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Gesellschaft zur Hebung und Förderung der Wiener Volkskunst
Wiener Verein, gegründet im Herbst 1921. Im Mai 1921 wurde der Bund der Wiener auf Initiative von L. Gruber gegründet, aus dem die G. hervorging. Mit einem großen Fest im Wiener Rathaus, verbunden mit einer Wienerliedersängerinnen-Preiskonkurrenz (1. Preis: Melitta Osten), trat der Verein am 17.9.1921 erstmals an die Öffentlichkeit. Die konstituierende Generalversammlung folgte am 13. November 1921 (Präsident R. H. Dietrich, 1. Vizepräsident: F. Allmeder, 2. Vizepräsident: L. Gruber). Obwohl der Förderung der Wiener Volkskunst im Allgemeinen verpflichtet (lt. Statut „Förderung bodenständiger Wienerkunst auf dem Gebiete der Musik, Malerei, Literatur, Plastik, Dichtung und Fotografie mit Ausschluss der Politik“), stand die Förderung der Wiener Musik und v. a. des Wienerliedes an erster Stelle, bedingt durch die große Popularität des modernen Schlagers, der aus Sicht der Proponenten das Wienerlied zu verdrängen drohte. Dazu kam die Unterstützung notleidender Vertreter des Wienerliedes, etwa L. Montag. Der Verein war bis 1938 überaus aktiv und trat mit unterschiedlichen Aktivitäten regelmäßig an die Öffentlichkeit. Er veranstaltete zahlreiche Konzerte, häufig Ehrenabende zu Berufsjubiläen oder Geburtstagen (z. B. 1925 zum 50. Geburtstag von R. Kronegger, 1926 zum 40-jährigen Berufsjubiläum von C. Weinstabl, 1929 zum 30-jährigen Berufsjubiläum von R. H. Dietrich, 1929 zum 30-jährigen Berufsjubiläum von L. Gruber und zum 30-jährigen Berufsjubiläum von F. P. Fiebrich, 1930 für Alexander Gaginelli unter dem Motto „40 Jahre Wiener Lied“, 1934 zum 60. Geburtstag von L. Gruber, 1935 zum 60. Geburtstag von E. Pfleger, 1942 zum 50-jährigen Berufsjubiläum von Karl Hutter), Benefizabende, sog. „Wohltätigkeitsakademien“ oder kleinere Komponistenabende sowie Bälle und Ausstellungen (Das Wiener Lied, seine Schöpfer und Interpreten April 1926, 100 Jahre Wiener Lied und Walzer November 1928). Darüber hinaus wurden auch zahlreiche Wettbewerbe organisiert (1924 zur besten Vertonung eines Wienerliedes [1. Preis: H. Fohringer] und Wiener Liedersänger-Preiskonkurrenz [1. Preis: R. Stoppauer], 1925 für den besten Wiener Walzer [1. Preis: Ferdinand Sabathil], 1928 für das beste Franz Schubert verherrlichende Lied [Juryvorsitz: F. Lehár, 1. Preis: Georg Colette-Schneider], 1930 für das beste die Wienerin verherrlichende Wienerlied [1. Preis: Andreas Schindlauer], 1933 für das schönste Wienerlied des Jahres [1. Preis: O. Goetz], 1937 gemeinsam mit der Kronen Zeitung Veranstalterin des „Kampfes um die goldene Volkskunstnadel“, die in verschiedenen Wiener Heurigenlokalen ausgetragen wurde). 1927 gab die G. zugunsten verarmter Künstler und Musiker den Wiener Volkskunst-Almanach heraus und förderte 1932 das Erscheinen der von Wilhelm Hafenrichter gezeichneten 45 Porträtskizzen unter dem Titel Die Träger des Wiener Liedes. Während der NS-Herrschaft wurden die Statuten NSDAP-konform abgeändert, jüdischen Mitgliedern (z. B. A. Steinberg-Frank) wurde ihre Mitgliedschaft aberkannt und der Verein verlor seine Selbständigkeit. Der damalige Präsident Heinrich Hahn legte um 1942 den Verein still und bemühte sich sofort nach Kriegsende gemeinsam mit A. Steinberg-Frank um dessen Wiederaufbau. Am 10.6.1945 erste Veranstaltung „Wien – wieder Wien“ im großen Konzerthaussaal, die mehrfach an verschiedenen Standorten wiederholt wurde. Es folgten noch einige einschlägige Veranstaltungen und Jubiläumsfeiern, 1949 stiftete die G. eine Gedenktafel am Wohnhaus von F. P. Fiebrich. Am 22. Juni 1957 freiwillige Auflösung unter Präsident E. Kölbl.
Ehrungen
Widmungsträgerin des Wiener Volkskunst-Marsches von R. H. Dietrich.
Schriften
R. H. Dietrich’s Wiener Volkskunst-Almanach 1926.
Literatur
R. H. Dietrich’s Wiener Volkskunst-Almanach 1926; E. Weber in E. Fritz/F. Kretschmer (Hg.), Wien Musikgeschichte 2011; Reichspost 3.8.1921, 8, 22.1.1924, 5, 18.2.1925, 5, 15.3.1925, 21, 31.12.1927, 5, 25.7.1928, 7, 18.11.1928, 7, 3.10.1929, 5, 11.11.1929, 5, 20.11.1929, 9; Neues Wr. Tagbl. 3.6.1924, 7f; Wienerwald-Bote 16.2.1924, 3; Wr. Ztg. 2.4.1926, 4, 13.4.1932, 5; WStLA, Gelöschte Vereine, 4987/1921 [Volkskunst]; Veranstaltungsmappen in A-Wst.

Autor(en)
Monika Kornberger
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Gesellschaft zur Hebung und Förderung der Wiener Volkskunst‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 18/03/2019]