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Feldkirchen
Bezirkshauptstadt am nördlichen Rand des Klagenfurter Beckens. Die im 10. Jh. erbaute „Kirche im Feld“, Vorläuferin der heutigen Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt („Maria im Dorn“) gab der Stadt ihren Namen. 1065 erste urkundliche Erwähnung „Veldchiricha“. 1166–1759 bambergischer Besitz, danach Verkauf an die Habsburger. 1176 wurde F. erstmals als Markt bezeichnet. Der steirische Minnesänger Ulrich v. Liechtenstein gastierte 1227 auf seiner angeblichen „Venusfahrt“ in F. 1279 belehnte Bischof Berthold die Söhne Kg. Rudolfs I. v. Habsburg mit der Vogtei über F. 1473–91 wurde F. insgesamt sechs Mal von Ungarn und Türken heimgesucht, geplündert und niedergebrannt, 1537 und 1542 durch Brände fast völlig zerstört. 1809 wurde Oberkärnten einschließlich F. von Napoleon I. annektiert und war bis 1814 Teil des Königreichs Illyrien. 1930 wurde F. zur Stadt erhoben.

Kirchenmusikalisches: Ein Schreiben vom 28.5.1872 berichtet vom Austritt der Lehrer aus dem Chordienst, worauf die drei Brüder Johann, Georg und Mathias Rauter die Dienste übernahmen. Ein weiteres Schreiben vom 11.5.1874 belegt einen Chorregenten mit Namen Mathias Baumer. Der Organist und Oberlehrer Ernst Steiner wird in Schriftstücken vom 5.10.1868 und vom 14.11.1897 genannt, nach ihm übernahm eine Lehrerin, ein gewisses Fräulein Baader, das als kränklich beschrieben wurde, die Stelle. Um 1911 hatte der Lehrer Julius Kraut die Organistenstelle inne. F. Grafenauer errichtete in der Pfarrkirche 1893 die erste pneumatische Orgel Kärntens (II/12).

Schon im 19. Jh. sind Kammermusikensembles in einzelnen Bürgerhäusern belegbar, so in den Familien Blaas, Domenig, Koller u. a. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde im Hause Breschan Streichmusik gespielt. Nach erfolgreichen Aufführungen kam es 1921 zur Gründung des Orchestervereins F. Leiter des Orchesters war der Geiger Josef Kutschera. Ab 1935 leitete Willi Macher das Orchester. Nach einem Hoch in den 1950er Jahren wurde der Orchesterverein 1971 aufgelöst. Die Stadtkapelle F. wurde 1923 gegründet, bereits davor gab es schon eine Bläsergruppe in F. Die sog. Marktkapelle existierte vermutlich bis zum Ersten Weltkrieg. 1921 kam Rudolf Kummerer als Gemeindesekretär nach F. Ihm war es ein Anliegen, wieder eine Musikkapelle zu etablieren. 1923 gründete er den Arbeitermusikverein Harmonie F. (Arbeiter-Musikbewegung). 1934 erfolgte die Umbenennung in Musikverein Stadtkapelle F. 1939 vereinigte sich die Stadtkapelle mit dem Orchesterverein F. und bildete den neuen Verein Stadtkapelle F. Kapellmeister: R. Kummerer (1923–31), Franz Kernberger (1931–45), Willibald Macher (1945–66), Franz Kernberger (1966–68), Johann Dullnig (1968–71), Alois Vierbach (1972–90), Arthur Lanzer (1990–2013), Christian Wastian (seit 2013). 1990 wurde von A. Vierbach der Österreichische Blasmusikwettbewerb in F. initiiert. Seither findet der Wettbewerb alle drei Jahre statt. Teilnehmer sind je ein Orchester aus den österreichischen Bundesländern und Südtirol, von den jeweiligen Landesverbänden nominiert. Der 9. Österreichische Blasmusikwettbewerb wurde 2014 erstmals im Rahmen der Carinthischen Musikakademie Stift Ossiach ausgetragen, das Rahmenprogramm fand in F. statt.

Der Männergesangverein F. wurde 1863 gegründet, Gründer war Eduard Aigner, k. k. Bezirksgerichtsadjunkt, erster Chormeister Alexander Lutschounig, Lehrer. Er schrieb die Melodie zum Vereinsmotto nach den Worten von Dr. Wenger: „Wahrer Mund und reiner Ton ehret Kärntens echten Sohn.“ 1875 ruhte die Vereinstätigkeit aus Mangel an einem Chormeister. Es folgte der Lehrer Ernst Steiner als neuer Chorleiter, eine Neugründung 1883, wieder mit Chormeister Ernst Steiner, lässt auf Schwierigkeiten schließen. 1890 trat der Verein dem Kärntner Sängerbund bei. 1894–1921 war Volksschuldirektor Georg Straßer (* 5.5.1858 Klagenfurt, † 1.2.1927 F.) Chormeister des MGV F. Straßer regte im Jahre 1896 die Gründung eines Vereinsorchesters an, dem er als Dirigent vorstand und mit dem er reichhaltige Programme mit Chor und Orchester, Streichquartett und -quintett aufführte. Das Kärntnerlied lag ihm sehr am Herzen. 1903 gründete er das erste Kärntner Lehrer-Quintett mit den Mitgliedern Josef Edlinger, Andreas Asenbauer, L. Hofer, G. Straßer und Alfred Eisenhut. Auch der MGV hatte ein Quintett, bestehend aus Edlinger, Wilfan, Da Lago, Straßer und Stopper. Volkschuldirektor Josef Edlinger (* 7.3.1880 Gradenegg, † 19.5.1936 F.) trat 1905 als Tenor dem MGV bei. Bekannt als „Kärntner Nachtigall“ galt er als Kärntens bester Sänger seiner Zeit. Chorleiter des MGV waren A. Lutschounig (1863–64), Ch. Dragatin (1864), J. Maier (nur genannt), E. Steiner (1875–86), Rudolf Massatti (1886–90), E. Steiner (1890–92), F. Kohlweg (1892–93), G. Straßer (1893–1921), Hans Knappinger (1921–1952), Alfred Neidhart (1952–71), Erich Londer (1971–86), Dieter Hardt-Stremayr (1986–2000), Wilfried Obersteiner (2000–14), Siegmund Dorfer (seit 2014). 2013 wurde dem Verein die Walther-von-der-Vogelweide-Medaille in Silber verliehen.

