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Frühchristliche Musik
Die Christianisierung der heute österreichischen Gebiete erfolgte schon relativ früh (Märtyrertod des Hl. Florian im Jahre 304 St. Florian; größtes frühchristlichen Pilgerzentrum des Alpenraums auf dem Hemmaberg/K, ab 5. Jh.). Mangels direkter Quellen sind Aussagen über die Musik jedoch nur sehr bedingt und kaum über das Allgemeine (dass die Christen zwar ihren aus dem Tempel übernommenen Gesang überallhin mitgenommen, aber auch jeweils die vorgefundene Musik toleriert hätten) hinaus möglich. Archäologische Zeugnisse (z. B. Kirchen mit sog. Priesterbänken, s. Abb.) belegen, dass es schon im 4./5. Jh. verschiedene kirchliche Ämter gab und der Vortrag der liturgischen Texte nicht nur ein einfaches Vorlesen bedeutete. Dass der in der wichtigsten Quelle, der Vita des Hl. Severin (ca. 511) genannte cantor Moderatus als Musiker im engeren Sinn anzusehen sei, ist allerdings zu bezweifeln (eher war er eine Art Vorsänger, der quasi-monastisch lebte). Immerhin wird belegt, dass es hier mehrere klösterliche Niederlassungen gab, anfangs wohl eher lose Gemeinschaften, v. a. von Laien, ohne schriftlich fixierte Regeln, jedoch offenbar mit gewissen Hierarchien und Gewohnheiten, gruppiert um einen Meister. Sind hier orientalische Vorbilder unverkennbar, kann dasselbe von der Liturgie angenommen werden (besonders Gebetsgottesdienste, monastische Einflüsse). Die Severins-Vita scheint allerdings anderes zu schildern: der mehrmals erwähnte Psalmengesang, der zu Beginn der Nacht „üblich“ gewesen sei, könnte zwar auf Luzernarien verweisen, v. a. aber auf volkstümliche Psalmvigilien, die, aus dem Osten kommend, um 385 auch in Mailand belegt sind. Der Psalmvortrag erfolgte offenbar als sog. antiphonische oder Chorpsalmodie (ein Psalm wird angestimmt und dann von zwei abwechselnden Gruppen nach bestimmten einfachen Formeln gesungen). Die dabei ebenfalls erwähnte gelegentliche Mitwirkung des „Volks“ wird über Kehrreime und Antworten (Amen- und Alleluja-Rufe, sog. kleine Doxologie) kaum hinausgegangen sein, doch gilt dies zu Unrecht als typisch arianisch. Offen bleibt, wie die nicht-Erwähnung von Hymnen zu interpretieren ist (ev. als Abgrenzung von den nördlich der Donau lebenden Rugiern, denen als Arianern eine bes. Vorliebe für Hymnen nachgesagt wird). Für eine frühe Rezeption der Hymnen des Mailänder Bischofs Ambrosius († 397) fehlen, obwohl sämtliche Missionierungen vorerst aus südlichen Richtungen erfolgten, jegliche Anhaltspunkte. Aber auch nachdem sie (ab dem 8. Jh.) aus dem Westen kamen, scheint in unseren Gebieten die Offenheit für neue musikalische Gattungen (z. B. Conductus, Sequenz) nur langsam zugenommen zu haben.
Literatur
MGG 3 (1995); Flotzinger 1988; J. Angerer in MGÖ 1 (1995); Eugippius, Vita Sancti Severini [div. Ausgaben]; F. Glaser, Frühes Christentum im Alpenraum 1997.

Autor(en)
Rudolf Flotzinger
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Flotzinger, Art. „Frühchristliche Musik‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]