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Geigen- und Lautenbau
Bis zum frühen 19. Jh. wurden gestrichene und gezupfte Saiteninstrumente von denselben Herstellern angefertigt, und der Berufszweig bis zu dieser Zeit als „Lauten- und Geigenmacher“ bezeichnet. Daher sind beide Bereiche gemeinsam zu behandeln. Vieles spricht dafür, dass ursprünglich die Lautenspieler ihre Instrumente selbst herstellten. Der erste in Wien namentlich als Lautenmacher ausgewiesene Handwerker war ein gewisser Konrad, wohnhaft im eigenen Haus „vor dem Schottentor auf der niedern Newstift zenechst dem gatern“. Er erwarb ein weiteres Haus vor dem Widmertor und 1393 außerdem eine „kram“, also einen Laden, „an der Prantstatt“. Ein Rückschluss auf die Popularität des Lautenspiels (Lautenmusik) kann aus der Tatsache gezogen werden, dass für das 15. Jh. nicht weniger als sieben Lautenmacher in Wien namhaft zu machen sind. Die Lautenspieler waren damals bereits in einer zünftigen Organisation zusammengeschlossen, der St. Niklas Bruderschaft. 1459 scheint der Lautenmacher Lorenz Wildfang als deren Zechmeister auf, was als Beleg zu werten ist, dass diese Bruderschaft auch für Instrumentenmacher zuständig war. Im Gegensatz dazu sind keine Archivalien erhalten, die Auskunft über Hersteller von Streichinstrumenten für diese Zeit geben könnten. Auch hier ist eine Personalunion von Spieler und Hersteller anzunehmen. Dass im ausgehenden Mittelalter auch in unserem Raum Streichinstrumente in Gebrauch waren, belegt der Triumphzug Kaiser Maximilians I., der einen Holzschnitt mit „Lauten vnd Rybeben“ enthält.

Im 16. Jh. sind in Wien als Bürger die Lautenmacher Christoph Helm (1544), Bernhard Lindmair (1548) und Wolf Wackher (1577) nachweisbar. Besondere Bedeutung für die Instrumentenmacher besaß die 1498 durch Kaiser Maximilian I. eingerichtete Hofmusikkapelle. Der erste Beleg für einen Ankauf von Saiteninstrumenten für die Kapelle fällt in das Jahr 1571. Barthlme Merckher, ein Lautenmacher aus Prag, lieferte für 10 fl eine Geige. Ab dem 17. Jh. wurde vom Hof der Titel eines Hoflautenmachers vergeben. Es handelte sich um ein Anstellungsverhältnis mit fixer Besoldung. Neben der Lieferung von neuen Instrumenten umfasste der Aufgabenbereich v. a. Reparaturen und die Pflege des Instrumentariums der Kapelle. Bis zum Ende der Monarchie wurde dieser Titel vergeben, ab dem 19. Jh. war damit aber kein Anstellungsverhältnis mehr verbunden. Es ist auffallend, dass viele der im Umkreis des Hofes tätigen Geigenmacher aus dem Füssener Raum stammten. Neben Thomas Epp (* vor 1586) war dies sein Schwiegersohn M. Feldtle, der erste Hoflautenmacher, von dem Instrumente erhalten sind. Feldtles Schüler Jacob Precheisen hatte die Stelle bis zu seinem Tod im Jahre 1677 inne. Weiters wirkten in Wien der Hoflautenmacher Mathias Fux sowie A. Beer, M. Fichtl, Michael Heim († 1717) und N. Leidolf. Sie alle scheinen als Gründungsmitglieder der 1696 ins Leben gerufenen Innung der Lauten- und Geigenmacher auf. Diese regelte die Aufnahme, Ausbildung und Beförderung von Lehrlingen und Gesellen sowie die Vergabe des Meisterrechts. Daneben wurden aber auch Modalitäten bei der Beschaffung von Geigenholz und andere organisatorische Angelegenheiten geregelt. Die Innung sollte zur Wahrung des inneren Friedens der Berufsgruppe dienen, andererseits aber dem kommerziellen Druck von außen entgegenwirken, insbesondere vonseiten italienischer oder Füssener Geigenbauer.

