dem Sohn Leopold (* 1842, siehe unten) wurden dem Paar zwischen 1836 und 1850 vier Töchter geboren (Gabrielle, Johanna, Elisa und Josefa).

Sein Sohn Georg: * 7.8.1820 Wien, † 25.12.1878 Wien. Er war der zweitgeborene Sohn von Franz F. und lt. Lütgendorff auch als Kontrabassist an der Wiener Hofoper. Im Konskriptionsbogen ist vermerkt, dass ihm 1840 ein Reisepass für einen zweijährigen Auslandsaufenthalt ausgestellt wurde. Während seine Geigen schlecht beurteilt werden, hebt Lütgendorff die Qualität der Kontrabässe hervor.

Leopold: * 1842 Wien, † 1904 Wien. Es dürfte sich um den Sohn von Ferdinand F. handeln. Er arbeitete lt. Prochart zunächst mit diesem zusammen, um dann später das Geschäft von Georg F. zu übernehmen. Er soll keine reguläre Ausbildung als Geigenmacher erhalten haben und vorwiegend als Musiker tätig gewesen sein. Die Wiener Adressenverzeichnisse führen ihn ab 1876. Positiv werden in der Literatur nur seine Kontragitarren bewertet.

Die Existenz eines Johann F. († 26.10.1867; s. Lütgendorff) ist zweifelhaft.

Die Arbeiten der genannten Familienmitglieder werden unterschiedlich beurteilt. Gelobt werden die Violinen von Franz F., die nach einem großen Modell gebaut sind. Seine besten Instrumente soll er von Nikolaus Sawicki lackieren haben lassen. Auch die Kontrabässe werden hervorgehoben. Weniger positiv äußert sich Lütgendorff über die anderen Familienmitglieder. Diese beschäftigten sich auch vornehmlich mit Gitarrenbau. Drei Gitarren und eine Bassgitarre von Franz F. befinden sich in der Sammlung alter Musikinstrumente in Wien (Inv. Nr. SAM 470–473).


Literatur
Hopfner 1999; Lütgendorff 1975 u. 1990; Ottner 1977; Prochart 1979; H. Haupt in StMw 24 (1960); W. Henley, Universal Dictionary of Violin and Bow Makers 1973. – Archivalien: WStLA, Totenprotokoll 1867, fol. 545; WStLA, Konskriptionsbogen Laimgrube 180, 1805 u. 1830; WStLA, Konskriptionsbogen Gumpendorf 376, 1840, 1843 u. 1851.

Autor(en)
Rudolf Hopfner
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Hopfner, Art. „Feilnreiter (Feilenreiter, Feillnreiter), Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]