1956 wurde der F.er Singgemeinschaft-Volksliedchor unter Obmann Robert Fischer und Chorleiter Josef Prugger gegründet. Dem Chor gehörten auch ein Männerquintett, ein gemischtes Quartett, eine Zither- und Gitarrengruppe an. Unstimmigkeiten führten 1958 zur Spaltung des Chores und Gründung des A-cappella-Chors F. in Kärnten unter Obmann Josef Gruber und Chorleiter Robert Gitschthaler. Chorleiter/-innen der Singgemeinschaft: J. Prugger (1956–58), David Pließnig und R. Gitschtaler (1958), J. Prugger (1959–65), Josef Stotter (1965–95), Anna Wresnik (1995–2010), Carla Proprentner und J. und Karin Stotter (2010/11), Renate Altmann (seit 2011). J. Stotter war 1993 gemeinsam mit dem Kärntner Sängerbund Initiator des 1. Kärntner Chorwettbewerbs, der in F. ausgetragen wurde. R. Altmann begründete 2011 den „Advent an der Tiebel“, der seither jährlich ausgetragen wird.

Der Bamberger Amthof wurde 1427 als „turm zu Veltkirchen“ erstmals erwähnt. Das heutige Erscheinungsbild stammt größtenteils aus der 2. H. des 16. Jh.s. Nachdem das Gebäude im 20. Jh. als Mietshaus und Altenheim verwendet worden war, kaufte es 1984 die Stadtgemeinde. 1991–93 wurde es restauriert und revitalisiert, wobei darauf geachtet wurde, das mittelalterliche Ambiente zu erhalten. Heute ist er kulturelles Zentrum der Stadt und beherbergt neben der MSch. (1973 gegründet) Proberäume für Vereine sowie Seminarräume. Im Festsaal und Innenhof finden regelmäßig Konzerte und andere kulturelle Ereignisse statt. Das kultur forum amthof entstand 1993 aus dem Arbeitskreis Kultur des Stadtmarketings als Freie Akademie F. Von der Stadt beauftragt, werden durchschnittlich 60 Veranstaltungen pro Jahr im Amthof und im Bereich F. geplant, koordiniert und durchgeführt. Die Stadtgemeinde F. veranstaltet in Zusammenarbeit mit der MSch. und dem kultur forum amthof seit 1998 die Internationale Musikakademie F. 1996 rief das kultur forum amthof das erste Festival für Alte Musik in Kärnten ins Leben. Seither wurden 62 Konzerte organisiert. 2015 musste es aufgrund der Finanzlage des Landes Kärntens erstmals ausfallen. D. Kaufmann komponierte zum 50-jährigen Jubiläum der Stadt F. den Marsch Tuten und Blasen und für die Eröffnung des Amthofes 1993 eine F.er Fanfare. J. K. Metzger verbrachte seinen Lebensabend in F., wo er auch starb.


Literatur
F. in Kärnten. Eine Stadtchronik aus Anlass „Fünfundsiebzig Jahre Stadt“ 22004; Fs. zur 100-Jahr-Feier des Männergesangsvereines F. 1963; G. Neckheim, F. Ein geschichtlicher Überblick 1959; A. Vierbach in Das Kärntner Grenzlandjahrbuch 1996; W. Wadl in Carinthia I 188 (1998); W. Puff, 150 Jahre Männergesangsverein F. (www.fepress.com, 7/2015); http://acappellachorfeldkirchen.jimdo.com (7/2015); www.blasmusikwettbewerb.at (7/2015); www.burgen-austria.com (7/2015); www.feldkirchen.at (7/2015); www.kleinezeitung.at (7/2015); www.kultur-forum-amthof.at/ (7/2015); www.musikakademie-feldkirchen.at (7/2015); www.pfarre-feldkirchen.at (7/2015); www.stadtkapelle-feldkirchen.at (7/2015); Archiv der Diözese Gurk (APA Feldkirchen/XIII/3/Organist); Kärntner Landesarchiv, SID Vereinsakten Sch. 13, Fasz. 485 „Stadtkapelle F.“; Chronik Volksliedchor F.(Vereinsbesitz, geführt von Barbara Kropfitsch).

Autor(en)
Maria Streit
Empfohlene Zitierweise
Maria Streit, Art. „Feldkirchen‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 11/08/2015]