Außerhalb Wiens war es in erster Linie Tirol, das wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des Geigen- und Lautenbaus ausübte. Als ältester Lautenmacher ist Erhard Pöcht zu nennen, der zwischen 1460 und 1486 in Arzl bei Innsbruck tätig war und Arbeiten für Herzog Sigismund ausführte. Ein Jh. später wirkte G. Gerle, der ab 1569 in Innsbruck nachweisbar ist. Er führte Arbeiten höchster Qualität u. a. für die Kunst- und Wunderkammer Erzhzg. Ferdinands II. auf Schloss Ambras aus, von denen sich eine Elfenbeinlaute in unverändertem Zustand bis heute erhalten hat. Erwähnenswert ist ferner die weitverzweigte Familie Seelos. Aus Füssen stammend, zogen einige Familienmitglieder nach Innsbruck, andere – hier mit der Namensvariante Sellas – sind in Venedig nachweisbar, ein Johann Seelos ließ sich 1679 in Linz nieder. Ihren Höhepunkt erreichte die Tiroler G.-Schule mit J. Stainer. Er entwickelte ein Geigenmodell, das mit seiner hohen Wölbung ästhetische Vollkommenheit mit unübertroffener Klangschönheit verbindet. Stainers Einfluss strahlte über den gesamten österreichischen Raum aus und beeinflusste nicht zuletzt die Wiener Geigenbauer bis an die Wende zum 19. Jh. Erst zu diesem Zeitpunkt begann sich allmählich das flachere und mehr auf Klangvolumen ausgerichtete Stradivarimodell allgemein durchzusetzen. Bis heute ist kein Schüler oder unmittelbarer Nachfolger Stainers nachweisbar. Sein Einfluss ist aber unübersehbar bei den Arbeiten des in Bozen tätigen M. Alban und seinem Sohn J. M. Alban, der ab ca. 1700 in Graz tätig war.

In Salzburg bildete v. a. der erzbischöfliche Hof einen Anziehungspunkt für Instrumentenmacher. Das Bürgerbuch erwähnt 1510 einen Lautenmacher namens Michael Gartner und seinen Sohn Veit. Der oben erwähnte Christoph Helm übersiedelte nach 1544 nach Salzburg, wo er bis 1580 als Hauseigentümer aufscheint. Sein Sohn Balthasar Helm folgte ihm als Lautenmacher nach. Im 17. Jh. sind es v. a. zwei Namen, die erwähnenswert sind: Ulrich Reinhardt (erwähnt 1672–80) und Marcell Pichler. Von ersterem haben sich eine Viola und zwei Kontrabässe erhalten, er war auch Hoflauten- und Geigenmacher. Pichler stammte aus Hallein, wo er 1662 heiratete und bis mindestens 1675 ansässig war. Ab 1683 ist er in Salzburg nachweisbar, wo er 1694 starb. Pichlers Schwägerin – Maria Weiss – heiratete übrigens 1672 den Komponisten H. I. F. Biber. Aus dem Füssener Raum stammt der um 1658 geborene J. Schorn, der spätestens 1681 in Salzburg ansässig war und wiederholt Instrumente für den dortigen Hof lieferte. Daneben war er als Musiker für den Hof tätig. Er starb 1718 und seine Witwe Maria Magdalena heiratete im folgenden Jahr A. F. Mayr, damals bereits Hoflauten- und Geigenmacher. Mayr wurde 1693 in St. Veit bei Wien (heute Wien XIII) geboren. Er arbeitete nach dem Stainer-Modell, verwendete allerdings einen viel dunkleren, rötlichen Lack von großer Leuchtkraft. Unter den sog. „Mozartinstrumenten“ befindet sich eine Kindergeige (datiert 1746) aus Mayrs Werkstätte. Der Geigenmacher starb 1764, sein Sohn Ferdinand übernahm die Werkstätte. Ende des Jh.s ließ sich der Mittenwalder Franz Simon (1757–1803) in Salzburg nieder. Seine Witwe verkaufte die Gewerbeberechtigung an den aus Passau stammenden Anton Zwerger. Im Umfeld von Salzburg, namentlich im Salzkammergut, waren mehrere Geigenmacher tätig, die überregionale Bedeutung erlangten. In Goisern finden wir mit J. Keffer den Begründer einer weit verzweigten Familie von Geigenmachern. In Ramsau ist J. Gändl erwähnenswert und der später in Wien tätige D. A. Stadlmann stammt aus Ebensee bei Hallstatt.

