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Hellmesberger Hellmesberger Simon: (Helmesberger), Familie
Simon: * 1754-10-2727.10.1754 Wolfpassing an der Hochleithen/NÖ, † 1830-11-066.11.1830 Josefstadt (Wien VIII). Geiger und Komponist. War mindestens 1780–88 Schullehrer in Stetten/NÖ, danach kurz in Götzendorf bei Spannberg/NÖ. 1789 soll er nach Wien gekommen sein, wo er spätestens ab 1796 als Hauslehrer (vermutlich bei Joseph Graf Wilczek) wirkte.

Seine Söhne

Franz Seraph Joseph: * 28.4.1785 Stetten, † 28.3.1811 Rossau (Wien IX). Musiker. Wird bei der Eheschließung rund zweieinhalb Monate vor seinem Tod als Musiklehrer bezeichnet. Seine Witwe brachte posthum den Sohn Johannes Baptist (* 31.8.1811 Rossau) zur Welt.

Georg d. Ä.: * 24.4.1800 Rossau, † 16.8.1873 Neuwaldegg/NÖ (Wien XVII). Geiger und Komponist. Erster Musikunterricht durch den Vater. Von Oktober 1810 bis 1812 Sängerknabe der Hofmusikkapelle (u. a. neben Fr. Schubert), Gymnasialstudien im Zisterzienserstift Heiligenkreuz, besuchte die beiden Philosophieklassen in Wien, wurde über Vermittlung der Familie Sonnleithner in der Öffentlichkeit bekannt; 1819–21 Schüler von Jos. Böhm (Geige) und E. A. Förster (Komposition) am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde, wurde dort 1821 Böhms Assistent, 1826 Titular- und 1833–67 wirklicher Prof., Lehrer u. a. von J. Joachim, L. Auer und seinen Söhnen Georg und Joseph, 1830 Konzertmeister der Hofoper (nach dem Tod von I. Schuppanzigh) und 1830–73 Mitglied der Hofkapelle, nach der Konstituierung des Philharmonischen Orchesters 1842 bis 1868 1. Orchesterdirektor und 1860–70 Obmann des Komitees.


Ehrungen
Ehrenmitglied des Musikvereines für Steiermark 1821.
Werke
2 Violinkonzerte, Streichquartett, Variationen, Violinwerke mit verschiedener Begleitung.


Georgs Kinder

Joseph d. Ä.: * 3.11.1828 Wien, † 24.10.1893 Wien. Geiger und Dirigent. Schüler seines Vaters (nicht am Konservatorium), 1851 artistischer Leiter, Dirigent der Gesellschaftskonzerte sowie Direktor des Konservatoriums der GdM. Nach der Ämterteilung 1859 blieb er Direktor des Konservatoriums, während J. Herbeck Dirigent der Gesellschaftskonzerte wurde. 1851–77 auch Prof. für Violine am Konservatorium, 1855–77 Solist bzw. ab 1860 Konzertmeister der Wiener Philharmoniker (1869/70 Obmann), 1863 Soloviolinist der Hofkapelle (seit 1847 Exspektant), 1870 vorübergehend Leiter des Singvereins der GdM, 1876/77 Vizehofkapellmeister, nach Herbecks Tod 1877–93 Hofkapellmeister; gründete 1849 das H.-Quartett (H., M. Durst, C. Heißler, K. Schlesinger), das er von L. Jansa übernommen hatte, bis 1891 leitete und das im Wiener Musikleben durch die Aufführung der Quartette von L. v. Beethoven, Fr. Schubert und J. Brahms eine bedeutende Rolle spielte. Unter seiner Führung entwickelten sich sowohl das Orchester der Gesellschaftskonzerte, das sich nur mehr aus Berufsmusikern zusammensetzte, als auch das Konservatorium zu führenden Institutionen. Seit 1851 mit der Schauspielerin Rosa Johanna Wilhelmine Anschütz (* 20.3.1830 Wien, † 10.9.1909 Lichtental [Baden-Baden/D]) verheiratet, einer Tochter von H. Anschütz.


Gedenkstätten
Ehrenhalber gewidmetes Grab auf dem Friedhof Hietzing (Wien XIII, s. Abb.); H.gasse (Wien XIV).
Ehrungen
Widmungsträger von R. Volkmanns „Jubelchor zu seiner 200sten Quartett-Production in Wien (am 27. Februar 1873)“.
Werke
Bearbeitungen, Etüden, Introduktion und Fuge für Streichquartett.


