Logo IKM
OeML Schriftzug
Logo OeML
Logo Verlag

Götzis
Gemeinde im Vorarlberger Rheintal, 1894 zur Marktgemeinde erhoben. Seit dem 17. Jh. ist hier ein aktives Musikleben nachzuweisen. Militärische Musterrollen aus dem Jahre 1621 überliefern erstmals die Namen von Musikern. 1672 schrieb Balthasar Hildebrand, Ludimoderator in G., für die Pfarrgemeinde Egg/V ein Choralbuch (Choral). Aus derselben Zeit ist eine Handschrift mit Weihnachtsliedern erhalten. Um 1694 wurde die erste Orgel gestiftet, die 1790 in die nahe gelegene Wallfahrtskirche St. Arbogast übertragen wurde. G. erwarb die Orgel des aufgelösten Klarissinenklosters Valduna in Rankweil/V, 1874 bauten die Gebrüder Mayer eine Orgel für die neue Pfarrkirche St. Ulrich, die in den 1920er Jahren durch ein Instrument der Firma Behmann ersetzt wurde. Seit 1967 erklingt eine Orgel der Firma Hradetzky. Aus G. stammt der Orgelbauer Hubert Neumann (1921–62). Kirchenrechnungen aus dem frühen 19. Jh. berichten von instrumental begleiteter Kirchenmusik, eine prägende Persönlichkeit war dabei Johann Jakob Ströhle, der 1824 eine erste Musikkapelle ins Leben rief. Ab Mitte der 1870er Jahre prägte die Gesangsschule der Cäcilienbewegung die Kirchenmusik, der Kirchenchor galt lange Zeit als „Musterchor“, 1974 brachte er die Missa dominicalis von J. F. Doppelbauer in Salzburg zur Uraufführung.

1864–66 musizierte eine Chor- und Feldmusik (Kpm. Ambros Mayer), seit 1866 der Musikverein G. unter Kapellmeister Josef Ellensohn (nach 1925 Vereinsname Cäcilia G.). Der Verein geriet bald nach seiner Gründung in politische Turbulenzen, 1868 gab es eine Abspaltung, die liberale Bürgermusik (Kpm. Gebhard Mayer) entstand (besteht bis heute, 2016). 1910 kam eine dritte Kapelle hinzu, die Harmoniemusik (Leitung Engelbert Sonderegger), die bis zum Ersten Weltkrieg aktiv war. Die Cäcilia wurde 1939 aufgelöst, nach dem Zweiten Weltkrieg als Gemeindemusik neu gegründet. Namhaftes Mitglied der Gemeindemusik war der langjährige Landesobmann des Vorarlberger Blasmusikverbandes Walter Fehle (1939–2014). Seit 1968 gibt es in beiden Musikkapellen auch Musikerinnen.

In G. prägten musikalische Familien das Vereinsleben. Seit 1751 kamen zahlreiche Organisten und Chorleiter aus der Familie Berchtold. Ihr entstammt auch Herbert Heinzle, der langjährige Chorleiter des Gesangvereines Harmonie (gegr. 1861 als Männerchor von Josef Berchtold, einer der sechs Gründungsvereine des Vorarlberger Sängerbundes, Ende des 19.Jh.s wurde ein Frauenchor angegliedert). 1900 wurde der Männerchor Liedertafel gegründet, Chorleiter seit 1986 ist Oskar Egle. Streicherensembles beleben seit dem ausgehenden 19. Jh. die bürgerliche Kulturszene (1891–99 Streichorchester, Streichquartett der Brüder Bischof, Fischer-Streichmusik, 1926 Jugendstreichorchester, seit 1920 mehrere Salonorchesterformationen). Der Verein Salonorchester G. (gegr. 1947) wurde 1960 in Orchesterverein, umbenannt. 1963 kam es zur Gründung eines Vereines zur Förderung von Musikunterricht, 1976 der „MSch. Mittleres Rheintal“ (heute: „tonart Musikschule“)

Zu den international wirkenden Persönlichkeiten gehörte Opernsänger H. Ellensohn. Operettenaufführungen weisen in G. eine langjährige Tradition auf und sind seit dem späten 19. Jh. nachweisbar. Alfred Mayer gründete hier 1949 unter Einbindung von Laien und Berufsmusikern das MTVO (Musiktheater Vorarlberg) mit dem Schwerpunkt Operette, 1985 wurde von Habib Samazadeh die WAMCO (West Austrian Musical Company) ins Leben gerufen, die bis 2003 unter seiner Leitung stand. Seit 2000 gibt es als modernen Veranstaltungsort die Kulturbühne am Bach.


Literatur
150 Jahre Gemeindemusik G. 1824–1974,hg. v. der Gemeindemusik G. 1824, 1974; H. Nadler, 300 Jahre Kirchenmusik in G., msch. Ms. o. J.; E. Schneider in Götzner Heimatbuch 2 (1988); W. Berchtold, Harmonie G. 2011.

Autor(en)
Annemarie Bösch-Niederer
Empfohlene Zitierweise
Annemarie Bösch-Niederer, Art. „Götzis‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 08/08/2016]