Die Traun bildete einen natürlichen Handelsweg, der nach Oberösterreich führte. In Wels ist bereits 1589 ein Instrumentenmacher Friedrich Wagner nachweisbar. Die Musikpflege in den reichen Klöstern in Kremsmünster und Lambach versprach zusätzlich zu den Jahrmärkten in Linz einen gesicherten Absatz. Mitte des 17. Jh.s ist in der Landeshauptstadt ein Rudolf Höß († 1679) nachweisbar. Nach dessen Tod versuchte sich M. Alban in Linz anzusiedeln, dürfte jedoch kurze Zeit später dem aus Innsbruck stammenden J. Seelos gewichen sein. Dieser kam ebenfalls 1679 nach Linz und verfolgte eine rücksichtslose Geschäftspolitik, die 1696 im Ansuchen um ein landesweites Monopol zur Ausübung des Geigenmacherhandwerks gipfelte. Obwohl sich die Landstände gegen die Erteilung dieses Privilegs aussprachen, wurde es von Kaiser Leopold I. 1698 bestätigt. Die Folge waren jahrelange Rechtsstreitigkeiten mit den in Kremsmünster bzw. Lambach ansässigen Geigenmachern Th. Vogelhueber und Johann Jezinger. Nach Seelos’ Tod führte dessen Witwe das Gewerbe zunächst allein, ab 1717 zusammen mit dem aus Würzburg stammenden Blasius Weigert († 1765), der ihre Tochter geheiratet hatte, weiter. Weigert war ein tüchtiger Meister, von dem noch zahlreiche Instrumente erhalten sind. Als Geselle war in seiner Werkstätte J. B. Havelka tätig, der 1761 von Weigert für 400 fl die Handwerksgerechtigkeit und den Werkstättenbestand, der unter anderem 30 Violinen umfasste, übernahm. Gleichzeitig erlangte er das Linzer Bürgerrecht. Havelka dürfte aus Böhmen stammen und war bis zu seinem Tod im Jahr 1798 in Linz tätig. Bereits ins 19. Jh. fällt die Wirkungszeit von Me. Frank, der aus Füssen stammte, 1799 nach Linz kam und hier Havelkas Gewerbe übernahm. Neben Frank war zur selben Zeit Joseph Pauli (1769–1846) tätig. 1798 hatten ihn die Wiener Geigenmacher angezeigt, weil er das Handwerk unbefugter Weise ausgeübt hatte. Er zog darauf nach Linz und erlangte 1812 das Bürgerrecht und die Geigenmachergerechtigkeit. In das späte 19. Jh. fällt die Wirkungszeit des 1851 in Passau geborenen Eduard Heidegger. Nach seiner Ausbildung in Mittenwald gründete er 1873 in Linz eine Saiteninstrumentenfabrik, die auf Zithern spezialisiert war, und eine Saitenmacherei.

In Graz ist um 1585 Jakob Gerle, ein Sohn des erwähnten Georg Gerle aus Innsbruck, zu finden. Ebenfalls aus dem Westen zogen einige Jahrzehnte später der Füssener Lautenmacher Georg Angerhofer und sein Sohn Christoph zu. Sie wurden 1624 und 1628 in Graz aktenkundig. Aus Füssen stammte auch H. Feldtl, der zur selben Zeit wie Michael Höß († 1658) in Graz wirkte. Erst mit dem in Leibnitz/St geborenen Georg Haas, der 1660 die Witwe von H. Feldtle heiratete, ist in Graz ein gebürtiger Steirer als Geigenmacher nachweisbar. Aus Wien stammend, ließ sich spätestens 1682 Wolfgang Sagmayr in Graz nieder. Es starb 1700, seine Werkstätte wurde von J. M. Alban übernommen. Er war sicher der beste in Graz ansässige Geigenmacher. Auf Alban folgte dessen Schwiegersohn J. B. Jauck, dessen Sohn J. G. Jauck ebenfalls das Geigenmacherhandwerk ausübte. In den Arbeiten all dieser Meister ist als Vorbild das von Stainer entwickelte Geigenmodell zu sehen. Der in Wien ansässigen Familie Leidolf entstammte N. Leidolf. An der Wende zum 19. Jh. wirkten weiters Balthasar Straub, Johann Hütter († 1811) und Nikolaus Skomal († 1824) in Graz. Die beiden letzteren waren auch standespolitisch tätig. Sie setzten sich für die 1805 erfolgte Vereinigung ihrer Berufsgruppe mit den Orgelmachern zu einer Innung ein. Neben einigen weniger bedeutenden Meistern, die sich vornehmlich dem Gitarrebau widmeten, sind im 19. Jh. als gute Geigenmacher F. Herzlieb sen. und jun. erwähnenswert.

