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Gumpenhuber Gumpenhuber true (Gumpenhueber), Familie
Wiener Tänzer und Musiker

Tobias: * ca. 1670 Wien, † 9.10.1751 Wien. Tänzer, Choreograph und Tanzpädagoge. Vater von Philipp, Karl Leopold und Johann Baptist (?) G. Erster Nachweis als Tänzer 1700 in Il Gordiano pio von M.’A. Ziani. 1701 nach Konversion zum Katholizismus Hoftänzer, 1705–20 Edelknabentanzmeister der Kaiserin Eleonore Magdalena. 1731 Gehaltserhöhung von 360 auf 500 fl jährlich; sein Gesuch um die Hoftanzmeisterstelle nach dem Tod von Simon Peter della Motta wurde 1733 zugunsten von A. Philebois abgelehnt. Schrieb Balli zu den in Wien aufgeführten Opern Mario fuggitivo 1709, Chilonida 1710 (M: M.’A. Ziani) und Alessandro in Sidone 1721 (M: F. Conti). Sein Sohn

Philipp: * ca. 1706 Wien, † 10.2.1770 Wien. Tänzer, Choreograph und Chronist. Seit 1719 als Tänzer tätig, 1727 Aufnahme in den Hofdienst als Scholar, 1731 als wirklicher Hoftänzer mit 360 fl/Jahr, 1736 Gehaltserhöhung um 100 fl. Er wurde 1756 „Sous-Directeur des Ballets“ unter der Leitung von G. Angiolini und übernahm seit 1761 Ballettregie und Koordination der Theaterproben; Pensionierung 1766. Einer der Höhepunkte seiner tänzerischen Laufbahn war die Mitwirkung bei der UA von Ch. W. Glucks Ballettpantomime Don Juan (Burgtheater 17.10.1761). Mit seinem dem Leiter der Hoftheater, Graf G. Durazzo, gewidmeten Répertoire de tous les Spectacles qui ont été donné au Theâtre prés de la Cour (1758–63) hinterließ G. eine einzigartige Quelle für das Wiener Theaterleben um die Mitte des 18. Jh.s, ein sorgfältiges und detailliertes Verzeichnis aller Aufführungen am Wiener Burgtheater und Kärntnertortheater (Sprechtheater, Oper, Ballett und Konzerte) mit vielen wertvollen Informationen zu Komponisten und ausführenden Künstlern, zum Personal der Hoftheater und zu Ereignissen aus dem Wiener Hofleben. Dessen Bruder

Johann Baptist: * ca. 1720, † ?. Pantaleon-Virtuose und Komponist. Nach musikalischer Ausbildung in Wien (1733–40 auch Scholar der Hofmusikkapelle) u. a. bei Pantaleon Hebenstreit, dem Erfinder des dem Hackbrett verwandten Pantaleon, erste beachtliche Erfolge als Pantaleon-Virtuose. Durch Vermittlung des russischen Diplomaten Alexei Petrowitsch Graf Bestushew-Rjumin 1755 Verpflichtung an den russischen Hof nach St. Petersburg, wo er bei Konzerten und Opernaufführungen mitwirkte und „wegen seiner erstaunlichen Accuratesse in der Ausübung, ungemeiner Cadenzen, Capricci und Trillern, bewundert“ wurde (Stählin 1770). 1756 kam er von Russland über Wien nach England, wo sich seine Spur verliert. Er komponierte Konzerte und Capricen für sein Instrument, die sich offenbar nicht erhalten haben.


Literatur
J. v. Stählin, Nachrichten von der Musik in Rußland 1770, 141; GerberATL 1 (1790); E. Bernsdorf (Hg.), Neues Universal-Lex. der Tonkunst 2 (1857); R.-A. Mooser, Annales de la musique en Russie au 18e siècle 1–3 (1948–51); Zechmeister 1971; G. Croll in E. Egg/E. Fässler (Hg.), [Fs.] W. Senn 1975; C. Sartori, I libretti italiani a stampa dalle origini al 1800, 1–7 (1990–94); B. A. Brown, Gluck and the French Theatre in Vienna 1991; A. Sommer-Mathis, Die Tänzer am Wiener Hofe im Spiegel der Oberst-Hofmeisteramtsakten und Hofparteienprotokolle bis 1740, 1992; Raab 1994; R. Topka, Der Hofstaat Kaiser Karl V., Diss. Wien 1954; D. Heartz, Haydn, Mozart and the Viennese School. 1740–1780, 1994.

Autor(en)
Irene Brandenburg
Empfohlene Zitierweise
Irene Brandenburg, Art. „Gumpenhuber (Gumpenhueber), Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 08/01/2002]