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Gänsbacher, Gänsbacher, Johann Baptist Familie
Johann Baptist Peter Joseph: * 1778 -05-088.5.1778 Sterzing/Südtirol (Vipiteno/I), 1844 -07-1313.7.1844 Wien. Komponist, Dirigent, Tiroler Freiheitskämpfer. Sohn des Sterzinger Pfarrchorregenten Johann G. (1751–1806), Sängerknabe und Musikunterricht in Innsbruck, Hall i. T. und Bozen. 1795–1801 Philosophie- und Jusstudium an der Univ. Innsbruck, ab 1796 Leutnant und Hauptmann in Feldzügen gegen Napoleon. 1801 begab er sich nach Wien, erteilte hier Musikunterricht und fand 1803 in der gräflichen Familie Firmian einen großartigen Mäzen. Er komponierte damals bereits Kammermusik und Lieder, war als Improvisator am Klavier geschätzt, doch betrieb er weitere Studien bei Abbé G. J. Vogler und J. G. Albrechtsberger. 1810 nahm er in Darmstadt nochmals Unterricht bei Vogler, begegnete hier C. M. v. Weber und G. Meyerbeer, mit denen ihn in der harmonischen Trias innige Freundschaft verband. 1813 verließ er die Familie Firmian, unter deren Obhut er wiederholt in Böhmen geweilt hatte; es folgte aktiver Militärdienst im Tiroler und oberitalienischen Raum. In Innsbruck reorganisierte er die Militärmusik, dirigierte Kirchenmusik und Konzerte und gehörte zu den Mitbegründern des Innsbrucker Musikvereins 1818. Eine Berufung 1823 als Musikdirektor nach Dresden lehnte er ab, verließ seine 1823/24 innegehabte Stellung als provisorischer Direktor des Innsbrucker Musikvereins und trat im November 1824 als Nachfolger J. Preindls das Amt des Domkapellmeisters in Wien an.

G. komponierte v. a. Kirchenmusik, manches Werk aus der Frühzeit hat er später umgearbeitet (s. Tbsp.). Stringente formale Disposition, kompakte Instrumentierung und gediegener Kontrapunkt sind wohl der Schule Albrechtsbergers, harmonische und melodische Kühnheiten oder tonpoetische Effekte dagegen der Lehrzeit bei Vogler zuzuschreiben. Mit den Tiroler Schützenfreuden (1824, s. Tbsp.) schuf G. ein frühes Beispiel Symphonischer Dichtung. Auch die Werkgattung Divertimento hat er mit seinen groß angelegten Divertissements für Klavier vierhändig innovativ bereichert.


Tondokumente
TD: Ersteinspielungen von mehr als 40 geistlichen und weltlichen Werken sind auf CDs des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum ediert (s. Tbsp.e).
Gedenkstätten
G.gasse (Wien III bzw. XI); Ehrengrab Wr. Zentralfriedhof.
Schriften
Denkwürdigkeiten aus meinem Leben, hg. u. komm. v. W. Senn 1986; Briefe (A-Imf, A-Wgm).
Werke
Kirchenmusik (über 30 Messen, 7 Requien (s. Abb. u. Tbsp.), Propriumgesänge, Vespern, Litaneien, Tedeums, Marianische Antiphonen), Kantaten und Lieder, Sinfonie für Orchester (D-Dur, 1807, NA in The Symphony 1720–1840, ser. B VI, New York 1984), Konzert für Klarinette und Orchester 1819, Kammermusik (s. Tbsp.e), Klavierstücke, Blasmusik (Militärmusik). – Autographes WV (datiert 1826, mit Nachträgen bis 1830) im Ferdinandeum Innsbruck.
Literatur
NGroveD 9 (2001); MGG 4 (1955) u. 16 (1979); M. Schneider, Studien zu den Messenkompositionen J. B. G.s, Diss. Innsbruck 1976 [mit themat. Kat. der Messen]; J. Veit, Der junge Carl Maria von Weber 1990; Beiträge von M. Gabbrielli u. F. Chiocchetti in Mondo Latino 18 (1994); St. Hackl in Tiroler Heimatblätter 69 (1994); O. Huck/J. Veit (Hg.), Die Schriften des Harmonischen Vereins 1998.


