Logo IKM
OeML Schriftzug
Logo OeML
Logo Verlag

Franziskaner
Geistlicher Orden, 1209 durch Franz von Assisi (1182–1226) gegründet und 1223 durch Papst Honorius III. (1216–27) bestätigt; besteht aus drei Zweigen der Minderbrüder (F., Minoriten, Kapuziner), den Klarissinnen und den Tertiariern. Musikalisch relevant sind nur die drei Zweige der Minderbrüder, wobei sich die F. und Kapuziner mehr dem religiösen Lied und einer sehr schlichten musikalischen Gestaltung der Kirchenmusik widmeten und die Minoriten mit allen Bereichen der Musik beschäftigten. Erste F.-Konvente entstanden ab 1219, das älteste österreichische F.-Kloster wurde um 1230 (urkundlich 1234) in Wien gegründet. Heute gibt es die Provinzialate Wien (für Wien, Niederösterreich, Steiermark, Burgenland) und Innsbruck (für Tirol, Salzburg, Oberösterreich, Kärnten).

Der Mittelpunkt der Musik im Gottesdienst war bis ins 19. Jh. der einstimmige Choral, der sich am Ritus der römischen Kirche orientierte und in einer eigenen Tradition als F.-Choral entwickelte. Seit dem 16. Jh. lässt sich auch mehrstimmiges Musizieren nachweisen. Eine besondere Vorliebe bestand für das Kirchenlied in der Volkssprache. Für die theoretische und praktische Ausbildung der Ordensmusiker bzw. Ordenskantoren gab es schon bald eigene MSch.n.

Die Orgel wurde in ihren Klöstern nachweislich erst seit etwa 1600 verbreitet und eingesetzt. Meistens war der erste Organist ein Mitglied des Konventes, dem Mitbrüder oder auch Laien zur Seite standen. Ab dem 18. Jh. wurden für das Organisten- und Regens chori-Amt vermehrt Laien herangezogen, im 19. Jh. übernahm es vollständig der Schulmeister. Infolgedessen wurde die Ordensmusik immer mehr von den geistlichen Kompositionen weltlicher Musiker ersetzt.

Für die klostereigenen Kompositionen, die von Ordensangehörigen angefertigt wurden, standen oft nur geringe Mittel zur Verfügung. Daher entwickelte sich eine spezielle Art der Gebrauchsmusik (Orgel mit kleiner Gruppe von Sängerknaben und einigen Männerstimmen), die als F.-Musik in die Musikgeschichte einging (Franziskanermesse), in P. Singer ihren bedeutendsten Repräsentanten hatte und unter dessen Schüler P. A. Niedrist ihre letzte Blüte erlebte. Weitere Schüler Singers: G. Niederstetter, P. Hartmann v. An der Lan-Hochbrunn.




Österreichische Komponisten dieses Ordens sind v. a.: B. Amon, P. C. Anreither, Gerold Cathan (1707–36), A. Cesti, A. Damian, B. Engl, E. Faller, D. Finsterberger A. Giessel, Anselmo Gruber (1739–1806), M. Hauser, Qu. Himmer, Caecilian Huigens (1878–1966), Marcianus Klapper (1748–1820), J. J. Kliebenschädl, O. Krautschneider, I. Mohr, I. Müller, G. Negele, Franz Niedermaier (ca. 1656–1727), Eduard Panholzer (1628–90), G. Pichler, B. Planz, Angelo Predieri (1655–1731), Aeg. Schenkh, Basilius Schwarz (1777–1863), Bernardin Sokol (* 1888), Polykarp Szabo (* 1894), Angelus Tschortsch (1676–1740), Tiburtius Walter (* 1738), Marzellus Weitenhofer (1707–41), Alexander Widmann (ca. 1654–1718), G. M. Zahlfleisch und M. Zieglauer.


Literatur
MGG 3 (1995); A. M. Klafsky in Musica Divina 9 (1921); P. Ä. Födinger in Spiritus et Vita Fratrum Minorum 7/3 (1927); P. Ä. Födinger in Spiritus et Vita Fratrum Minorum 16/1 (1937); E. Tittel, Österreichische Kirchenmusik 1961; F. Grasemann, Die franziskanische Messenkomposition im 17. und 18. Jh. Gezeigt an dem Notenbestand des Maria Enzersdorfer Klosterarchivs, Diss. Wien 1963.

Autor(en)
Martin Czernin
Empfohlene Zitierweise
Martin Czernin, Art. „Franziskaner‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]