Georg d. J. Franz: * 27.1.1830 Wien, † 12.11.1852 Hannover/D. Geiger und Komponist. Schüler seines Vaters Georg d. Ä. (nicht am Konservatorium), unternahm mit seinem Bruder 1847 eine Konzertreise nach Deutschland und England und reüssierte mit seinen ersten Opern bereits 1847 in Graz sowie 1849 in Olmütz. Er wurde 1850 Konzertmeister in Hannover, Leitung der Vaudeville- und Ballettmusik am Hoftheater, kurz vor seinem Tod noch zum Musikdirektor ernannt.


Werke
Opern (Die Favoritin, Der Tag der Verlobung, Die Bürgschaft, La Rose de Péronne, Der treue Arzt, Palma oder Die Reise nach Griechenland, Il matrimonio segreto, Les deux Reines); Symphonien; Große Festouvertüre f. Orch. op. 65; Kammermusik; Solostücke f. V.


Anna: * 18.2.1845 Wien, † zw. 1906/21 Berlin?. Schauspielerin und Soubrette. Debütierte 1865 am Theater in Czernowitz, von wo sie 1866 nach Laibach wechselte. 1867 trat sie in Triest und Augsburg/D auf, 1867/68 war sie in Linz engagiert und 1868 in Graz. Von Brünn (1868/69) kam sie für die Saison 1869/70 nach Pest. Zuletzt versuchte sie sich 1871 mit wenig Erfolg als Lokalsängerin am Strampfer-Theater. 1873 heiratete sie den Bankbeamten Theodor Gottlieb (1844–1921), aus dieser Ehe ging E. Gottlieb hervor. Spätestens ab 1906 lebte das Paar in Berlin, A. starb vor ihrem Mann.

Josephs Kinder

Rosa (Rosette, Rositta) Anna Emilie Auguste: * 7.2.1854 Wien, † 28.2.1916 Wien. Sängerin (Mezzosopran) und Schauspielerin. Trat spätestens ab 1880 als Sängerin in Erscheinung, studierte 1881–83 Operngesang und Dramatische Darstellung am Konservatorium der GdM. 1883 debütierte sie an der Wiener Hofoper, wo sie bis 1889 engagiert war; Gastauftritte führten sie 1883 nach Preßburg, 1886 nach Brünn und 1888 nach Prag sowie Ulm/D. Für die Saison 1889/90 wechselte H. ans Wiener Volkstheater; 1890/91 ohne festes Engagement, Gastspiele in Salzburg und Klagenfurt. 1891/92 am Thaliatheater in Hamburg/D, danach lebte sie in Wien und gab Gastspiele u. a. in München (Volkstheater 1892), Steyr (1892), Saaz (Žatec/CZ, 1892), Wiener Neustadt (1893), Marburg (1894) und Prag (Sommertheater 1893, Deutsches Volkstheater 1894). Nach 1894 scheint sie nicht mehr aufgetreten zu sein. Sie reüssierte v. a. auch als Soubrette. Ihre uneheliche Tochter Rosa Theodora Ernestine (* 18.6.1877 Wien, † 23.2.1968 Wien) war die zweite Frau des Wiener Architekten Ernst Wilhelm Artmann (1871–1939).

Joseph d. J. Heinrich Georg (genannt „Pepi“): * 9.4.1855 Wien, † 26.4.1907 Wien. Geiger und Komponist. Studierte 1865–70 am Konservatorium Klavier, Violine (bei seinem Vater) und Musiktheorie, ab 1870 2. Geiger im H.-Quartett. 1870–73, 1875–81 und 1884–1901 Mitglied der Wiener Philharmoniker (mehrmals vertretender Konzertmeister), ab 1873 Konzertmeister an der Komischen Oper (Ringtheater), hier 1881 auch Kapellmeister. 1875 Musiker beim IR Nr. 4 Hoch- und Deutschmeister (Konzertmeister der Streicherbesetzung, Schlagzeuger der Bläserbesetzung), 1876–78 Kapellmeister des IR.s Nr. 32. 1879–1900 Soloviolinist der Hofkapelle (seit 1874 Exspektant) sowie 1878–1902 Prof. am Konservatorium. 1884–1903 Leiter der Ballettmusik an der Hofoper mit dem Titel Hofopernkapellmeister (Anstellung als solcher 1886), 1900/01 Vizehofkapellmeister, 1901–03 1. Hofkapellmeister als Nachfolger von H. Richter, 1900–03 Leitung der Philharmonischen Konzerte, übernahm nach dem Tod des Vaters als erster Geiger die Leitung des H.-Quartetts (s. Abb.), 1904/05 Kapellmeister am Stuttgarter Hoftheater, 1905 kurzzeitig Kapellmeister am Berliner Metropoltheater, im Sommer 1906 musikalischer Leiter der Operetten-Festspiele in Frankfurt am Main/D.


