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Hofburgkapelle
Älteste und Hauptkapelle der Wiener Burg (Patrozinium: Mariä Himmelfahrt), Sitz der Wiener Hofmusikkapelle. Im ältesten Teil der Burg, dem sog. „Schweizertrakt“ (auf dem Boden der „neuen Pfalz“ – im Gegensatz zur „alten Pfalz“ am „Hof“ [Wien I] bzw. zur Residenz in Klosterneuburg) gelegen, wurde sie erstmals 1296 urkundlich erwähnt; Albrecht I., der sich selbst als Gründer der H. bezeichnet, dürfte diese nach 1287/88 errichtet haben. 1423–26 kam es unter Albrecht V. zu einer Erweiterung. Die heute noch zu erkennende hochgotische Gestalt erhielt die H. durch einen Neubau unter Friedrich III. 1447–49, der die ursprünglich Maria und den Heiligen Johannes dem Täufer, Johannes Evangelist und Pankratius gewidmete Kapelle nun der Heiligen Dreifaltigkeit und allen Heiligen weihen liess. In ihrem Inneren ist die H. durch den spätbarocken Umbau unter Maria Theresia geprägt, wenngleich (u. a. in der Gestaltung der drei Emporen, Statuen der 14 Nothelfer) noch Reste der ursprünglich den Innenraum dominierenden donauländischen Gotik zu erkennen sind. 1802 wurde die H. regotisiert. Die H. scheint schon sehr bald über eine Orgel verfügt zu haben, konkrete Aufzeichnungen gibt es jedoch erst ab dem Neubau durch Antonio Toroni 1629; 1763 erfolgte ein Orgelneubau durch J. F. Ferstl, 1803 durch Johann Joseph Wiest, der jedoch 1823 durch ein Werk Ch. Erlers ersetzt wurde. 1862 erbaute C. F. F. Buckow ein neues Werk, das erst 1962 durch einen Neubau der Firma Walcker-Mayer ersetzt wurde.

Die H. war die Wiener Hauskapelle der Habsburger; in ihr (bzw. ihren Nebenräumen) fanden Taufen, tägliche Gottesdienste und Andachten statt bzw. wurden die Toten öffentlich aufgebahrt (Exequien); für große Feierlichkeiten wich der Hof aus Platzgründen jedoch in die benachbarte Augustinerkirche aus. Die H. war (v. a. nach der Ausgliederung der Theater unter Maria Theresia) Hauptwirkungsort der HMK und der Hofsängerknaben, die von den Emporen musizierten. In den umliegenden Räumen wird bis heute das Archiv der HMK verwahrt (nicht mehr benötigte Musikalien bzw. Verwaltungsakten werden jedoch in die entsprechenden öffentlichen Sammlungen abgegeben: Musiksammlung der ÖNB [A-Wn] bzw. Österreichisches Staatsarchiv/Haus-, Hof- und Staatsarchiv). Die H. (wie auch die HMK) steht seit 1921 unter Bundesverwaltung.

Von den weiteren Kapellen in der Wiener Burg sind zu erwähnen: die Josefs- oder Kammerkapelle (Leopoldinischer Trakt, am Ende des sog. nördlichen Kontrollganges), die ab 1712 bestehende Kammerkapelle der Kaiserinwitwe Eleonora Magdalena (Schweizertrakt, 2. Stock) und eine Kapelle in der Amalienburg.


Literatur
Czeike 1 (1992); ÖL 1995; G Lade, Orgeln in Wien 1990.

Autor(en)
Elisabeth Th. Hilscher
Empfohlene Zitierweise
Elisabeth Th. Hilscher, Art. „Hofburgkapelle‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]