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Hammondorgel
In seiner klassischen Form elektromechanisches Musikinstrument, beruhend auf dem Prinzip der elektrischen Induktion mittels auf Achsen rotierender Profilscheiben oder Tonräder; zunächst aus Eisen, später aus Stahl, mit 4 bis 7 cm Durchmesser und wellenförmig gefurchtem Rand, wobei die Schwankungen des Feldes eines nahe diesem vorbeidrehenden Rand montierten Stabmagneten zunächst in elektrische, dann in akustische Schwingungen umgesetzt werden. 91 solcher in 12 Gruppen für jeweils jeden Halbton eingeteilten, Tonräder werden durch einen Elektromotor über eine Achse mittels Zahnrädern einheitlich mit dem Resultat großer Stimmfestigkeit angetrieben.

Das originale Model A der H. verfügt über zwei Manuale über fünf Oktaven und ein Pedal über zwei Oktaven. Neun Schieberegler für jedes Manual und zwei für das Pedal mit jeweils acht Positionen ermöglichen die Färbung des Klanges durch Hinzufügen von Obertönen, die allerdings, weil dem System entnommen und somit gleichschwebend temperiert, nicht dem natürlichen Teiltonspektrum entsprechen.

Die H. wurde 1933/34 von Laurens Hammond und John M. Hanert entwickelt und ab 1935 mit großem kommerziellen Erfolg in Serie produziert. Die Hammond Organ Company mit Sitz in Chicago, Illinois/USA ist bis heute eine der führenden Produzenten auf dem Gebiet elektromechanischer und elektronischer Musikinstrumente. Das ursprüngliche System wurde vielfach modifizert, verbunden mit zahlreichen Patenten. Häufig in Gebrauch ist das Leslie Lautsprechersystem, das mittels rotierender Schallhörner einen Tremoloeffekt erzielt. Ab Mitte der 1960er Jahre kamen zunehmend elektronische Systeme, basierend auf Schwingkreisen bzw. Tongeneratoren, in Gebrauch, besonders für den expandierenden Markt für Heimorgeln mit Begleitautomatik und ähnlichen Spielhilfen, doch werden die klassischen Modelle wie z. B. die Hammond B 3 bzw. deren gesampelte Sounds nach wie vor von professionellen Spielern v. a. wegen ihrer perkussiven Ansprache geschätzt.

Viel diskutiert und sogar mit Rechtssteitigkeiten über die Verwendung des Begriffs Orgel verbunden war der Einsatz der H. als preisgünstige Alternative in Kirchen. Komponisten wie Karlheinz Stockhausen, Mauricio Kagel und F. Cerha setzten sie in Orchesterwerken ein. Ihren eigentlichen Durchbruch erzielte die H. in der Unterhaltungsmusik, dort insbesondere auch für Amateure, in Jazz und Rock.

Bereits Thomas „Fats“ Waller und William „Count“ Basie spielten Jazz auf der H., ihnen folgten z. B. Wild Bill Davis und Milt Buckner. Popularität erlangte in den 1950er Jahren Jimmy Smith mit seinem blues-und soulbetonten Spiel, damit eine wirklich für dieses Instrument spezifische Spielweise kreierend. In den 1960er Jahren erreichte Larry Young, alias Kahlid Yasin, unter Einfluss des Saxophonisten John Coltrane avancierte Eigenständigkeit. Wenn auch in den folgenden Jahren die Bedeutung der H. im Jazz durch die Verwendung anderer moderner Keybords, wie z. B. Fender Rhodes-Piano und Synthesizer zu schwinden schien, so gibt es doch nach wie vor, auch von einer quasi postmodernen ästhetischen Position aus, auf diese spezialisierte Spieler, wie die Deutsche Barbara Dennerlein. Die klassischen Kombinationen im Jazz sind Duobesetzungen mit H. und Schlagzeug oder Trios mit Gitarre oder Tenorsaxophon; ein Bass ist überflüssig, da dessen Rolle vom Pedal der Orgel übernommen wird.

Von den Organisten im Rockbereich seien nur Keith Emmerson und Brian Auger erwähnt.

Pioniere der H. in Österreich waren H. Neubrand in Produktionen der Firma Austrophon für das Elite Special-Label und später G. Heinz, in neuerer Zeit hat sich T. C. Pfeiler einen Namen in der hiesigen Jazzszene gemacht.


Literatur
NGroveDMI 2 (1984); MGG 2 (1995, Elektroakustische Musik), 1717ff.; J. E. Berendt/G. Huesmann, Das Jazzbuch 1991; H. Winter, Dreh dich noch einmal um 1989.

Autor(en)
Reinhold Westphal
Empfohlene Zitierweise
Reinhold Westphal, Art. „Hammondorgel‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]