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Gmunden
Stadt am Traunsee/OÖ (Salzkammergut); erhielt 1278 als aufblühendes, kammergütliches Zentrum des Salzhandels das Stadtrecht, zwischen 1313/28 wurde der Pfarrsitz von Ohlsdorf hierher verlegt. Mindestens ab dem 14. Jh. finden wir in G. eine „Lateinische Schule“. Der Schulmeister wurde vom Zechamt der Kirche besoldet und unterstand der Jurisdiktion der Stadtpfarrers. Die enge Bindung zwischen Kirche und Schule blieb auch während der Zeit des Protestantismus (Reformation) und bis zur Errichtung der deutschen Volksschule unter Maria Theresia bestehen. Im 16. Jh. war bald die überwiegende Mehrzahl der Bewohnerschaft Anhänger der neuen lutherischen Lehre, der erste protestantische Stadtpfarrer war 1550 Kaspar Schilling; die belegte Reihenfolge der Organisten jener Zeit beginnt mit Christoph Meysch (1560), Melchior Kradt (1572), David Schüller (auch Spiller, 1574, 1578), Jakob Knißlinger (1580) und Andreas Pleninger (1585–1598?). Die Vertreibung des letzten protestantischen Stadtpfarrers Urban Engelstorfer erfolgte 1598 (Gegenreformation). In dieser auch durch Bauernkriege gekennzeichneten bewegt-stürmischen Zeit sind die musikalischen Aktivitäten wahrscheinlich stark abgesunken; erst ab der Mitte des 18. Jh.s lassen sich die Regentes chori und Organisten der Stadtpfarrkirche lückenlos angeben: Donatus Alois Kaiser (1767–1831); Johann Krepper (1831–61); Josef Reitter (1861–65); Johann Stagl (1865–78); J. E. Habert (1878–96, Gedenktafel Habertstr. 2), August Hasenleithner (1896–1924); Hans Habert (1924–41); Rudolf Wagner (1941–73); Josef Moser (1973–74). Meist waren sie ausgebildete Lehrer und zugleich Organisten; eine Ausnahme bildete R. Führer, der hier 1853–55 nur den Organistendienst versah. Häufig bestand auch – bis ins 20. Jh. – eine Personalunion zwischen dem Chorregenten und Leiter des 1690 gegründeten „Stadt-Spills“; Wenzel Gyrowetz (Bruder des A. Gyrowetz) war ab 1801 städtischer Musikkommissär. In dieser Funktion wurde er vermutlich durch die Übernahme des Bürgermeisteramtes (1810–15) abgelöst. Aus J. E. Haberts Schülerkreis ragen F. Busoni, J. Labor und F. X. Müller hervor.

Schon im Sommer 1825 hatte Fr. Schubert G. besucht (Herme mit Büste Schubertplatz, Gedenktafel Badgasse 2/Theatergasse 8, Gedenktafel Theatergasse 8), ebenso J. Mayseder 1829), J. Gänsbacher (1832), J. M. Vogl (1834), W. A. Mozarts Sohn Franz Xaver Wolfgang (1835, 1837). Besonders seit Bad Ischl Sommerfrische des Kaisers geworden war (1854), erlebte der Fremdenverkehr im gesamten Salzkammergut einen großen Aufschwung. An Musikern sind hier v. a. zu nennen C. Goldmark (Sommer 1871–1914, Gedenktafel Herakhstraße 15), H. Wolf (1882, 1883) und A. Schönberg (Sommeraufenthalte am Traunsee 1905 Gedenktafel beim „Hois’n“, 1907, 1908 und 1921–24), nur z. T. in diesem Zusammenhang: J. Brahms (Freundschaft zu Miller von Aichholz; Gedenk-Tafeln: Brahmsstöcklweg 12 (innen), Lindenstraße 11 (Brahmsschule); Brahmsstaße) und J. Joachim (mit Brahms, auch im hannoveranischen Königshaus), I. Brüll (22.5.1900 anlässlich 70 Jahre Carl Goldmark), Béla Bartók (15.8.1903 bis Ende Sept., Gedenktafel Badgasse 5), F. Großmann, K. Schiske (Kriegsende 1945). In G. lebte der Operettenkomponist A. Pepöck (Gedenkstein am Franz-Joseph-Platz), verbrachte J. Lange seinen Lebensabend (in der 1815 erbauten Villa, Hochmüllergasse 17 bis knapp vor seinem Tode), besaß E. W. Korngold 1932–38 ein Haus („Höselberg“) und lebte 1943–45 auch J. N. David (Davidweg).

Gebürtige Gmundner: F. Grasberger, H. Schiff (seine Mutter Helga Schiff-Riemann lebt seit 1984 ständig in G.).

Nach einer Unterbrechung von rund 250 Jahren erhielten die Gmundner Protestanten 1876 ein überwiegend vom königlich hannoveranischen Hof finanziertes Gotteshaus. Der sehr aktive Kirchenchor widmet sich seither v. a. der Pflege protestantischer Vokalwerke, insbesondere von J. S. Bach. Die Disposition und der gute technische Zustand der Orgel in dieser Kirche (1973, Gollini) gestatten nur auf diesem Instrument G.s heute (2001) die Veranstaltung von Orgelkonzerten. Weitere Orgeln befinden sich in der Stadtpfarrkirche (1964, Dreher/Reinisch), Kapuzinerkirche (1872 Hanel, restauriert 1991 durch Riedl), Karmelitinnen-Kloster (Positiv, 1985 Riedl), Gymnasium der Kreuzschwestern (1978, Pirchner), Orter Pfarrkirche (1994, Riedl), Seeschlosskirche Orth (1983, Riedl), Schlosskapelle Weyer (1996, Allgäuer/Tauber).

Von 182 eingetragenen Vereinen widmen sich heute 9 der Musik: Gmundner Gesangverein (1861), Doppelquartett Edelweiß, Gmundner Kammerchor, Stadtkapelle G., Werkskapelle ÖSPAG G.-Engelhof, Gesellschaft der Musikfreunde (Symphonie- und Kammerorchester), Brucknerbund G. (Konzertveranstalter im Sommer), Landesmusikschule G. (Lehrer- und Schülerkonzerte); kleine Gruppen pflegen Volks- und Hausmusik.


Gedenkstätten
erwähnt.
Literatur
F. Krackowizer, Gesch. der Stadt G. 2 (1899); H. Habert in Die Städte Deutschösterreichs 5 (1929); R. Wagner, Die Kirchenmusik an der katholischen Stadtpfarrkirche G. 1947 [Ms.]; A. Scharnagl in R. Ruhnke (Hg.), [Fs.] B. Stäblein 1967; J. Moser in Oberösterr. Heimatbll. 51 (1997); E. Prillinger in [Kgr.-Ber.] Bruckner Linz 1990, 1993; Gästebuch des Hotels Zum goldenen Schiff; Oberösterr. Landesarchiv Linz; Museum der Stadt G.

Autor(en)
Josef Moser
Empfohlene Zitierweise
Josef Moser, Art. „Gmunden‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]