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Großmann, Großmann, Ferdinand: Familie
Ferdinand: * 1887-07-044.7.1887 Tulln/NÖ, † 1970-12-055.12.1970 Wien. Chorleiter und Komponist. Nach seiner Ausbildung als Sängerknabe im Domchor in Linz unter J. B. Burgstaller besuchte er 1902–06 die Lehrerbildungsanstalt (dazu die Schule des Linzer Musikvereines, hier u. a. Studium bei A. Göllerich und M. Einfalt) und war als Volksschullehrer in diversen Orten in Oberösterreich tätig (zuletzt bis 1915 bzw. 1919 in Gmunden, hier auch Chormeister des Männergesangvereins und Chorregent an der Stadtpfarrkirche); Staatsprüfung aus Gesang, Klavier, Orgel und Komposition (1908/09). 1915–18 Kriegsdienstleistung, 1919 ging G. nach Wien, wo er bis 1929 als Lehrer tätig war (1917 Bürgerschullehrerprüfung) und 1920/21 an der Kapellmeisterschule der Kaiser-MSch. bei F. Weingartner studierte. 1925 Mitbegründer des Wiener Volkskonservatoriums, dessen künstlerischer Leiter er bis 1938 war. Unterrichtete 1933–58 an der Wiener MAkad., ab 1950 ao. Prof. und ab 1952 o. Prof.; im Schuljahr 1945/46 gründete er den Akademischen Kammerchor, den er bis 1955 leitete. Während der Zeit des Nationalsozialismus (Parteimitglied ab 1940) lehrte G. auch an der MSch. der Stadt Wien (Chorleiterschule ab 1939) und war 1940/41 Direktor des Kärntner Grenzland-Konservatoriums (Nachfolger: R. Keldorfer). Seit 1922 leitete er zahlreiche Chöre in Wien, u. a. war er 1920–23 Chormeister des Wiener Männerchors, 1921–27 Chormeister-Stellvertreter beim Schubertbund (neben A. v. Webern bzw. V. Keldorfer), ca. 1922–28 Chormeister des Wiener Kaufmännischen Gesangvereins, 1926–39 und 1945–53 Chormeister des Singvereins, 1923–26 Chormeister der Wiener Singakademie (unter W. Furtwängler) sowie 1927–45 und 1946–53 Chormeister des Wiener Männergesang-Vereins); 1929–43 Bundeschormeister des Ostmärkischen Sängerbundes. 1926–40 Dirigent des Akademischen Orchestervereins, 1930–41 Chordirektor an der Wiener Staatsoper. Vielfältig waren G.s Tätigkeiten an der Wiener Hofmusikkapelle: Ab 1932 Dirigent, 1933–45 1. Kapellmeister, 1956–60 geschäftsführender Kapellmeister und 1961–70 künstlerischer Leiter (Hofkapellmeister). 1939/40–45 und 1956–68 war G. zudem künstlerischer Leiter der Wiener Sängerknaben, 1956–65 leitete er auch den Chorus Viennensis. 1958–69 hielt er mehrmals Kurse im Ausland (Belgien, Japan, Schweden) und war vielfach als Juror tätig. G. hat das Chorwesen der Zwischenkriegs- und der Nachkriegszeit als Lehrer und Chorleiter nachhaltig geprägt (Abb. Autograph in der Regenterei Kremsmünster). 1980–2010 bestand in Wien der Verein Freunde F. G.s, der 1990–2010 jährlich den F. G.-Preis für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Chormusik vergab.
Gedenkstätten
Ehrengrab Wr. Zentralfriedhof; Grossmannstraße (Wien XXII) 1982; Gedenktafel am Wohnhaus (Wien XIX, Döblinger Hauptstraße 61) 1983.
Ehrungen
Prof.-Titel 1925; Reg.rat 1933; Ehrenmitglied des Wr. Männergesang-Vereins 1937; Grande Ufficiale della Corona d’Italia 1937; Ehrendirigent des Akademischen Orchestervereins 1939; Hofrat 1957; Ehrenmedaille der Stadt Wien 1957; Ehrenring der Stadt Tulln 1957; Ehrenkreuz f. Kunst u. Wissenschaft 1. Klasse 1962; Würdigungspreis f. Musik des Landes Niederösterreich 1963; Ehrenprof. der Musashino Academia Musicae Tokio 1963; Ehrenbürger von Vadstena/S 1965.
Werke
Orchesterwerke (Symphonien), Messe, Chöre, Lieder, Kammer-, Klavier- u. Orgelmusik.


Seine Tochter Agnes: * 24.4.1944 Wien. Dirigentin. Sie hatte ursprünglich eine Karriere als Pianistin (Ausbildung 1964–68 bei B. Seidlhofer an der Wiener MAkad., dann am Conservatoire in Paris) begonnen, musste jedoch wegen einer Erkrankung das Fach wechseln und studierte 1974–78 bei K. Österreicher und G. Theuring an der MHsch. Wien Dirigieren. 1983–86 war sie künstlerische Leiterin der Wiener Singakademie, ab 1984 arbeitete sie jedoch auch mit verschiedenen Orchestern, Chören und Musikinstitutionen in Kanada (1986–96 u. a. mit den Chamber Players of Toronto). 1996–1998 war sie künstlerische Leiterin der Wiener Sängerknaben. Danach kehrte G. wieder nach Kanada zurück, wo sie als Dirigentin ebenso erfolgreich wirkt wie seit der Jahrtausendwende in Asien (Japan, Taiwan).


Ehrungen
Mozart Interpretationspreis 1972; Dr. h.c. der Mount St. Vincent Univ. Halifax 1991; Silbernes Ehrenkreuz für künstlerische Verdienste um die Republik Österreich 1992; Goldenes Verdienstzeichen des Landes Wien 1995; Chevalier de la Pléiade 2003; Dr. h.c. der Ottawa Univ. 2004.
Literatur
D. Hornek, Den Sängern ein Vater 1987; E. Möller, Die Musiklehranstalten der Stadt Wien u. ihre Vorläufer in der 1. Hälfte des 20. Jh.s, Diss. Wien 1994, 111ff u. a.; Adametz (1943), 329ff; Kürschner 1954; Müller-Asow 1929; Wissenschaft u. Kunst in der dt. Ostmark 1938; Czeike 2 (1993); Who is who in Öst. 1997; Erhart 1998; E. Ostleitner in ÖMZ 46/7-8 (1991); J. Vergendo, Die Wr. Sängerknaben 1924–1955, 2014; K. Schenk, Die Wr. HMK in der ersten Hälfte des 20. Jh.s (1900 bis 1955), 2001; [Kat.] Musica Imperialis 1998; J. Unfried in SK 15/4 (1968), 188; Die Presse 5./6.8.1989 (Spectrum); NFP 14.10.1921, Abendbl., 1, 26.6.1923, 9, 9.1.1925, 7; Neues Wr. Tagbl. 22.5.1924, 9; Illustrierte Kronen-Ztg. 7.10.1926, 8; Neues Wr. Journal 27.10.1927, 12, 30.10.1930, 14; K. Schnürl/F. Berg (Hg.), 100 Jahre Sängerbund für Wien und Niederösterreich 1964, 18; www.ferdinandgrossmann.info (9/2018); http://agnesgrossmann.com (9/2018); www.chorusviennensis.at (9/2018); eigene Recherchen (u. a. Vereinsfestschriften, www.anno.onb.ac.at; https://konzerthaus.at).

Autor(en)
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Großmann, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 18/02/2019]