Garsten
Abtei im unteren Ennstal nahe Steyr/OÖ; gegründet 1082 als Kollegiatstift, um 1108 durch Benediktiner aus Göttweig neu besiedelt und spätestens seit dem ersten selbständigen, aus St. Blasien im Schwarzwald/D kommenden und als Heiligen verehrten Abt Berthold I. (1111–42) hirsauisch geprägt. Ab der 2. Hälfte des 12. Jh.s scheint hier ein Skriptorium bestanden zu haben (hier wurde z. B. auch das Dulce solum der Carmina Burana aufgezeichnet). Im letzten Viertel des 16. Jh.s nahm die Kirchenmusik einen gewissen Aufschwung. Der bedeutendste Musiker der Zeit war zweifellos S. Ertl, der Organist Florian Kosorsky ging 1597 nach Salzburg. Um 1600 sind auch Schuldramen hier bezeugt. 1618/19 scheint auch A. Orologio hier tätig gewesen zu sein. F. Weichlein war nach 1681–88 in G. Organist, ein Ignaz Seerieder nach 1686 bis mindestens 1703 Altist, ein gewisser Dansky anschließend Bassist, P. Ernest Koch (1751–1815) der letzte Regens chori und Jakob Scherer Librettist und Basssänger. 1677–93 wurde die Stiftskirche durch Pietro Antonio und Carlo Antonio Carlone neu erbaut, die von Pietro Francesco Carlone geplanten Stiftsgebäude nach dessen Tod von Jakob Prandtauer weitergeführt. 1787 wurde das Stift aufgehoben, die erhaltenen mittelalterlichen Hss. kamen in die Oberösterreichische Landesbibliothek Linz (Archive). Die 1704 erbaute Egedacher-Orgel, die F. X. Chrismann 1780 noch umgebaut hatte, wurde 1788 durch P. Hötzl in die Michaelerkirche in Steyr übertragen. Vor Hötzl war im Ort (Steyr-)G. bereits der Orgelbauer J. D. Recher (um 1650) ansässig gewesen. Die ehemaligen Stiftsgebäude sind seit 1851 Strafvollzugsanstalt. In jüngster Zeit ist G. auch eine Station der Oberösterreichischen Stiftskonzerte.
Lit: K. Mitterschiffthaler in [Kgr.-Ber.] Bruckner Linz 1990, 1993; R. Flotzinger in C. Scalon (Hg.), [Kgr.-Ber.] Il monachesimo Benedittino in Friuli 2002; Kellner 1956; W. L. Smith in FAM 27 (1980); K. Holter in [Kat.] Kirche in Oberösterreich Garsten 1985, 1985; O. Wessely, Musik in Oberösterreich 1951 (bes. Abb. 7).


RF  
[ Zuletzt aktualisiert: 2012/01/17 14:02:55 ]

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Quelle: Österreichisches Musiklexikon, Kommission für Musikforschung
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