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Haslinger, Haslinger, true Familie
Musikverleger

Tobias: * 1.3.1787 Zell bei Zellhof/OÖ, † 18.6.1842 Wien. Sängerknabe unter Domkapellmeister F. X. Glöggl in Linz, lernte bei ihm auch mehrere Instrumente und half in Glöggls Musikhandlung aus; leitete das Musikgeschäft in F. E. Eurichs Buch- und Kunsthandlung. 1810 kam er nach Wien, wo er in K. Gräffers Buchhandlung beschäftigt war und seine eigenen Kompositionen verlegte. 1814 trat er in die chemische Druckerei S. A. Steiners ein (ab 1815 Gesellschafter: S. A. Steiner & Co.). H. setzte sich v. a. für die Verschönerung der Notendrucke ein und ersetzte die Lithographie durch Stich auf Zinnplatten; ließ 1817–23 die Werke L. v. Beethovens, mit dem er befreundet war, in 62 Bänden von dem Kopisten Mathias Schwarz schreiben. Die Prachtsammlung erwarb schließlich Erzhzg. Rudolph, nach dessen Tod sie in den Besitz der Gesellschaft der Musikfreunde überging. 1826 wurde H. Alleininhaber der Firma, 1829 begann er eine Gesamtausgabe der Werke Beethovens, die wegen Streitereien mit anderen Verlagen aber nicht zum Abschluss kam. 1830 erhielt er den Titel „k. k. Hof- und privater Kunst- und Musikalienhändler“. 1835 veranstaltete H. gemeinsam mit den Concerts spirituels ein Preisausschreiben für eine große Symphonie, das F. Lachner gewann. H. war – wie später L. Bösendorfer – ein bedeutender Mäzen und spielte im Wiener Musikleben eine wichtige Rolle.


Ehrungen
Ehrenbürger der Stadt Wien; Ehrenmitglied der Königl. Schwedischen Akademie der Musik in Stockholm; Ehrenmitglied des Steiermärkischen Musikvereines 1824.
Gedenkstätten
H.gasse (Wien XVI/XVII).
Werke
Programmmusik (über Befreiungskriege), 2 Messen (s. Abb.); Musikalischer Jugendfreund.


Sein Sohn Carl: * 11.6.1816 Wien, † 26.12.1868 Wien. Lernte Klavier bei C. Czerny und Komposition bei I. v. Seyfried; übernahm 1842 das Geschäft nach dem Tod seines Vaters gemeinsam mit seiner Mutter Caroline, nach deren Tod 1848 alleine; nahm u. a. Joh. und Jos. Strauß sowie C. M. Ziehrer in das Verlagsprogramm auf; Zusammenarbeit mit J. Kriehuber, der die Künstlerporträts für den Verlag lithographierte. C. H. veranstaltete in seinem Haus und in verschiedenen Wiener Sälen beliebte Konzerte. Nach seinem Tod führte die Witwe Josephine die Firma fort und verkaufte sie schließlich 1875 an den Berliner Verleger Robert Lienau.


Werke
Oper Wanda; Kantate nach Schillers Glocke, Sinfonie-Kantate Napoleon; Klavier- und Kammermusik; Lieder (s. Abb.); Chöre; geistliche Musik; Bearbeitungen von Tanzmusik.


Die nicht leicht überschaubare Geschichte des Musikverlags lässt sich wie folgt darstellen: 1803 gründete A. Senefelder die Chemische Druckerey, die bald auf S. A. Steiner überging. 1805 übersiedelte die Firma in das Paternostergassel 612 am Graben, wo sie bis 1835 blieb (von L. v. Beethoven daher als Verlag der „Paternostergäßler“ bezeichnet). 1807 ging das Verlagshaus von F. A. Hoffmeister auf die Chemische Druckerey über. 1815 wurde der bisherige Angestellte T. Haslinger Teilhaber (S. A. Steiner & Co.). Ein weiterer Angestellter war A. Diabelli. 1821 wurde die lithographische Produktion teilweise an das Lithographische Institut übertragen. 1822 wurden die Verlagsrechte des K. k. Hoftheater-Musik-Verlags und 1823 jene von Josef Riedl, dem Nachfolger des Bureau des Arts et d’Industrie erworben. 1826 übernahm H. die Firma alleine und unter seinem Namen. 1832 erwarb er Mollos Verlag. Nach H.s Tod 1842 war die Firma als Tobias H.s Witwe und Sohn bekannt, nach dem Tod der Witwe 1848 Carl H. quondam Tobias. Nach Carls Tod 1868 führte zunächst dessen Witwe Josephine das Geschäft weiter, verkaufte es aber 1875 an Robert Lienau (A. M. Schlesinger) in Berlin. 1843 übersiedelte die Firma auf den Kohlmarkt (Wien I, Graben 19). Zu den verlegten Komponisten zählten L. v. Beethoven (1828 Beginn einer Gesamtausgabe), F. Chopin, C. Czerny, A. Diabelli, J. Eybler, Joh. Gänsbacher, G. F. Händel, J. N. Hummel, Niccolò Isouard, F. Krommer, F. Lachner, J. Mayseder, I. Moscheles, W. A. Mozart, Georges Onslow, H. Payer, Johann Peter Pixis, Ph. J. Riotte, G. Rossini, Fr. Schubert, R. Schumann, L. Spohr, M. Stadler, S. Thalberg und C. M. v. Weber. 1817–24 erschien die verlagseigene Zeitschrift Allgemeine musikalische Zeitung mit besonderer Rücksicht auf den österreichischen Kaiserstaat. Gewinne wurden v. a. mit der Tanzmusik (Joh. Strauß Vater und Sohn, J. Lanner, Jos. Strauß, C. M. Ziehrer, J. Kaulich) gemacht. Das Geschäft hatte bis zu 50 Angestellte (darunter herausragende Kupferstecher) und in der Kupferdruckerei 14 Pressen.


Literatur
MGG 5 (1956); NGroveD 11 (2001); MGÖ 2 (1995); Czeike 3 (1994); A. Weinmann, Vollständiges Verlagsverzeichnis Senefelder-Steiner-H. 1–3 (1979–83); M. Unger (Hg.), Ludwig van Beethoven und seine Verleger S. A. Steiner und Tobias Haslinger 1921; A. Weinmann, Wr. Musikverleger und Musikalienhändler von Mozarts Zeit bis gegen 1860. 1956; M. Twyman, Early Lithographed Music 1996; Schul- und Konzertbericht des Steiermärkischen Musikvereines in Graz für das Schuljahr 1913–1914, 1914.

Autor(en)
Barbara Boisits
Empfohlene Zitierweise
Barbara Boisits, Art. „Haslinger, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]