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Hoch- und Deutschmeister
K. [u.] k. Infanterie-Regiment Nr. 4. Musiker bei den Deutschmeistern gab es aufgrund von erhaltenen Gebührenabrechungen seit der Aufstellung des Regiments im Jahre 1696. Die Bildung einer Militärkapelle als „Hauboisten-Banda“ soll nach der ersten Regimentsgeschichte von Gustav Amon von Treuenfest (Wien 1879) am 1.5.1741 stattgefunden haben. Ein Regimentstambour wird in den Akten erstmals 1740 erwähnt; der erste Kapellmeister Wenzel Türck ist 1767 in den Matriken zu finden. 1774 erfolgte die erste definitive Erwähnung der „Hauboisten-Banda“ in den Musterlisten des Regiments. Jahrzehnte hindurch blieb die Funktion der Deutschmeisterkapelle vorerst im wesentlichen auf militärische Gebrauchsmusik beschränkt.

Unter der Leitung des populären Tanzkapellmeisters Ph. Fahrbach sen. spielte die in Wien stationierte Regimentsmusik 1841–46 vermehrt bei privaten Veranstaltungen wie Bällen und Promenadenkonzerte, oft auch gemeinsam mit der Kapelle von Joh. Strauß Vater. Durch die zusätzlichen Verdienstmöglichkeiten konnten sehr gute Musiker gewonnen werden; sie hatten sowohl ein Blas- als auch ein Streichinstrument zu beherrschen, damit die Kapelle sowohl als Militärmusik als auch als Streicherensemble auftreten konnte.

Durch die Verlegung des Regiments nach Galizien im Jahre 1846 fand die umfangreiche private Tätigkeit ein jähes Ende; nahezu vier Jahrzehnte lang blieben die Deutschmeister den großen Städten weitgehend fern und hatten damit wenig gute Auftrittsmöglichkeiten. Wichtigster Kapellmeister dieser Zeit war Josef Dubetz (1848–60, 1863–79).

1885 begann mit C. M. Ziehrer der erfolgreichste Abschnitt in der Geschichte der Musik der H.- u. D. Die Kapelle war in den Wiener Konzertlokalen und bei Tanzveranstaltern sowie beim Publikum sehr beliebt und sogar für die Strauß-Kapelle eine ernsthafte Konkurrenz. Die häufigsten Auftrittsorte waren die Etablissements Ronacher, Dreher und Stalehner. Das Repertoire bestand aus aktuellen Opern- und Operettenouverturen, Potpourris sowie Tanzmusik von Joh. Strauß Sohn und seinen Zeitgenossen. Nahezu ein Drittel der gespielten Werke stammte von Ziehrer selbst.

Da Ziehrer 1893 von seiner Chicago-Reise mit einer Privatkapelle in Deutschmeisteruniformen nicht rechtzeitig zurückkam, setzte das Regiment ab 1894 W. Wacek als Kapellmeister ein, der bis 1918 blieb. Auch unter seiner Leitung gab es zeitgenössischen Berichten zufolge sehr gute musikalische Leistungen; 1910 wurde sogar eine große Südamerikatournee durchgeführt. Die Zahl der außermilitärischen Verpflichtungen stieg weiter an; so sind z. B. allein für den Februar 1914 aufgrund des erhaltenen Kassabuches 61 (!) private Auftritte nachweisbar.

Nach dem Ende der Donaumonarchie gab es verschiedene Versuche von Militärveteranen, die Deutschmeistermusik als Privatkapelle fortzuführen. Am erfolgreichsten waren die sog. Original Hoch- und Deutschmeister unter J. Hermann.

Nach Amon v. Treuenfest existierten bereits 1879 mehr als 800 Deutschmeisterlieder; nur wenige sind erhalten. Neben einzelnen Tanzmusikstücken wie Fahrbachs Walzer op. 161 Die Deutschmeister entstanden dutzende Deutschmeistermärsche, u. a. von L. v. Beethoven, Joh. Strauß Sohn und F. v. Suppè. Am populärsten wurden der Deutschmeister-Regiments-Marsch op. 6 von W. A. Jurek und der Hoch- und Deutschmeister-Marsch op. 41 von D. Ertl.


Literatur
F. Anzenberger in Deutschmeisterbund (Hg.), 300 Jahre Regiment „Hoch- und Deutschmeister“ 21999; F. Anzenberger in Alta Musica 22 (2000).

Autor(en)
Friedrich Anzenberger
Empfohlene Zitierweise
Friedrich Anzenberger, Art. „Hoch- und Deutschmeister‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]