Werke
22 Operetten (u. a. Capitän Ahlström, Der Graf von Gleichen und seine Frauen, Der schöne Kurfürst, Rikiki, Das Orakel, Das Veilchenmädel, Die drei Engel, Mutzi, Der Triumph des Weibes); Ballette (Meißner Porzellan, Die verwandelte Katze, Harlekin als Elektriker, Die Perle von Iberien); Bühnenmusik; Tanzmusik; Lieder; Historische Musik zur silbernen Hochzeit Franz Josephs I.; Revision der Partitur von H. Wolfs sinfonischer Dichtung Penthesilea.


Ferdinand Emil Heinrich Josef: * 24.1.1863 Wien, † 15.3.1940 Wien. Cellist und Dirigent. Ausbildung 1878–83 am Konservatorium (Violoncello bei K. Udel, Klavier, Harmonielehre), ab 1879 im Hofopernorchester, 1880 Exspektant und 1892–1902 Mitglied der Hofkapelle, ab 1883 im Quartett seines Vaters, 1884–1901 (1900/01 beurlaubt) Lehrer am Konservatorium, 1886–1900 Solocellist der Hofoper bzw. der Wiener Philharmoniker, 1903–05 Kapellmeister an der Volksoper Wien unter R. Simons, 1905–08 Kapellmeister an der Berliner Hofoper, ab 1908 Kurkapellmeister in Abbazia (Opatija/HR), Baden bei Wien, Marienbad und Karlsbad. Im Herbst 1930 übernahm er die Meisterklasse für Cello am Konservatorium Lutwak-Patonay als Nachfolger seines früheren Schülers A. Walter.

Emilie Henriette Ernestine (genannt auch Mizzi): * 11.1.1866 Wien, † nach 1907 (Ort?). Schauspielerin. Erhielt ihre Ausbildung 1886–88 in der Schauspielschule am Konservatorium der GdM. Anschließend spielte sie 1888/89 in Lübeck/D, 1889/90 stand sie am Wiener Volkstheater im Engagement, für die Saison 1890/91 wechselte sie ans Wallnertheater nach Berlin, 1891/92 am Thaliatheater in Hamburg. Danach verliert sich ihrer Spur, sie dürfte ihre Karriere infolge einer Verehelichung beendet haben.