Sein Sohn Josef: * 6.10.1829 Wien, † 5.6.1911 Wien. Gesangspädagoge. Erhielt von seinem Vater ersten Unterricht in Gesang, Violoncello und Klavier, nach dessen Tod bei Eduard Holub (1823–1904), G. Gentiluomo, J. Merk und L. Rotter. Jusstudium an der Univ. Wien (Promotion 1855). Zunächst Konzipient in der Kanzlei des Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Franz Eberle (* ca. 1814 Reutte, † 1868 Wien), der auch Hofmeister der Hofsängerknaben war, dann bei Baron Härtel; Berufskollege von Dr. Eduard Schneider, einem Neffen Fr. Schuberts. Da G.s Lebensinhalt aber die Musik war, lehrte er nebenher Gesang, Violoncello und Klavier und trat in Konzerten auf, bis er 1868, nach dem Tod seiner Mutter, den Beruf des Rechtsanwalts aufgab. M. Wilt gehörte zu seinen ersten hervorragenden Gesangsschülern. Als Vorstandsmitglied der Wiener Singakademie setzte er 1863 die Wahl des ihm befreundeten J. Brahms zum Dirigenten des Vereins durch. Brahms widmete G. seine Cello-Sonate op. 38. 1875–1904 hatte G. eine Professur für Gesang am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde inne und bildete zahlreiche Schüler mit nachmaligem Weltruhm aus. G. hinterließ dem Innsbrucker Musikverein seine umfangreiche und kostbare Notensammlung als Legat. Er beteiligte sich maßgeblich an der Edition der Schubert-Gesamtausgabe (1884ff.).


Ehrungen
Ritter des Franz-Joseph-Ordens 1899; Ehrenpräsident des Wiener Tonkünstler-Pensionsvereins Karl Czerny; Ehrenmitglied des Wiener Tonkünstlervereins und des Innsbrucker Musikvereins.
Werke
Klavierstücke und Lieder, teilweise auf eigene Texte und in Wiener Verlagen erschienen; geistliche Chorwerke.
Schriften
Briefe.
Literatur
NGroveD 9 (2001); MGG 4 (1955) u. 16 (1979); J. Gänsbacher, Denkwürdigkeiten aus meinem Leben, hg. u. komm. v. W. Senn 1986; W. Steiner (Hg.), 175 Jahre Musikverein-Musikschule-Konservatorium in Innsbruck 1993, 11–136.

Autor(en)
Hildegard Herrmann-Schneider
Empfohlene Zitierweise
Hildegard Herrmann-Schneider, Art. „Gänsbacher, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 18/12/2001]

MEDIEN
Johann Baptist Gänsbacher© Bildarchiv Austria, ÖNB
Johann Baptist Gänsbacher  © Bildarchiv Austria, ÖNB
J. B. Gänsbacher, 3 Lieder für Singstimme und Gitarre,op. 3, Titelblatt der Druckausgabe Leipzig: Kühnel (A-Ik 3801)© Foto: TLM
J. B. Gänsbacher, 3 Lieder für Singstimme und Gitarre,op. 3, Titelblatt der Druckausgabe Leipzig: Kühnel (A-Ik 3801)
HÖRBEISPIELE

J. B. Gänsbacher, Introitus: Requiem aeternam aus Großes Requiem in Es, op. 15, komponiert in Brunnersdorf, 1811, umgearbeitet in Wien, 1826

J. B. Gänsbacher, Menuetto aus der Sonate in G-Dur für Flöte und Klavier, um 1808

J. B. Gänsbacher, Andante – Thema mit 6 Variationen aus Duo per il Pianoforte e Violoncello in F-Dur, Wien 1843
© 2003 Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck

J. B. Gänsbacher, Variationen über einen Marsch aus der Oper "Amori" von Georg Josef Vogler, um 1803
© 2004 Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck

J. B. Gänsbacher, Tiroler Schützenfreuden. Ein charakteristisches Tongemälde für vollständiges Orchester mit obligatem Stutzen, Trommel und Pfeifen und Anwendung zweier original Tiroler Melodien, Innsbruck 1824
© 2001 Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck

GND
Gänsbacher, Johann Baptist
Weiterführende Literatur (OBVSG)
GND
Gänsbacher, Josef
Weiterführende Literatur (OBVSG)

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