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Feldmusik
Spezielle Soldatenmusik. Im Zuge kriegstechnischer Reformen zur Zeit Kaiser Maximilians I. erfolgte die Heeresgliederung nach Regimentern, wobei Trompeter und Heerpauker den Reitern und die aus Pfeifern und Trommlern bestehenden „Feldspiele“ den Fußtruppen zugeordnet wurden. In den folgenden Jh.en entwickelte sich daraus die F., die bis an die Wende vom 18. zum 19. Jh. in unterschiedlichen dienstlichen und unterhaltsamen Verwendungen innerhalb militärischer Formationen in Erscheinung treten konnte. Das bedeutete: Neben den Signalen, die den Tagesablauf am Kasernenhof regelten und die die Kommunikation zwischen Befehlshabern und einzelnen Truppenteilen sowie den Gleichschritt marschierender Fußtruppen ermöglichten, erschien im Repertoire der F.en, bis zum ausgehenden 18. Jh. hin in steigendem Maß Zeremonial- ebenso wie Unterhaltungs- und Tanzmusik. In Friedenszeiten wurde die F. in die adelige Hofhaltung und in das Leben in den Garnisonen integriert, wobei das musikalische Repertoire die in den jeweiligen Gesellschaftsschichten jeweils herrschenden Moden widerspiegelte. Solche Bläser-Ensembles bestanden in der beginnenden Barockzeit aus Schalmeien, Bomharden und Posaunen. Instrumente, die zur Zeit des Hochbarock durch Oboen, Fagotte und Hörner ersetzt wurden. Die Dominanz des Oboenklanges führte dazu, dass nach dem Vorbild der privaten Zwölf-Mann-Kapelle Ludwigs XIV., „Les Grands Hautbois“, die Bezeichnung „Hautboisten“ für alle Militärmusiker, aber auch für die adeligen Hof-Bläserensembles üblich wurde. Charakteristisch dafür sind Johann Philipp Kriegers Lustige Feld-Music. Auf vier blasende oder andere Instrumenta gerichtet (Nürnberg 1704), die im Umkreis der einschlägigen Kompositionen Johann Sigismund Kussers (1682), G. Muffats (1695 und 1698) und B. A. Aufschnaiters (1695) und damit in der Tradition der französischen Ouvertüren-Suiten Jean Baptiste Lullys stehen. Aber auch der Einfluss der nördlich der Alpen verweltlichten italienischen Kirchenmusikformen, der Intrada, der Aria, der Canzone, der Sinfonia, der Sonate und des Konzerts, ist erkennbar. Georg Muffat führt in den Exquisitioris harmoniae instrumentalis (Passau 1701) ausdrücklich an, dass die Konzerte weder für die Kirche noch zum Tanz sich eignen würden, sondern ausschließlich zur „Ohren-Ergötzlichkeit“ komponiert seien. In Österreich endet diese Entwicklung bei den Divertimenti des J. J. Fux-Schülers G. Chr. Wagenseil und bei J. Haydns 1759–61 entstandenen Divertimenti für je zwei Oboen, Hörner und Fagotte.

Damit ist zugleich der Zeitpunkt erreicht, in dem die Bezeichnung F. ihren Sinn verloren hat und aufgegeben wird, weil sie sich im Verlauf der 2. Hälfte des 18. Jh.s mit neueren Bezeichnungen, wie „Harmoniemusik, Hautboisten“ oder „Türkische Musik/Türkische Banda/Janitscharenmusik“ zu vermischen beginnt, die ihrerseits die Grundlage des neu entstehenden Blasorchesters bilden sollten. Der Unterschied zwischen den genannten Gruppierungen bezog sich v. a. auf die gespielte Literatur, nicht auf die Art der Ausführung dieser Literatur. Diese Situation der „unscharfen“ Ensemble-Benennungen wird aus einem 1796 erschienen Bericht im Jahrbuch der Tonkunst für Wien und Prag deutlich: „Die Militärmusik ist entweder die gewöhnliche F., oder die türkische Musik. Die F., oder sogenannte Harmonie, welche man auch Bande nennt, besteht aus zwei Waldhörnern, zwei Fagotten und zwei Oboen; diese Instrumente kommen auch bei der türkischen Musik vor, wozu aber noch zwei Klarinetten, eine Trompete, ein Triangel, eine Oktavflöte und eine sehr große Trommel und ein Paar Cinellen gehören. Beim Aufziehen der Burgwache und der Hauptwache hört man die F. Die türkische Musik wird in den Sommermonaten Abends bei schönem Wetter vor den Kasernen, bisweilen auch vor der Hauptwache gegeben“. In künstlerisch stilisierter Form lebt die F. nach dem Vorbild der kaiserlichen Kammerharmonie Josephs II. als aristokratische „Harmoniemusik“, aber auch als „türkische Banda“ weiter, deren Musiker in Friedenszeiten je nach Größe der Hofhaltung auch Signal- und Jagdmusik erledigen konnten (bezeichnend dafür die Situation bei den Fürsten Liechtenstein). Für die neue Militärmusik aber wird in Österreich bereits 1806 die Stärke der Regimentsmusik der Infanterie mit 48 Musikern angegeben.


Literatur
D. Altenburg in Alta Musica (1976); Z. Barcy/P. Karch, Hangászok – Hangszerek – Hangjegyek [Trompetensignale und Trommelstreiche in der österreichisch-ungarischen Armee und Kriegsmarine (1629–1918)] 1985 (mit dt. Zusammenfassung); W. Braun in W. Salmen (Hg.), Der Sozialstatus des Berufsmusikers vom 17. bis 19. Jh. 1971; F. Deisenroth, Deutsche Militärmusik in fünf Jh.en 1961; F. Deisenroth in Jahresbericht des Maristenkollegs Mindelheim 1977/78, 1978; G. Duthaler in Alta Musica 4 (1979); A. Hofer, Studien zur Geschichte des Militärmarsches 1988; P. C. Marten, Die Musik der Spielleute des altpreussischen Heeres 1976; G. Mössner in W. Salmen (Hg.), [Kgr.-Ber.] Musik und Tanz zur Zeit Kaiser Maximilians I. Innsbruck 1989, 1992; R. Müller/M. Lachmann, Spielmann – Trompeter – Hoboist 1988; J. Pöschl, Jagdmusik 1997; J. F. v. Schönfeld, Jb. der Tonkunst für Wien und Prag 1796; H. Stekl in HaydnJb 10 (1978); W. Suppan in M. Fink et al. (Hg.), [Fs.] W. Salmen 1991; W. Suppan in R. Schumacher (Hg.), [Fs.] J. Kuckertz 1992; D. Whitwell, The History and Literature of the Wind Band and Wind Ensemble 1982–91; D. Whitwell in Mitteilungsbl. d. Internat. Ges. zur Erforschung u. Förderung d. Blasmusik 19 (1986).

Autor(en)
Wolfgang Suppan †
Empfohlene Zitierweise
Wolfgang Suppan †, Art. „Feldmusik‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]