Ehrungen
Silberne Gesellschaftsmedaille der GdM 1888.
Literatur
MGG 6 (1957), 16 (1979) u. 8 (2002); NGroveD 11 (2001); Riemann 1959 u. 1972; ÖBL 2 (1959); Lang 1986 (J. H. d. J.); MGÖ 2–3 (1995); R. M. Prosl, Die H. 1947; P. Lorenz in ÖMZ 23 (1968); J. Freyenfels in NZfM 132 (1971, über J. d. J.); Ch. Merlin, Die Wr. Philharmoniker 2017; C. Hellsberg, Demokratie der Könige: die Geschichte der Wiener Philharmoniker 1992; H. Blaukopf/K. Blaukopf, Die Wiener Philharmoniker 1986; zu J. d. Ä.: O. Strasser in Musikbll. der Wiener Philharmoniker 48/4 (1993); A. Barthlmé, Vom alten H. 1908; G. Fischer, Opern u. Concerte im Hotheater zu Hannover bis 1866, 1899, 172f, 181, 187f, 284f, 287; H. Sievers, Hannoversche Musikgesch. 2 (1984), 302–307; [Fs.] Wr. Philharmoniker 1842–1942, 1942, 75f, 117 u. 121; Köchel 1867; Th. Antonicek in StMw 29 (1978); C. F. Pohl, Die Ges. der Musikfreunde des österr. Kaiserstaates u. ihr Conservatorium 1871, 148 u. 166; W. Beetz, Das Wr. Opernhaus 1869 bis 1945, 1949, 85, 88, 101, 114; Schul- und Konzertbericht des Steiermärkischen Musikvereines in Graz für das Schuljahr 1913–1914, 1914; Wr. Ztg. 24.6.1819, 567; Fremden-Bl. 13.9.1865, 6; Neues Fremden-Bl. 11.2.1866, 12, 29.8.1869, 6; NFP 11.9.1866, 5, 30.3.1867, Abendbl., 7, 11.11.1871, 8, 6.2.1882, 7, 28.12.1882, 3, 4.8.1889, 5, 20.2.1891, 8, 12.9.1909, 26; Bll. f. Musik, Theater u. Kunst 19.4.1867, 126; [Linzer] Tages-Post 29.10.1867, 4, 2.5.1868, 3, 6.10.1868, 3, 28.10.1892, 5; [Grazer] Tagespost 11.5.1868, Abendbl., 2; Wr. Theater-Chronik 13.10.1868, 201, 22.4.1870, 58, 2.10.1868, 196; Die Presse 9.7.1869, 10, 11.8.1880, 10, 13.4.1888, 11, 3.7.1888, 11, 18.1.1891, 16; Morgen-Post 8.9.1871, 3, 11.12.1882, 4; Neues Wr. Tagbl. 13.5.1883, 5, 30.11.1888, 7; Signale f. die musikalische Welt 42 (1884), 98; Mährisches Tagbl. 22.4.1886, 4; Prager Tagbl. 12.4.1888, 5, 19.5.1894, 10; Der Humorist 5.9.1889, 4 u. 6, 22.5.1891, 2, 21.9.1891, 3, 20.5.1893, 5; Wr. Presse 23.9.1889, 3; Neues Wr. Abendbl. 3.5.1890, 4, 28.2.1893, 4, 10.1.1905, 10, 17.5.1905, 13; Freie Stimmen aus Kärnten 14.3.1891, 6, 30.7.1892, 3; Wr. Theaterztg. 20.12.1892, 3; Marburger Ztg. 15.2.1894, 5; Wr. Neueste Nachrichten 21.9.1903, 4; Neues Wr. Journal 7.3.1905, 7, 12.9.1909, 8; Österr. Illustrierte Ztg. 1.7.1906, 911; Kur-Liste Bad Ischl 20.9.1906, 1; Neuigkeits Welt-Bl. 28.4.1907, 17; Fremdenverkehr 16.8.1908, 13; Reichspost 25.9.1930, 9; Trauungsbuch 1780–84 der Schottenpfarre (Wien I), fol. 34r; Taufbuch 1784–1847 der Pfarre Stetten, fol. 3 u. 8; Taufbuch 1795–1802 der Pfarre Maria Treu (Wien VIII), fol. 66; Taufbuch der Pfarre Rossau 1797–1803, fol. 76; Taufbuch 1804–14 der Pfarre Rossau 1804-14, fol. 161; Sterbebuch 1796–1813 der Pfarre Rossau, fol. 328; Trauungsbuch 1808–14 der Schottenpfarre, fol. 106; Sterbebuch 1823–33 der Pfarre Maria Treu, fol. 172; Taufbuch 1817–39 der Pfarre Maria Rotunda (Wien I), fol. 94; Taufbuch 1828–32 der Dompfarre St. Stephan (Wien I), fol. 118; Taufbuch 1844–47 der Dompfarre St. Stephan, fol. 125; Taufbuch 1852–55 der Dompfarre St. Stephan, fol. 353; Taufbuch 1845–67 der Pfarre St. Michael (Wien I), fol. 342; Trauungsbuch 1843–53 der Dompfarre St. Stephan, fol. 128; Trauungsbuch 1869–74 der Pfarre St. Karl Borromäus (Wien IV), fol. 224; Taufbuch 1853–60 der Pfarre St. Peter (Wien I), fol. 34; Taufbuch 1861–76 der Pfarre St. Peter, fol. 126; Taufbuch 1872–78 der Pfarre St. Augustin (Wien I), fol. 135; Sterbebuch 1871–74 der Pfarre Dornbach, fol. 19; Sterbebuch 1911–20 der Pfarre Maria Hietzing (Wien XIII), fol. 94; www.friedhoefewien.at (5/2019); http://www.architektenlexikon.at/de/9.htm (5/2019); eigene Recherchen (Jahresberichte des Konservatoriums der GdM; Dt.e Bühnen-Jb.er u. Theater-Almanache; www.anno.onb.ac.at).

Autor(en)
Barbara Boisits
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Barbara Boisits/Christian Fastl, Art. „Hellmesberger (Helmesberger), Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 15/07/2019]