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Hölle, Die
Kabarett im Souterrain des Theaters an der Wien. Die Ausstattung der beiden Räumlichkeiten, dem Theater- und dem Höllesaal, der ab Herbst 1912 als Bar geführt wurde, stammte ursprünglich von Josef Urban, Heinrich Lefler und Ludwig Ferdinand Graf, 1907 erfolgte eine Neugestaltung der Räumlichkeiten. In den Räumen des 1901 von Felix Salten geleiteten Jung-Wiener Theaters zum lieben Augustin wurde die H. am 7.10.1906 unter der Direktion der Brüder S. und L. Natzler eröffnet. Star des Eröffnungsprogramms war M. Mars, als Conférencier und literarischer Mitarbeiter neben W. Sterk fungierte der noch weitgehend unbekannte F. Grünbaum. Den Höhepunkt des Abends bildete E. Eyslers Operetteneinakter Phryne (T: F. Grünbaum und R. Bodanzky). Die H. wurde offiziell als Singspielhalle geführt, weshalb nur einaktige Werke erlaubt waren. Eingeleitet von ein bis zwei Musikstücken blieb der Programmablauf bis Mitte der 1920er Jahre nahezu unverändert: Ein Conférencier führte durch den Abend und hielt auch einen Solovortrag, meist mit eigenen Dichtungen, drei bis vier Sänger bzw. Sängerinnen trugen Chansons vor, ein Schwank folgte vor der Pause, ein Operetteneinakter am Ende (u. a. Mitislav der Moderne von F. Lehár 1907 [T: F. Grünbaum und R. Bodanzky], Wein, Weib, Gesang von B. Granichstaedten 1909 [T: Adolf Altmann], Brüderlein Fein von L. Fall 1910 [T: Julius Wilhelm], Der Dreibund von H. May 1912 [T: Alfred Spitzer], Mamsell’ Napoleon von O. Nedbal 1919 [T: Emil u. Arnold Golz], Pst, Herr Ober! von K. Hajos 1920 [T: W. Sterk], Schloss Rosenstein von R. Stolz 1921 [T: Otto Hein und Ernst Wengraf], Frühling von F. Lehár 1922 [T: Rudolf Eger]), abgeschlossen von einem Marsch. Zwischen den Gesangsvorträgen, die etwa jeweils 10 Minuten dauerten, wurden spezielle Varieténummern wie Tänze, Pantomimen, Kunststücke, Gastspiele untergebracht. Die Musikbegleitung übernahm, abhängig von den finanziellen Möglichkeiten der jeweiligen Direktion, ein aus acht bis 12 Mitgliedern bestehendes Orchester, ein Quartett oder ein Pianist. Als musikalischer Leiter fungierte zunächst B. Laszky, 1912 gefolgt von Paul Pallos, die Musikbegleitung stammte von der Kapelle Paul Kurz. Stars unter den Sängern der H. waren neben M. Mars M. Marlow, Carli (eig. Karoline) Nagelmüller, Theo Körner, der R. Benatzky als Chansonkomponist populär machte, nach dem Ersten Weltkrieg F. Ressel, H. Leopoldi, J. Selim. Im Selbstverlag der H., aber auch bei anderen Verlagen (u. a. A. Robitschek, Lyra, Josef Eberle, Franz Bárd und Bruder, Schuberthaus-Verlag) erschienen viele Chansons und Texte aus dem H.-Repertoire. Ende März 1916 musste die H. aus finanziellen Gründen geschlossen werden, im August 1919 erfolgte die Wiedereröffnung unter Herbert Trau mit Otto Weber als musikalischem Leiter. 1920 Umbenennung in Wiener Kammersingspiele, vormals „H.“, verbunden mit einem Umbau des Zuschauerraums. 1920/21 leitete R. Stolz die H. und blieb bis Ende 1921 deren künstlerischer Leiter, während dieser Zeit wurden einige seiner Operetten hier uraufgeführt. Es folgten mehrere Direktorenwechsel, im Sommer 1923 erneut Umbauarbeiten. 1924 übernahm wieder P. Pallos die musikalische Leitung, unter der Direktion von Arthur Spitz wurde auf Operetteneinakter und Schwänke sowie einleitende Orchesterstücke vollkommen verzichtet und auf ein reines Nummernprogramm umgestellt. Ab 1924 war auch Publikumstanz im Anschluss an die Vorstellungen im Theatersaal und in der H.bar möglich. Im Jänner 1925 wurde mit F. Grünbaums Rund um den Mittelpunkt (M: E. Neumann) erstmals eine Revue in der H. gespielt, die das Haus vor dem drohenden Konkurs rettete. Im gleichen Jahr trat H. Wiener als musikalischer Leiter in die H. ein. Mit O. Friedmanns und Felix Fischers Die große Trommel (M: C. Frydan) folgte im Herbst 1925 erneut eine Revue, die weiteren Programme boten einerseits wieder die alte Programmabfolge mit Einaktern und Einzelnummern, andererseits weitere Revuen. Nach dem Konkurs Ende April 1926 Wiedereröffnung im Jänner 1928. Von Oktober 1929 bis März 1931 nutzte das „Theater der Komiker“ (u. a. mit H. Moser) die Räume der H., weitere Wiederbelebungsversuche des Hauses scheiterten.
Literatur
G. Wacks in M.-Th. Arnbom/G. Wacks (Hg.), Das Theater und Kaberett „Die H.“ 2010; H. Veigl, Lachen im Keller 1986; Czeike 3 (1994); Fremden-Blatt 21.3.1916, 18; NFP 3.10.1909, 40.

Autor(en)
Monika Kornberger
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Hölle, Die‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 07/02/2012]