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Kartäuserkloster „Marienthron“ bei Scheibbs/NÖ; 1330 durch Hzg. Albrecht II. auch als Grablege gegründet und ungewöhnlich reich begabt sowie von Mauerbach aus besiedelt, 1782 durch K. Joseph II. (Josephinismus) aufgehoben. Die 1919 durch das Stift Melk angekaufte, bis 1955 profanierte Anlage lässt den Typus einer Kartause (kleine, durch einen Ambitus miteinander verbundene Häuschen) noch erkennen. Sie enthält seit 1972 u. a. Schauräume des Österreichischen Museums für Volkskunde. G. wurde das größte Kloster des Ordens (Kartäuser), dessen Gesang von besonderer Einfachheit und grundsätzlicher Ablehnung von Mehrstimmigkeit gekennzeichnet war. Entsprechend groß war stets die Bedeutung von liturgischen Handschriften im Besonderen (die wenigstens in jüngerer Zeit offenbar aus der ehemals untersteirischen Kartause Seiz [Žiče/SLO] bezogen wurden) und von Büchern im Allgemeinen. 1342–45 Prior von Seiz, dann von Smichow bei Prag und schließlich 1350–54 und 1358–60 Prior von G. war der auch als Liederdichter (Heiligen- und Marienlieder; Lectionarium mariale; Crinale Beatae Mariae Virginis, in über 40 Hss. überliefert und mindestens sechsmal ins Deutsche übersetzt) bekannte Konrad v. Haimburg (= K. v. G.). Prior Leonhard spielte in der Anfangsphase der Melker Reform (1418) eine bisher (2002) jedoch nicht näher bestimmte Rolle. Der gelehrte Prior Nikolaus III. (1451–58) ließ im Ambitus eine Bücherei aufstellen. Die unter Abt Joseph Kristelli v. Bachau 1720 nach dem Muster anderer Ordensstifte erbaute Bibliothekssaal jedoch widersprach mit seiner reichen Freskierung (Wenzel Lorenz Reiner, 1723) durchaus dem Geist der Kartäuser. Nach der Aufhebung des Klosters wurde Vieles, auch die Einrichtung der Kirche in alle Winde verstreut. Die reichen Buchbestände gelangten zum größeren Teil in die Hofbibliothek, zum kleineren in die Universitätsbibliothek Wien (Archive und Bibliotheken). Näheres über die Musiktradition von G. ist nicht untersucht. Die ab 1984 renovierten ehemaligen Stiftsräume beherbergten 1991 die niederösterreichische Landesausstellung, sind heute als Hotel genutzt und bilden ein kulturelles Zentrum der Region. Seit 1985 findet in G. ein Chopin-Festival statt.
Literatur
Hb. hist. Stätten/Donauländer und Burgenland 1970; R. Flotzinger in J. Snoj (Hg.) [Kgr.-Ber.], Medieval Music in Slovenia Ljubljana 1997, 1998; F. P. Knapp, Die Literatur des Spätmittelalters 1 (1999); G. Stenzel, Von Stift zu Stift in Österreich 1977.

Autor(en)
Rudolf Flotzinger
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Flotzinger, Art. „Gaming‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 05/09/2002]