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Geissenhof, Geissenhof, true Franz
* 1753 -09-1515.9.1753 Füssen/D, 1821 -01-022.1.1821 Wien. Geigenbauer. G. wurde in Füssen als Sohn des Johann Peter G. und der Maria Franziska Resl, der Tochter des Lautenmachers Andreas Resl, geboren. Es ist anzunehmen, dass er seine Lehrzeit in Füssen verbracht hat, Angaben über seinen Lehrmeister liegen aber nicht vor. Ungewiss ist, wann er als Geselle zu J. G. Thier nach Wien kam. Dieser starb 1779 und hinterließ seinen beiden Gesellen (F. G. und Jac. Fuchs) je 100 fl. Die Witwe Maria Theresia Thier führte – vermutlich mit G.s Hilfe – die Werkstätte weiter. 1781 übernahm dieser das Geschäft seines früheren Dienstgebers. Im selben Jahr verheiratete sich G. mit Maria Anna Thir (Thier; * 1752), der Tochter des Wagnermeisters Johann Thir und der Magdalena Kerschl. Diese war gleichzeitig die Schwester von M. Thier und auch mit S. Dallinger verwandt. G. und Dallinger hatten zu diesem Zeitpunkt ihre Werkstätten im selben Haus in der Singerstraße. Ab den späten 1780er Jahren arbeitete er in der Riemerstraße. Als einziger Geselle wird wiederholt G.s Neffe Anton Thier genannt. Weitere Mitarbeiter werden in der Literatur häufig erwähnt, ohne dass dafür Beweise vorliegen. Bereits Lütgendorff merkt an, dass er, bedingt durch seinen hoher Qualitätsanspruch, meist allein arbeitete und„keinen Gehilfen finden konnte, der seinen strengen Anforderungen entsprach“. Auch bei der Auswertung der Steuerbücher wird klar, dass G. im Vergleich zu anderen Wiener Meistern nur geringen Umsatz machte. Seine Jahresabgaben liegen, abgesehen von den Jahren bis 1790, immer im untersten Bereich. G. war 1811 und 1812 Vorsteher der bürgerlichen Geigen- und Lautenmacher.

Von G.s drei Kindern überlebte keines den Vater: Der Sohn Johann starb am 28.10.1788 im Alter von fünf Jahren an Lungenentzündung. Die Tochter Maria Anna verschied, erst 4 3/4 Jahre alt, am 24.1.1791; das Totenprotokoll gibt als Todesursache „Lungenbw.“ (Lungenbrustwassersucht?) an. Ein Alter von 18 Jahren erreichte der Sohn Antony. Er war „Studiosus“ und starb am 28.10.1806 an „Engbrüstigkeit“.

G. selbst starb im sogenannten Schmidtbierhaus in der Riemerstraße an Gedärmbrand. Die Verlassenschaftsabhandlung zeigt, in welch bescheidenen Verhältnissen der beste Wiener Geigenbauer gelebt und gearbeitet hat. Außer seiner Witwe hinterließ er keine Angehörigen und es lag auch kein Testament vor. G. hinterließ kein Vermögen, es fanden sich nur persönliche Besitztümer und etwas Hausrat. Auch der Werkstättenbestand umfasste nur das notwendigste Werkzeug und etwas Holz, Rosshaar und Saiten. Die gesamte Hinterlassenschaft wurde auf 62 fl geschätzt. Dem standen nach Angabe der Witwe Behandlungs- und Begräbniskosten in der Höhe von mehr als 200 fl W.W. gegenüber.

Die Witwe gab an, das Gewerbe weiterführen zu wollen, doch kam es dazu nicht mehr. Sie starb lt. Totenprotokoll am 1.3.1822 im Alter von 70 Jahren an Entkräftung. Den Gewerbeschein dürfte sie bereits vorher zurückgegeben haben. Das hinterlassene Vermögen wurde auf 31 fl geschätzt, gleichzeitig machte der Geigenmacher Bernhard Stoß eine Forderung von 300 fl geltend, die von den Erben (A. und F. Thier – die Söhne von M. Thier sowie A. Dallinger – ein Sohn von S. Dallinger) zu übernehmen war.

G.s frühe Arbeiten stehen unter dem Einfluss seines Lehrmeisters J. G. Thier; angeblich soll er sogar nach dessen Tod unfertig hinterlassene Geigen ausgearbeitet und mit seinen Zetteln versehen haben. Die Instrumente dieser Zeit sind schmal und haben eine mittelhohe Wölbung. Dem Zug der Zeit entsprechend, übernahm er ab dem Ende des 18. Jh.s flachere Modelle, die auf italienische Vorbilder zurückgehen. Wölbungsverlauf und Schnitt der f-Löcher zeigen das Vorbild Stradivaris, ebenso die Schnecken, die ab dieser Zeit vollendet geschnitten sind und wie bei den Vorbildern breite, regelmäßige Fasen aufweisen. Das Lackbild hingegen zeigt G.s Verbundenheit mit der Wiener Tradition. Die wenigen Instrumente, die späteren Umbauten entgangen sind und noch die originalen Hälse besitzen, zeigen, dass G. bis zu seinem Tod die traditionelle Bauweise mit stumpf angesetztem und mit einem Nagel befestigten Hals beibehalten hat. Er verwendete Druckzettel mit dem Wortlaut: „Franciscus G. fecit. / Viennae Anno 18..“ sowie am Bodenblättchen die Brandmarke „F G“. G. fertigte vorwiegend Violinen, die wenigen erhaltenen Bratschen sind meist nach einem kleinen Patron gearbeitet (Korpuslänge ca. 39 cm). Violoncelli und Kontrabässe sind selten. Da die Instrumente bereits im 19. Jh. einen guten Ruf besaßen und dementsprechend hohe Preise erzielten, fanden sich bald Nachahmer mit zum Teil plumpen Fälschungen von Etiketten und Brandstempeln.


Literatur
R. Bletschacher, Die Lauten- und Geigenmacher des Füssener Landes 1978; H. Haupt in StMw 24 (1960); W. Henley, Universal Dictionary of Violin and Bow Makers 1973; Hopfner 1999; C. Jaura in Musikpädagogische Zs. 16/2 (1926); A. Layer, Die Allgäuer Lauten- und Geigenmacher 1978; Lütgendorff 61975 u. 1990; R. Maunder in The Galpin Society Journal 52 (1999); MGG 16 (1979); NGroveD 9 (2001); NGroveDMI 2 (1984); NDB 6 (1964); Ottner 1977; Prochart 1979. – Archivalien: WStLA, Verlassenschaftsabhandlung J. G. Thier 258/3/1799; WStLA, Unbehaustes Buch der Jahre 1782–1812; WStLA, Totenprotokoll 1788, fol. 94; WStLA, Totenprotokoll 1791, fol. 10; WStLA, Totenprotokoll 1806, fol. 161; WStLA, Totenprotokoll 1821, fol. 1; WStLA, Verlassenschaftsabhandlung F. G., Fasz. 2/1593/1821; WStLA, Totenprotokoll 1822, fol. 18v; WStLA, Verlassenschaftsabhandlung Anna G., Fasz. 2/2446/1822.

Autor(en)
Rudolf Hopfner
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Hopfner, Art. „Geissenhof, Franz‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]