Im Wien des 18. Jh.s waren neben der Hofmusikkapelle die zahlreichen Adelskapellen die treibende Kraft für die Entwicklung des G.s. Vom oben erwähnten Me. Fux übernahm A. Posch durch die Heirat mit der Witwe die Werkstätte und 1702 erhielt er auch den Hoftitel verliehen. Poschs Arbeiten zeigen den Einfluss Stainers und genügen den höchsten Qualitätsansprüchen. Nach seinem Tod ging die Hofstelle an seinen Sohn A. St. Posch über, der den Vater allerdings nur um sieben Jahre überlebte. Es ist auffallend, dass in einigen Familien der G. über mehrere Generationen Broterwerb blieb. Die Arbeiten der Familien Bartl, Fichtl, Leidolf, Stadlmann und Thier werden in eigenen Artikeln gewürdigt. Zusammenfassend ist zu sagen, dass viele dieser Meister großes handwerkliches Geschick besaßen und es verstanden, ihren Instrumenten eine persönliche Note zu verleihen. Die klanglichen Vorzüge betreffen in erster Linie die Ausgeglichenheit und Schönheit des Tones, weniger das Volumen. Sie werden daher heute in erster Linie als Kammermusikinstrumente geschätzt, für solistischen Gebrauch in großen Konzertsälen waren sie nie konzipiert. Oft kritisiert wurde der dunkle und wenig transparente Lack vieler Wiener Instrumente. Anscheinend war es der ökonomische Druck, der manchen Geigenmacher zu diesem unattraktiv aussehenden aber einfach zu verarbeitenden Lack greifen ließ. Dabei darf nicht übersehen werden, dass nicht wenige der guten Meister, wie D. A. Stadlmann, A. Posch oder J. G. Thier auch helle Lacke von vollendeter Schönheit und Transparenz herzustellen und zu verwenden wussten. Die traditionelle Form der Wiener G.-Werkstätte umfasste neben dem Meister nur eine geringe Anzahl von Mitarbeitern (Lehrling oder Geselle). Eine Ausnahme dürfte die Werkstätte von M. Thier gebildet haben. Auf Grund der Zahl der erhaltenen Instrumente und der weit über dem Durchschnitt liegenden jährlichen Steuerabgabe muss sein Betrieb mehrere Mitarbeiter umfasst haben. Die Stelle des Hofgeigenmachers hatte ab der Jh.mitte J. J. Stadlmann inne, danach blieb sie zunächst unbesetzt. Die notwendigen Arbeiten wurden von Stadlmanns Vetter M. I. Stadlmann besorgt, der auch als Musiker in der Kapelle tätig war. Erst 1805 wurde er als Hofgeigenmacher bestätigt, allerdings mit reduziertem Gehalt.

Der beste Wiener Meister an der Wende zum 19. Jh. war F. Geissenhof, ein Schüler von J. G. Thier. Aus dem Füssener Raum stammend, arbeitete er zunächst nach dem Modell von Thier, das nach wie vor den Tiroler Einfluss zeigt. Da sich die klanglichen Vorzüge der flacher gebauten italienischen Geigen allmählich durchzusetzen begannen, übernahm Geissenhof als einer der ersten Wiener Meister dieses Modell. Während die Arbeit an der „weißen Geige“, also im unlackierten Zustand, den italienischen Einfluss deutlich zeigt, verrät der mittelbraune bis dunkle Lack Geissenhofs Bezug zu Wien.

Ähnlich verhält es sich mit den Instrumenten von Johann Martin Stoß (1778–1838) und seinem Vetter Pius Bernhard Stoß (1784–1854). V. a. die Violoncelli von Johann Martin werden noch heute als Orchesterinstrumente hoch geschätzt. Stoß bewarb sich um die Nachfolge von M. I. Stadlmann als Hofgeigenmacher. Er erhielt die Stelle, das Gehalt war allerdings bereits so gering, dass es bestenfalls als Nebeneinkommen anzusehen war und somit die Bezeichnung „Hofgeigenmacher“ zu einem reinen Ehrentitel wurde. Neben Stoß bewarb sich auch J. G. Stauffer, der sich nach einer Lehre als Kunsttischler dem Instrumentenbau zugewendet hatte. Er beschäftigte sich Zeit seines Lebens mit der Verbesserung von Saiteninstrumenten, wobei seine Erfolge eher auf dem Gebiet des Gitarrenbaus lagen. Versuche mit eckenlosen Geigenformen und mit Proportionen nach mathematischen Kriterien bewährten sich nicht. Vermutlich bedingt durch diese aufwendigen Versuche war Stauffers wirtschaftliche Situation immer angespannt, die letzten Lebensjahre musste er im Bürgerversorgungshaus in St. Marx (heute Wien III) zubringen.

