Logo IKM
OeML Schriftzug
Logo OeML
Logo Verlag

Forkel, Forkel, true Johann Nikolaus
* 1749 -02-2222.2.1749 Meeder bei Coburg/D, 1818 -03-2020.3.1818 Göttingen/D. Musikforscher. Ab 1766 im Schulchor der Johannisschule in Lüneburg; 1767 Präfekt am Domchor von Schwerin; Stipendium für Univ. in Göttingen (1769 immatrikuliert, besuchte Vorlesungen in Recht, Mathematik und Philosophie); 1770 Organist der Univ.skirche; ab 1772 Privatvorlesungen über Musik, 1779 Univ.s-Musikdirektor; reiste 1801 zum Quellenstudium für den zweiten Band seiner Allgemeinen Geschichte der Musik, die den ersten Versuch einer deutschsprachigen, umfassenden Musikgeschichte darstellt, nach Leipzig, Prag und Wien, wo er spätestens zu diesem Zeitpunkt mit J. Sonnleithner zusammentraf, der ihm 1803 die Leitung der Denkmale der musikalischen Kunst (Denkmälerausgaben), einer auf 50 Bände angelegten Sammlung historischer Musik, übertrug. Der von F. vorbereitete und 1803 abgeschickte erste Band konnte nicht gedruckt werden, da ein französischer Offizier während der Besetzung Wiens 1806 die Druckplatten zu Kugeln einschmolz, woraufhin F. das Projekt aufgab. Die beiden erschienenen Bände seiner Allgemeinen Geschichte der Musik behandeln die Musik bis zum 16. Jh. Der dritte, nicht erschienene Band sollte bis in F.s Zeit reichen. Der umfassende Ansatz verbindet ihn mit ähnlichen Versuchen von John Hawkins und Charles Burney. Gleichzeitig zeigt er sich vom universalhistorischen und philosophisch-ästhetischen Denken der Göttinger Univ. beeinflusst. So stellt er dem ersten Band den Versuch einer Metaphysik der Tonkunst voran. Der auf die Musikgeschichte übertragene Fortschrittsgedanke zeigt sein von der Aufklärung bestimmtes Denken und verhindert beispielsweise eine angemessene Beurteilung der Musik der Antike, was von A. W. Ambros kritisiert wurde. Fragen nach dem geschichtlichen Sinn, das Festhalten an der ästhetischen Kategorie des Originalgenies, demonstriert an J. S. Bach, verweisen dagegen in die Frühromantik. 1802 erschien seine bedeutende Bach-Biographie, die er G. v. Swieten in Wien widmete. Zu seinen Schülern zählten einige herausragende Vertreter der romantischen Kunstlehre wie August Wilhelm Schlegel, Wilhelm von Humboldt, Wilhelm Heinrich Wackenroder und Ludwig Tieck. F. gilt als einer der Begründer moderner Musikwissenschaft.
Ehrungen
Ehrendoktorat der Univ. Göttingen 1787.
Schriften
Über die Theorie der Musik 1777; Musikalisch-kritische Bibliothek 1–3 (1778/79); Allgemeine Geschichte der Musik 1 (1788) u. 2 (1801); Geschichte der italiänischen Oper 1789; Allgemeine Litteratur der Musik 1792; Ueber Johann Sebastian Bachs Leben, Kunst und Kunstwerke 1802.
Literatur
NGroveD 9 (2001); Riemann 1 (1959); MGG 6 (2001); MGÖ 2 (1995); H. Edelhoff, J. N. F.: ein Beitrag zur Geschichte der Musikwissenschaft 1935; H. J. Moser, Das musikalische Denkmälerwesen in Deutschland 1952; M. Schneider in [Fs.] R. Frh. v. Liliencron 1910; T. Kneif in Mf 26 (1963); D. Powers, J. N. F.’s Philosophy of Music in the ‚Einleitung’ to Volume One of his ‚Allgemeine Geschichte der Musik’, Diss. North Carolina 1995.

Autor(en)
Barbara Boisits
Empfohlene Zitierweise
Barbara Boisits, Art. „Forkel, Johann Nikolaus‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 05/12/2001]

MEDIEN

GND
Weiterführende Literatur (OBVSG)
GND
Forkel,
Weiterführende Literatur (OBVSG)

ORTE
Orte
LINKS
Bayerisches Musiker-Lexikon Online


Institut für kunst- und musikhistorische Forschungen

Publikationen zur Musikforschung im Verlag