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FeldtleFeldtletrue (versch. Schreibweisen), Familie
Lauten- und Geigenmacher. Folgende Schreibweisen sind für die Mitglieder der aus dem Füssener Raum stammenden Familie außerdem anzutreffen: Feldt, Feldtlin, Feltl, Feltle, Veldtlin, Veltel und Veltl.

Magnus: * ca. 1612 Hohenschwangau/D?, † 27.11.1666 Wien. Ausgehend von Schaal, der irrtümlicherweise das Todesdatum mit 1678 angibt, wurden in der Literatur wiederholt falsche Lebensdaten mitgeteilt. Die Eintragung im Totenprotokoll vom 27.11.1666 besagt: „Magnus Feltlin, Hoflautenmacher, in den Dollischen Erben Haus, am Khollm:[arkt] ist an der Dörr bscht. [beschaut] alt 54 Jahr“. Das Todesjahr wird darüber hinaus durch weitere Fakten belegt. Nach Layer soll er von Georg F. und dessen Gattin Magdalena, geb. Strauß, abstammen und in Hohenschwangau geboren sein. In Wien ist er ab dem 15.08.1645 nachweisbar. Er heiratete an diesem Tag Maria Magdalena, die Tochter des 1644 verstorbenen Hoflautenmachers Thomas Epp. In den Heiratsmatrikeln von St. Stephan wird F. bereits als Hoflautenmacher bezeichnet. Laut Malecek soll er zu dieser Zeit am Kohlmarkt tätig gewesen sein. Den offiziellen Hoftitel erhielt F. erst 1649. Die bei Haupt publizierten Archivalien belegen eine regelmäßige Besoldung in der Höhe von monatlich 22 fl. ab diesem Jahr. Eine Erhöhung auf 25 fl. erfolgte ab 1650, zusätzlich sind Sonderausgaben für gelieferte Instrumente belegt. In einer bei Knaus publizierte Eingabe von 1656 ersucht er um eine Erhöhung des Salärs um 5 fl. Feldtle gibt an, dass er „albereit in die 12 Jahr diene“ und „auch in dißer Zeit grosße khrankheiten außgestanden“ habe. Dem Ersuchen wurde statt gegeben. Die angespannte finanzielle Situation spiegelt sich auch in den Steuerbüchern dieser Jahre wider. F. zahlte die jährlich fällige Abgabe bis 1659 pünktlich. Ab spätestens 1665 war er in Verzug und es hatte sich bis dahin ein Rückstand von 10 Pfund addiert, der bei seinem Tod auf 18 P. angewachsen war. Auch die Erben beglichen die Schuld nicht, die bis 1679 fortgeschrieben wurde. Ein weiterer archivalischer Hinweis ergibt sich aus dem Totenprotokoll, das am 6.6.1655 den Tod des Sohnes Bitulinus (?) vermerkt, der im Alter von neun Wochen an den Fraisen starb. Im September 1666, also wenige Wochen vor seinem Tod, scheint Feldtle als Trauzeuge im Aufgebot des Geigenmachers Johann Khögl mit Maria Lankl in der Pfarre St. Stephan auf. Die Hochzeit fand allerdings erst 1668 statt. F.s Nachfolger im Hofdienst wurde sein Schüler Jacob Precheisen. F.s finanzielle Situation dürfte nicht zuletzt auf die schleppend erfolgten Zahlungen des Hofes zurückzuführen sein. Seine Witwe erhielt im Dezember 1666 einen Besoldungsrückstand von 1.015 fl. ausbezahlt. Troztdem befanden sich Witwe und Erben lt. einer Eingabe bei Hof „in armsselligen standt“. Sie erhielten in den folgenden Jahren eine Gnadenabfertigung von jährlich 150 fl.

Die hohe Qualität von F.s Arbeit lässt sich v. a. an zwei in London bzw. Wien aufbewahrten Barytons aus den Jahren 1647 bzw. 1656 beurteilen (London, Royal College of Music, RMC 204, Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, Inv. Nr. I. N. 44). Das Korpus des Wiener Instruments besteht mit Ausnahme der Decke zur Gänze aus dem seltenen und schwer zu verarbeitenden Eibenholz. Sein Sohn

