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Freihaustheater auf der Wieden
Wiener Vorstadttheater (IV, Wiedner Hauptstraße/Margarethenstraße/Operngasse). Das Grundstück wurde 1647 als Freigut Conrad Balthasar Graf Starhemberg übergeben, die Bezeichnung „Freihaus“ ist 1703 erstmals nachweisbar (Steuerfreiheit). Nach zahlreichen Bränden und mehrmaligem Wiederaufbau war das ausgedehnte Gebäude Ende des 18. Jh.s das größte Privatmiethaus Wiens. Am 20.2.1787 suchte der Schauspieler und Prinzipal Christian Roßbach (1756–93) um Baugenehmigung für ein Theater (Grundfläche: 30 x 15 m) nach Plänen des Landschaftsbaumeisters Andreas Zach (1736–97) auf dem Areal des Freihauses an, das er am 14.10. desselben Jahres eröffnen konnte. Der Theaterdichter und Lokalschriftsteller Johann Friedel (1755–89) führte das Theater dann 1788/89 gemeinsam mit seiner Gesellschafterin El. Schikaneder, die es anschließend mit ihrem Mann Em. Schikaneder übernahm (Eröffnung am 12.7.1789 mit der komischen Oper Der dumme Anton im Gebürge oder Die zween Anton, M: B. Schack, F. X. Gerl). Financier war 1789–92 Josef Edler von Bauernfeld, ein Verwandter des Lustspieldichters E. v. Bauernfeld. 1790 dürfte der Bau eines neuen, weitaus größeren Theaters (wiederum nach einem Plan von A. Zach) an den finanziellen Mitteln gescheitert sein, 1794 erfolgte jedoch eine Erweiterung des bestehenden Gebäudes um eine dritte Galerie. Am 30.9.1791 wurde im F. W. A. Mozarts Zauberflöte uraufgeführt. 1799 übernahm B. Zitterbarth das Theater „samt allen darauf haftenden Schulden“, Schikaneder blieb weiterhin Direktor. Zitterbarth erwarb ein benachbartes Grundstück, auf dem er das Theater an der Wien bauen ließ, dessen Leitung Schikaneder 1801 übernahm. Auf dem Spielplan des F. standen neben Lust-, Trauerspielen und Balletten v. a. komische Opern von C. Ditters v. Dittersdorf, G. Paisiello, F. X. Gerl und P. Wranitzky sowie Zauberpossen, Harlekinaden und Maschinenkomöden. Die Zauberflöte erlebte insgesamt 223 Aufführungen, 1792 wurden auch Mozarts Don Giovanni und Hochzeit des Figaro aufgeführt. Zu den größten Erfolgen zählten weiters komische Opern nach Texten von Schikaneder: Die Waldmänner (M: J. B. Henneberg, 1793), Der Spiegel von Arkadien (M: F. X. Süßmayer 1794), Der Tiroler Wastl (M: J. H. Haibel, 1796) und Babylons Pyramiden (M: A. Gallus-Mederitsch und P. Winter, 1797). Daneben gab es auch zahlreiche musikalische Akademien. Am 12.6.1801 fand die letzte Aufführung im F. statt, am 13.6.1801 wurde das Theater an der Wien eröffnet; das F. wurde geräumt und zu Wohnungen umgebaut. Die Demolierung des Freihauses begann 1913 und wurde Mitte der 1930er Jahre forciert; die letzten Gebäudeteile fielen erst um 1970.
Gedenkstätten
Gedenktafel Operngasse 25 (Wien IV).
Literatur
M. Lorenz in Wr. Geschichtsbll. 63/4 (2008); O. E. Deutsch, Das F. 1937; E. Spiesberger, Das Freihaus 1980; Czeike 2 (1993); Hadamowsky 1988; P. Tomek, Die Musik an den Wr. Vorstadttheatern 1776–1825, 1989; T. Krzeszowiak in Prospect (Mai 2001); E. Lampl, Die Oper auf den Wr. Vorstadtbühnen 1776–1865, Diss. Wien 1987; St. Punderlitschek, Das Freihaus-Theater auf der Wieden. Das Tagebuch von Ignaz Ritter v. Seyfried 1795 bis 12. Juni 1801, Dipl.arb. Wien 1997.

Autor(en)
Andrea Harrandt
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Andrea Harrandt/Christian Fastl, Art. „Freihaustheater auf der Wieden‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 23/05/2018]