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Futurismus
Avantgarde-Bewegung des frühen 20. Jh.s. Deren besondere Verherrlichung der modernen Maschinen sollte in Italien (1. futuristisches Manifest von Filippo Tommaso Marinetti 1909) und Russland auch ziemlich folgerichtig in die dort entstehenden totalitären Systeme münden. Dass derF. in Österreich in diesem Sinne keine besondere Bedeutung erlangte, dürfte hauptsächlich darin gelegen sein, dass er durch den „Versuch einer Aufhebung der Trennung zwischen Kunst und Lebenspraxis“ gekennzeichnet war, während – um nur von diesem Bereich zu sprechen – die meisten österreichischen Komponisten dieser Zeit an der Musik als Kunstform (Ästhetik) festhielten, insbesondere A. Schönberg und sein Kreis, nicht jedoch J. M. Hauer (inwieweit er, F. H. Klein oder Max Brand vom F. beeinflusst gewesen sein könnten, ist offen). Der Aspekt „Zukunft“ wurde, wie allgemein in der zeitgenössischen Kunstdiskussion (H. Bahr), von allen in anderer Weise bes. reflektiert: z. B. durch die Zweite Wiener Schule und Hauer als Hoffnung auf allgemeine Durchsetzung ihrer Zwölftonprinzipien, durch Schönberg als musikalischer Fortschritt und besondere Betonung der Neuheit, F. Busoni als gedankliche Vorausnahme von Mikrointervallen und der elektronischen Musik. Die frühe, jedoch vorübergehende Bezeichnung Schönbergs als „Futuristen“ ist polemischer Natur.
Literatur
Flotzinger in G. Wunberg/D. A. Binder (Hg.), [Fs.] M. Csáky 1996; F. Busoni in Von der Einheit der Musik 1922, 184–188; O. Kolleritsch (Hg.), Der musikalische Futurismus 1976; H. Schmidt-Bergmann (Hg.), Futurismus, Geschichte, Ästhetik, Dokumente 1993; R. Grimm/J. Hermand (Hg.), Faschismus und Avantgarde 1980.

Autor(en)
Rudolf Flotzinger
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Flotzinger, Art. „Futurismus‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]