Thomas: * ca. 1626 (?), † 4.1.1679 Wien. Die Angaben der Lebensdaten von M. und Th. F. gehen auf die Eintragungen in den Wiener Totenprotokollen zurück. Allerdings ergibt sich bei den Geburtsjahren eine Diskrepanz, die vermutlich auf fehlerhafte Altersangabe beim Zeitpunkt des Todes zurückzuführen ist. Nach Bletschacher soll er in Füssen geboren und in jungen Jahren nach Wien gezogen sein. Danach dürfte er nach Füssen zurückgekehrt sein, da er dort am 6.5.1669 die Witwe Anna Schwarz aus Faulenbach ehelichte. Das Wiener Bürgerrecht erlangte er am 30.6.1676. In diesem Jahr werden in Füssen seine Schulden erwähnt. Die Klosterherrschaft in St. Mang in Füssen fertigt ihm und seiner Familie am 1.8.1676 einen Freibrief aus. In den Wiener Steuerbüchern sind Abgaben für die Jahre 1677 und 1678 belegt. Der erwähnte mehrjährige Aufenthalt außerhalb Wiens wird in einer Eingabe vom 29.11.1677 angesprochen, die F. an den Kaiserhof richtete. Um die frei gewordenen Stelle des Hoflautenmachers bewarben sich außer F. noch Johann Häringer und der Instrumentendiener Johann Baptist Schnutz. Knaus zitiert: „Thomas Veltel, des gewesten Hoff Lauttenmachers Magni Veltels sohn, mit anführung seines Vatters 26.iariger Dienste, undt daß er bey seiner abreyse in die frembde zu ausübung seiner Lauttenmacher Kunst, durch den Capellmeister Felice Sances, auf den Dienst vertröstet worden; Ietzo lebet er mit weib und Kindt in höchster Dürfftigkeit, daferne auch der Dienst nicht ersetzet würde, suchet er eine Trabanten stelle.“ F. und ein Teil seiner Familie fiel der 1678/79 in Wien wütenden Pest zum Opfer. Im Totenprotokoll wird verharmlosend von „hizigen Fieber“ gesprochen. Seine Gattin Anna starb am 30.12.1678 im Alter von 49 Jahren. Am 4.1.1679 ist vermerkt: „Thomas Veltl, Bürger, Lauttenmacher, in der Maria Schopfin Wittib Hauß, in der Leopoldstadt, alt 53 J. dann auch sein Kind Eva alt 10 J. seyndt bede an hizigen Fieber bscht. worden.“ Arbeiten von Th. F. sind derzeit nicht bekannt.

Nach Bletschacher sei auch der in Füssen nachweisbare Georg F. (* ca. 1600, † 24.5.1674) im Jahr 1654 in Wien tätig gewesen.

Hans: * ? Füssen, † 16.12.1659 Graz. Federhofer berichtet über diesen in Graz ansässigen Geigenbauer, dass er der Sohn des in Füssen ansässigen Johannes Felt war. Am 3.6.1641 ehelichte er in Graz Lucia Seidl († 1659). Weiters wird er 1651 bei der Hochzeit des Lautenmachers Michael Höß als Beistand genannt. Er war Bürger und hatte seinen Wohnsitz „auf der Lendt“. Nach dem Tod seiner ersten Frau verheiratete er sich am 3.11.1659 neuerlich, der Name der Braut war Eva Rosina Pucher. Nach seinem Tod verheiratete sich seine Witwe am 26.9.1660 mit dem aus Leibnitz stammenden Geigenmacher Georg Haas, der auch Werkstättennachfolger F.s wurde.


Literatur
Lütgendorff 1975 u. 1990; Knaus 1967 u. 1968; R. Bletschacher, Die Lauten- und Geigenmacher des Füssener Landes 1978; H. Federhofer 1996; H. Haupt in Jb. der kunsthistorischen Slgn. in Wien 75 (1979), Reg. 297, 316, 404, 650, 680, 782, 914, 997, 76 (1980), Reg. 1062, 1174, 1340 u. 79 (1983), Reg. 1757, 1868, 2090, 2215, 2479, 2653, 2802; A. Layer, Die Allgäuer Lauten- und Geigenmacher 1978; A. Malecek in Jb. des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 5/6 (1947); Quellen zur Geschichte der Stadt Wien 16 (1895–1921), Reg. 6695, 6861, 10760; R. Schaal in StMw 26 (1964). – Archivalien: WStLA, Totenprotokoll 1655, fol 103v; WStLA, Totenprotokoll 1664–66, fol. 319; WStLA, Totenprotokoll 1678/79, fol. 112; WStLA, Totenprotokoll 1678/79, fol. 114; WStLA, Unbehaustes Buch der Jahre 1655–59, 1665–69, 1675–1679.

Autor(en)
Rudolf Hopfner
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Hopfner, Art. „Feldtle (versch. Schreibweisen), Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 26/11/2001]