Als hervorragender Kopist nach Stradivari und Guarneri ist der einem polnischen Adelsgeschlecht entstammende C. N. Sawicki anzusehen. Neben ihm sind M. I. Brandstätter, Carl Lemböck (1814–92), A. Hofmann und Wilhelm Theodor Gutermann (1828–1900) zu nennen. Dank der Beliebtheit der Gitarre im Wiener Biedermeier wandten sich einige Hersteller weitgehend diesem Instrument zu. So die aus Füssen stammende Familie Enzensberger oder Johann Gottfried Scherzer (1834–70). Neben Gitarren waren es v. a. die Zithern, die für die Berühmtheit der Familie Kiendl ausschlaggebend waren. A. Kiendl begründete den Ruf, der von seinem Neffen Karl und dessen gleichnamigen Sohn fortgesetzt wurde. Bis ins beginnende 20. Jh. wirkten als Geigenbauer C. H. Voigt, C. Haudek und W. Th. Jaura. Dank des blühenden Musiklebens und der Existenz von bedeutenden Privatsammlungen, allen voran die exquisite Sammlung des Industriellen Th. Hämmerle, gab es im damaligen Wien einen regen Handel mit hochwertigen italienischen Streichinstrumenten. Im Vergleich dazu war die Situation der Geigenbauer nach dem Zweiten Weltkrieg bedeutend schlechter. Für Neubauten gab es praktisch keinen Markt, der Handel mit Instrumenten litt unter der fehlenden Finanzkraft und so beschränkte sich der Erwerb v. a. auf die wenig ergiebigen Reparaturen. Die Zahl der aktiven Geigenbauer ging zurück, als namhafte Vertreter dieser Generation sind Franz Huber (1902–76), Ludwig Tröstler (* 1907), Ferdinand Kugler (* 1908) und O. Lang zu nennen. Nach dieser Stagnation, die bis in die 1980er Jahre dauerte, trat in letzter Zeit eine deutliche Verbesserung der Situation ein. Dank der steigenden Nachfrage hat sich nun eine junge Generation von Geigenbauern etabliert, die ihre Ausbildung meist im Ausland (G.-Schulen in Cremona/I, Mittenwald/D und Newark on Trent/GB) erhalten haben. So waren im Oktober 2000 bei der Bundesinnung der Musikinstrumentenerzeuger österreichweit 62 Hersteller von Streich- und Zupfinstrumenten registriert. Darunter befinden sich auch Betriebe, die ausschließlich auf die Herstellung von historischen Streichinstrumenten (Violen da Gamba) oder Volksmusikinstrumenten (Tiroler Volksharfen, Drehleiern) spezialisiert sind. Der Bogenbau – als selbständiger Teilbereich der Streichinstrumentenherstellung – hat in Österreich erst in jüngster Zeit wieder Fuß gefasst. Bis zum 18. Jh. lieferten die Geigenbauer auch die Bögen, ein spezialisiertes Gewerbe bildete sich erst im 19. Jh. aus. In dieser Zeit wurde der österreichische Bedarf vorwiegend durch Importe aus Deutschland oder Böhmen gedeckt, Reparaturen nahmen die ortsansässigen Geigenbauer vor. Der erste, ausschließlich auf Bogenbau spezialisierte Meister, Thomas Gerbeth (* 1968), ist seit 1997 in Wien ansässig.


Literatur
K. u. A. Birsak, Gambe – Cello – Kontrabaß und Kat. der Zupf- und Streichinstrumente im Carolino Augusteum 1996; R. Bletschacher, Die Lauten- und Geigenmacher des Füssener Landes 1978; Federhofer 1996; G. Grüll in Jb. der Stadt Linz 1954; R. Hopfner in Th. Antonicek et al. (Hg.), Die Wiener Hofmusikkapelle I, 1999; Hopfner 1999; A. Layer, Die Allgäuer Lauten- und Geigenmacher 1978; K. Lohrmann in Wr. Geschichtsbll. 1/1985; Lütgendorff 1 (61975), 158–169, 223–237; A. Malecek in Jb. des Vereins für Gesch. der Stadt Wien 5/6 (1947); Prochart 1979; W. Senn/K. Roy, Jakob Stainer 1986.

Autor(en)
Rudolf Hopfner
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Hopfner, Art. „Geigen- und Lautenbau‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]