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Grassalkovics Grassalkovics true (Grassalkovich [ungarisch], Grassalkowich [deutsch], Grasalkovič [slowakisch], Grašalković [kroatisch]) von Gyarak, Familie
Ursprünglich aus Kroatien stammende ungarische Adelsfamilie, deren Aufstieg mit Anton (Antal) I. (1694–1771) unter Karl VI. und Maria Theresia begann (1732 Freiherrenstand, 1743 Grafenstand [v. Gyarak]). Über die Musik- und Theaterpflege der Familie ist wenig bekannt, eine systematische Erforschung scheitert v. a. am Verlust des Familienarchivs im Jahr 1945.

A.s I. Sohn Anton (Antal) II.: * 24.8.1734 Pest (Budapest), † 5.6.1794 Wien. Adeliger, Mäzen. Hatte mehrere hohe Ämter inne, 1784 erhob ihn Joseph II. in den böhmischen Fürstenstand; 1758 ehelichte er eine Gräfin Esterházy. Er lebte v. a. in Pressburg, Ivánka (Ivanka pri Dunaji/SK) und Gödöllő/H, wo vermutlich unter ihm (und nicht schon unter seinem Vater) das Schlosstheater erbaut wurde. Dieses bespielten v. a. deutschsprachige Wandertruppen, zu nennen sind die Prinzipale Johann Peter Mayer, F. J. Scherzer, Philipp Berndt. Auch in Ivánka ließ er 1786 ein Schlosstheater errichten, das u. a. von Christoph Ludwig Seipp bespielt wurde. Letzterer eröffnete 1786 auch das kleine Theater im Pressburger Palais des Fürsten, das im selben Jahr durch den Umbau eines Saales entstanden war. Im selben Jahr zählte die seit mindestens 1772 bestehende Kapelle des Fürsten (Adelskapellen) 24 Mitglieder. 1784 sind F. Kurzweil als Komponist und M. Schlesinger als Musikdirektor beim Fürsten nachweisbar. Schlesingers Nachfolger, er wechselte in die Kapelle von L. v. Erdödy, war noch 1784 J. Zistler, der vorher in Diensten von J. Batthyány gestanden war. Ihm dürfte F. V. Krommer gefolgt sein (vielleicht nur kurz im Todesjahr des Fürsten?). Johann Hummel, der Vater von J. N. Hummel, war Violinist in der fürstlichen Kapelle und wechselte von dort 1787 als Kapellmeister an das Pressburger Theater. Zumindest 1787/88 war G. Druschetzky beim Fürsten engagiert, ca. 1786 J. Leitgeb, 1789 J. I. Willmann. 1790 bot der Fürst J. Haydn die Kapellmeisterstelle an. A. Krafft spielte nach 1790 in der Kapelle des Fürsten G., die vor 1796, vielleicht erst durch Fürst A. III., auf eine Harmoniemusik reduziert wurde (Leitung: A. Griesbacher). Weitere belegbare Musiker des Fürsten waren J. B. Kleczyński, die Violinisten A. F. Durand und Kneusel (Johann Kneisel?) sowie der Cellist Ignaz Manka (Manker).

Dessen Sohn Anton (Antal) III.: * 12.9.1771 Pressburg, † 29.9.1841 Gödöllő. Adeliger und Mäzen. War wie sein Vater mit einer Gräfin Esterházy verheiratet und lebte zunächst v. a. in Wien und Pressburg, erst später auch in Gödöllő. Nach 1816 war H. Marschner Kapellmeister bei ihm. 1827 war G. bankrott, was auch das Ende der Theaterpflege in Gödöllő bedeutete. Erst beim Umbau des Schlosses für die Habsburger 1867 wurde das Theater abgetragen. 1841 starb die Familie mit ihm aus.

Seiner älteren Schwester, Maria Anna (1760–1815), die einen Grafen Viczay de Loós et Hédervár ehelichte, widmete J. Haydn 1786 die Klaviertrios Hob. XV:6–8.


Literatur
MGÖ 2 (1995); G. Staud, Adelstheater in Ungarn 1977; J. F. v. Schönfeld, Jb. der Tonkunst v. Wien u. Prag 1796; M. Cesnaková-Michalcová, Gesch. des deutschsprachigen Theaters in der Slowakei 1997, 76f; Wurzbach 5 (1859); K. Lamkin, Esterházy Musicians 1790 to 1809, 2007; H. Strebel, Anton Stadler: Wirken u. Lebensumfeld des „Mozart-Klarinettisten“ 2016; MGG 10 (2003) [Krommer]; Hoboken 1957; Preßburger Ztg. 10.6.1794, 553; Wr. Ztg. 8.10.1841, 2050; Sterbebuch 1784–1804 der Pfarre St. Michael (Wien I), fol. 206; https://de.wikipedia.org (5/2016); www.geni.com (5/2016).

Autor(en)
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Grassalkovics (Grassalkovich [ungarisch], Grassalkowich [deutsch], Grasalkovič [slowakisch], Grašalković [kroatisch]) von Gyarak, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 02/02/2018]