Logo IKM
OeML Schriftzug
Logo OeML
Logo Verlag

Güssing
Burg und Stadt im heutigen südlichen Burgenland, Hauptort des gleichnamigen politischen Bezirks; die Stadt (seit 1427 „civitas“) ist linsenförmig um den Fuß eines steilen Bergkegels vulkanischen Ursprungs angelegt, auf dem sich die Burg mit ihren Befestigungsanlagen befindet. Die Burg, die um 1180 an der Stelle eines Benediktinerklosters errichtet wurde, war im Mittelalter in wechselndem Besitz, bis die Grundherrschaft 1524 an die Grafen Batthyány fiel und von diesem Zeitpunkt an neben Rechnitz, Bernstein und Schlaining als eine von deren westungarischen Residenzen fungierte, auf denen die Existenz von Feldmusiken (bevorzugtes Instrument: der Dudelsack, ab 1560 verdrängt von der türkischen Pfeife) und Tanzmusik (Harfe, Zimbel und Geige) bezeugt ist. Neben Instrumentalisten wurden ab 1590 an den Batthyánischen Höfen auch Sänger beschäftigt. Im 1969 eröffneten Burgmuseum befindet sich eine Truhenorgel, die Graf Balthasar III. Batthyány (1543–90), der selbst Lautenspieler war, am 20.1.1574 von dem Orgelbauer Burján aus Kremnitz (Körmöc/H) erwarb. Sie zählt mit der aus dem 17. Jh. stammenden Orgel der Fischerkirche in Rust zu den ältesten Musikinstrumenten des Burgenlandes. Unter Balthasar entstand auch das Batthyány-Graduale, bei dem gregorianische Melodien (Choral, gregorianischer) für den protestantischen Gebrauch umgearbeitet wurden. In der Bibliothek des Franziskanerklosters in G. werden (als Relikte der umfangreichen Batthyánischen Bestände?) seltene Hss. und Drucke aufbewahrt.

Im heutigen G., in dem eines der fünf burgenländischen Kulturzentren steht, wird das Musikleben vorwiegend von lokalen Vereinen (G.er Musikverein) getragen.


Literatur
A. Ernst, Gesch. des Burgenlandes 1987; A. Magyar, G. 1976; [Kat.] Die Ritter, G. 1990, 1990.

Autor(en)
Gerhard J. Winkler †
Empfohlene Zitierweise
Gerhard J. Winkler †, Art. „Güssing‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]