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Gassenhauer
Ursprüngliche Bezeichnung für nichtsesshafte, auf der Straße lebende Menschen; übertragen auf das von diesen gepflegte Liedgut und später Überbegriff für das populäre städtische Straßenlied. Seit dem 16. Jh. bekannt, jedoch zur vollen Blüte gekommen mit der Industrialisierung des 19. Jh.s als Ausdrucksmittel der urbanen Arbeiter- und Kleinbürgerschichten. In der Regel handelte es sich um neu- oder umgetextetes Liedgut, dessen Melodien aus anderen Zusammenhängen allgemein bekannt waren. Der G. thematisierte auf humorvolle, oft spöttische und treffsicher parodierende Weise das harte Leben der Modernisierungsverlierer auf den Straßen und Gassen und erfüllte somit auch eine Ventilfunktion für deklassierte und außerhalb der Gesellschaft stehende Stadtbewohner. Er war musikalisches Allgemeingut, die Überlieferung erfolgte ursprünglich rein mündlich durch Nachsingen, verbunden mit Neukontextualisierung entsprechend lokaler Besonderheiten und aktueller Ereignisse. Durch die sozialökonomische Entwicklung sowie das Aufkommen einer professionellen Schlagerindustrie (mit Notendruck) allmählich seiner Grundlagen beraubt, verschwand der G. im 20. Jh. und ist heute v. a. als Berliner G. in Erinnerung.
Literatur
Hb. der populären Musik 1997; MGG 3 (1995); L. Richter (Hg.), Mutter, der Mann mit dem Koks ist da. Berliner G. 21977; E. Kiehl, Quedlinburger Heimatlieder und G. 1990; H. K. Rester (Hg.), I riach den Wein. Ein Viertel Wein im Weinviertel. Heurigenlieder und G. 1996.

Autor(en)
Michael Huber
Empfohlene Zitierweise
Michael Huber, Art. „Gassenhauer‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]